„Concrete Cowboy”: Wirkungsbewusster Neowestern mit Idris Elba
Mit dem Vater durchs Neubaugebiet reiten

Ein aufsässiger Junge muss den Sommer in Philadelphia verbringen. Er gerät dort ins Drogenmilieu – lernt aber auch den Reiterclub seines Vaters kennen: Ein verschworener Haufen Stadtcowboys mit Idealen.

Donnerstag, 08.04.2021, 12:54 Uhr
Cowboys in der modernen Stadt: Harp (Idris Elba, l.) und sein Sohn Cole (Caleb McLaughlin) reiten, reiten, reiten ...
Cowboys in der modernen Stadt: Harp (Idris Elba, l.) und sein Sohn Cole (Caleb McLaughlin) reiten, reiten, reiten ... Foto: Netflix

Auf der einen Straßenseite: eine bekannte Systemgastronomie. Auf der anderen: Luxusapartments. Und dazwischen reiten, zu Pferde, schwarze Männer und Frauen mit Cowboyhut und Lasso über den rissigen Asphalt. Am Abend versammeln sie sich ums Lagerfeuer und trotzen der Gentrifizierung, solange das noch geht. Dies ist nicht der Wilde Westen, es ist der Norden der Großstadt Philadelphia.

Den „Fletcher Street Urban Riding Club“ gibt es wirklich. Die gemeinnützige Organisation pflegt das Brauchtum afroamerikanischer Stadt-Cowboys, setzt sich für die Bildung unterprivilegierter Jugendlicher ein, holt sie von der Straße – und macht optisch viel her. So viel, dass Regisseur Ricky Staub sein Langfilmdebüt um diesen Club heruminszenierte.

Leider erzählt „Concrete Cowboy“ eine sehr schematische Geschichte. Schulstörenfried Cole (Caleb McLaughlin aus „Stranger Things“) wird von seiner Mutter über den Sommer zum von ihr getrennt lebenden Vater (Idris Elba, „Hobbs & Shaw“) nach Philadelphia geschickt. Harp gehört zu den Betoncowboys, lässt seinen Schimmel im Haus wohnen und weiß zunächst wenig mit dem entfremdeten Sohn anzufangen. Umgekehrt ebenso: Das Wegschaufeln von Pferdemist hatte sich Cole eher nicht als Sommerbeschäftigung vorgestellt.

So muss der Teenager erst auf die schiefe Bahn seines dealenden Kumpels Smush (Jharell Jerome, „Moonlight“) geraten, ehe er sich im Club der reitenden Cowgirls und -boys dann doch noch aufgehoben fühlen, sich dem Vater annähern und ein verantwortungsvollerer Mensch werden darf.

Die generisch geratene Coming-of-Age-Erzählung mit Vater-Sohn-Komponente erfüllt die üblichen Rührungszwecke, doch während sich ausgerechnet der Drogen-Plot ungut in den Fokus schiebt, würde man viel lieber mehr sehen von den urbanen Betonreitern, die so wunderbar aus der Zeit gefallen scheinen und sich im stadtplanerischen Verdrängungswettbewerb behaupten müssen. Da wäre mehr drin gewesen. Es bleibt: eine nette Erbauungsgeschichte.

 

Nachrichten-Ticker