Kultur
60 Jahre «Warten auf Godot»: Das Drama des Jahrhunderts

Paris (dpa) - Das Theater war halb leer. Es war kalt am Abend des 5. Januar 1953, als in Paris erstmals «Warten auf Godot» von Samuel Beckett gespielt wurde. Das neue Stück eines als schwierig geltenden Autors lockte nur wenige Kritiker und Zuschauer hinter dem warmen Ofen hervor.

Freitag, 04.01.2013, 12:06 Uhr

Der Applaus nach der Premiere heizte das kleine Pariser Théâtre Babylone jedoch ein. Die Welt feierte eine Theatersensation und Beckett (1906-1989) seinen späten Erfolg. Heute ist der Klassiker der Moderne eines der meistgespielten Stücke in Europas Theatern.

Das Stück auf die Bühne zu bringen, war schwer. Becketts Lebensgefährtin bot das Stück jahrelang Verlegern und Theaterdirektoren an. Als sich endlich ein Regisseur fand, die seltsame Geschichte aufzuführen, boykottierten die Darsteller zunächst. «Ich kenne keinen einzigen Schauspieler, der in einer solchen Farce mitspielen will», sagte einer der damaligen Akteure.

Die Tragikomödie handelt von den beiden Landstreichern Estragon und Wladimir, die ihre Zeit in Erwartung der nie erscheinenden Titelfigur verbringen. Die Bühne blieb bis auf einen Baum leer, ebenso wie die Dialoge. Im ersten Akt geschieht nichts und der zweite wiederholt das, was im ersten geschehen ist: nichts.

Wovon handelt « Warten auf Godot » eigentlich? Von Godot? Vom Warten? Handelt es sich um die Sinnlosigkeit des Daseins? Handelt es sich bei den Wartenden um die Verkörperung der menschlichen Hoffnung auf einen Sinnstifter für eine traurige Welt? Leitet sich das Wort Godot womöglich vom englischen Wort für Gott «God» ab? «Wenn ich Gott gemeint hätte, hätte ich Gott gesagt und nicht Godot!», antwortete Beckett, der eine Deutung seiner Werke zeitlebens ablehnte.

Die deutsche Erstaufführung fand im September 1953 im Berliner Schlosspark-Theater statt. Beckett, der damals im Parkett saß, kritisierte die Inszenierung von Karl-Heinz Stroux als zu «bedeutungsschwer». Er fand die Aufführung schrecklich und verließ das Theater noch, bevor sie zu Ende war. Doch der damalige Generalintendant Boleslaw Barlog holte ihn zurück.

Er habe Beckett am Hosenboden gepackt und ins Theater zurückgezerrt, wo er sich nur widerwillig verbeugt habe, erinnerte sich Barlog in seinen Memoiren.

Beckett schrieb über die deutschsprachige Erstaufführung: «Es war schlecht gespielt und vor allem schlecht inszeniert, wurde aber gut aufgenommen. Ich hätte es andersherum vorgezogen.»

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