„Small Axe“: Anthologieserie über karibische Einwanderer
Mit Zorn, Liebe und Reggae

In „12 Years a Slave” beleuchtete Steve McQueen ein Sklavenschicksal in den USA, diesmal kümmert er sich um schwarze karibische Einwanderer in England – in fünf sehr unterschiedlichen Filmen einer brillanten Anthologieserie.

Donnerstag, 04.02.2021, 17:16 Uhr
Micheal Ward und Amarah-Jae St. Aubyn lernen sich auf der Reggae-Party kennen.
Micheal Ward und Amarah-Jae St. Aubyn lernen sich auf der Reggae-Party kennen. Foto: BBC

Diese fünfteilige Miniserie ist eigentlich keine Serie, sondern eine Anthologie aus fünf unterschiedlich langen Filmen (von 63 bis 128 Minuten), die unterschiedliche Schlaglichter auf das Leben karibischer Einwanderer in London werfen – von den späten Sechzigerjahren bis tief in die Achtziger hinein.

Inszeniert wurden alle fünf Filme von Steve McQueen, der nach seiner ersten Karriere in der Bildenden Kunst in die Filmregie wechselte, etwa das Drama „Shame“ (mit Carey Mulligan und Michael Fassbender) drehte und natürlich später das dreifach oscarprämierte Epos „12 Years a Slave“. In den fünf Filmen, deren Reihentitel dem gleichnamigen Bob-Marley-Song entlehnt ist, geht es immer wieder um reale Geschehnisse, etwa um die Aktivistengruppe „Mangrove Nine“, die 1970 gegen das Racial Profiling in einem beliebten karibischen Restaurant im West-Londoner Stadtteil Notting Hill aufbegehrte und vor Gericht gestellt wurde, um die Aufstände im Stadtteil Brixton anno 1981 oder um die in den Siebzigern gängige Praxis, karibische Einwandererkinder grundsätzlich in Förderschulen wegzusortieren.

In der dritten Folge „Red, White and Blue“ spielt „Star Wars“-Star John Boyega (der hierfür soeben für den Golden Globe nominiert wurde) einen der ersten schwarzen Polizisten in Großbritannien, der die Polizei von innen heraus verändern will und alsbald rassistisch geschnitten wird.

Gerichtskrimi, biografisches Drama, Cop-Porträt: Die von McQueen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Autoren entwickelten Episoden könnten stilistisch unterschiedlicher kaum sein, und doch bauen sie thematisch klug aufeinander auf, um am Ende ein aspektreiches Ganzes zu ergeben.

Die schönste Folge ist übrigens „Lovers Rock“, die nahezu ohne Plot erzählte Chronik einer Reggae-Hausparty: Leute kommen, verlieben sich, küssen sich, tanzen im Getümmel, gehen wieder. Am Ende geht die Sonne auf. Was 1980 spielt, wirkt in unserer Ära des Social Distancing wie eine begehrenswerte Science Fiction. Herausragend.

 

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