„Pieces of a Woman”: Vanessa Kirby auf direktem Oscar-Kurs
Was nach dem Schlimmsten kommt

Wie weitermachen nach einer Totgeburt? Vom schwierigen Leben nach der Katastrophe erzählt der ungarische Festivalliebling Kornél Mundruczó in seinem ersten englischsprachigen Film – mit einer furiosen Vanessa Kirby in der zentralen Rolle.

Donnerstag, 14.01.2021, 14:12 Uhr
Martha (Vanessa Kirby) manövriert nach der Fehlgeburt wie versteinert durchs Leben.
Martha (Vanessa Kirby) manövriert nach der Fehlgeburt wie versteinert durchs Leben. Foto: Netflix

Die ersten 25 Minuten von „Pieces of a Woman“ gehören zu den intensivsten, stressigsten und am Ende niederschmetterndsten der jüngeren Filmgeschichte: Ein junges Paar in Boston hat sich gründlich auf sein erstes Kind vorbereitet und für eine Hausgeburt entschieden. Als die Wehen einsetzen, ist die gebuchte Hebamme nicht verfügbar, eine andere springt ein. Diese rät, als mit dem Puls des Babys etwas nicht zu stimmen scheint, zur sofortigen Fahrt ins Krankenhaus, doch dazu kommt es nicht. Das Kind wird geboren – und stirbt.

Nach diesem dramaturgischen Keulenschlag am Ende einer Ouvertüre, die als Plansequenz ohne jeden Schnitt inszeniert wurde, geht der Film erst richtig los: Es geht um die große Frage danach, wie man überhaupt weitermachen kann nach einem solchen Schicksalsschlag. Die wohlhabende Martha manövriert nun wie versteinert durch ihr Leben, Partner Sean, ein Vorarbeiter, flüchtet sich erst in Aktionismus, dann in längst überwunden geglaubte Substanzabhängigkeiten. Und Marthas Mutter Elizabeth, als Holocaust-Überlebende einem lebensrettenden Pragmatismus zugeneigt, legt ihrer Tochter erst eine Klage gegen die Hebamme, dann ein schnelles Vergessen anheim.

Der erste US-Film des Ungarn Kornél Mundruczó („Underdog“) hinterlässt gleich zu Beginn einen so nachhaltigen Eindruck, dass es die folgende, etwas zu symbollastig angelegte Familienzerfallsstudie nicht eben leicht hat, damit noch zu konkurrieren. Doch die Darsteller halten alles zusammen: „Transformers“-Star Shia LaBeouf beweist sich mal wieder in einer differenzierten Charakterrolle, Hollywood-Legende Ellen Burstyn („Alice lebt hier nicht mehr“) dominiert ihre Szenen nach Belieben. Allen voran aber besticht Vanessa Kirby. Die 32-Jährige, bekannt als junge Princess Margaret aus der Serie „The Crown“, zieht als Martha zwischen Presswehengebrüll, emotionaler Vergletscherung und langsamem Weg zurück ins Leben alle Register – und dürfte dafür (nach dem Darstellerinnenpreis in Venedig) ziemlich sicher für den Oscar nominiert werden.

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