Mit „Pelé” und „Ted Lasso” gegen den Geisterspiel-Blues
Weltkicker und Provinztrainer

Das Fußball-Geschäft wird derzeit ohne Fans im Stadion durchgeführt – damit der Rubel weiter rollt. Um ein bisschen Fußballromantik zurückzugewinnen, empfiehlt sich der Blick auf eine brandneue Netflix-Doku und eine prämierte Streaming-Serie.

Donnerstag, 04.03.2021, 10:52 Uhr
Er dribbelte und meißelte Torschüsse zum Schwärmen: Fußball-Legende Pelé.
Er dribbelte und meißelte Torschüsse zum Schwärmen: Fußball-Legende Pelé. Foto: Netflix

Die Stadien sind derzeit verwaist, das Echo der getretenen Bälle hallt dumpf durch die menschenleeren Sportstätten, nur die unterkomplexen Anfeuerungsrufe echauffierter Trainer bilden die Soundkulisse: „Geh ran!“ Keine Frage, Fußball war schon mal aufregender.

Nirgends wird das klarer als in einer neuen Netflix-Doku, die die umjubelten Dribblings und skulptural gemeißelten Tore des berühmtesten aller brasilianischen Spieler vor Augen führt: Pelé. In einer sehr simplen Vom-Schuhputzer-zur-Legende-Dramaturgie folgt die Doku dem Lebensweg des heute 80-jährigen Stürmers, kramt Aufnahmen aus den Fünfzigern hervor, befragt Mitstreiter und kreist vor allem um die WM 1970, als Pelé noch einmal antrat für Brasilien – und zum dritten Mal Weltmeister wurde. Das gelang seither keinem Kicker mehr.

Pelés viel kritisierter indifferenter Haltung der Militärdiktatur gegenüber widmet der Film bloß einen gnädig kurzen Abschnitt, auch sonst fehlen Überraschungen – eher wirkt es so, als habe man dem Altstar ein glitzerndes Porträt zum runden Geburtstag spendieren wollen. Als solches geht die Doku locker durch. Vor allem die Ausschnitte aus seinen berühmtesten Spielen sind es, die mitreißen mit wie eh und je.

Wer seine filmische Lust auf lebendigen Fußball fernab der trüben Geisterspielgegenwart noch weiter stillen möchte, kann im europäischen Kino aus einer ganzen Bandbreite von Produktionen schöpfen, im Hollywood-Kino dagegen kaum. Kein Wunder, denn in den USA gelten nach wie vor Football und Baseball als die mit Abstand beliebtesten Sportarten. Dennoch kommt nun ausgerechnet von dort die Fußball-Serie der Stunde: „Ted Lasso“, zu sehen bei Apple-TV+ und just mit einem Golden Globe ausgezeichnet.

In der Serie verpflichtet die verbitterte Neubesitzerin eines fiktiven britischen Premier-League-Vereins einen zweitklassigen Football-Coach aus dem Süden der USA (spektakulär gut: Jason Sudeikis) als Trainer. Um sich an ihrem Ex-Mann zu rächen, hofft sie, dass Lasso den Verein ruiniert. Es kommt natürlich anders als gedacht. Der Plot klingt dünn, das stimmt, doch die warmherzige Komik der Serie rund um positives Denken, eitle Jungspieler und müde Veteranen funktioniert so gut, dass man ihr alles abnimmt. „Ted Lasso“ ist pures Comedy-Gold, kommt ohne jeden Zynismus aus und strahlt so viel euphorisierende Energie aus wie ein voll besetztes Stadion nach dem Pokalgewinn.

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