Kultur
Ausstellungshöhepunkte 2013: Dürer und die Irokesen

Berlin (dpa) - Auch nächstes Jahr gibt es wieder eine große Dürer-Ausstellung. Daneben dürften sich einige kleinere Schauen mit besonderem Blickwinkel lohnen. Überhaupt gilt: Es muss nicht immer nur Berlin sein.

Donnerstag, 20.12.2012, 12:20 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 20.12.2012, 12:20 Uhr

ALTER MEISTER: Dieses Jahr gab es den «frühen Dürer », nächstes Jahr gibt es den späten noch dazu: «Albrecht Dürer - Seine Kunst im Kontext ihrer Zeit» heißt die Schau im Frankfurter Städel, die wohl das Zeug zu einem Blockbuster hat. Mehr als 100 eigenhändige Dürer-Werke aus den wichtigsten Gemäldesammlungen der Welt sowie 80 weitere Bilder von Vorläufern und Zeitgenossen sollen «Dürers Schaffen in seiner ganzen Breite und Vielfalt» vor Augen führen. Vom 23. Oktober 2013 bis zum 2. Februar 2014 erwartet das Städel zu diesem Top-Ereignis über 200 000 Besucher.

ALT TRIFFT NEU: Epochen und Ländergrenzen überschreiten will eine Ausstellung in der Galerie Neue Meister in Dresden . Sie greift vier Maler heraus, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts wirkten, und untersucht ihren Einfluss auf spätere Künstler bis hin zu Gerhard Richter. Bei den Vieren handelt es sich um den Engländer John Constable (1776-1837), den Franzosen Eugène Delacroix (1798-1863), den Deutschen Caspar David Friedrich (1774-1840) und den Spanier Francisco de Goya (1746-1828). Die Schau, die vom belgischen Künstler Luc Tuymans mit kuratiert wird, läuft vom 16. März bis zum 14. Juli und trägt den Titel «Die Erschütterung der Sinne».

ENFANT TERRIBLE: Er war schrill und schräg und skandalös: Martin Kippenberger , das Enfant terrible der deutschen Kunst zu Helmut-Kohl-Zeiten. Bekannt geworden durch seine Selbstporträts in weißer XXL-Herrenunterhose. 2013 wäre er 60 geworden, doch er starb schon 1997 mit nur 44 Jahren. Heute gilt er als einer der Großen. In der Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart erhält der selbst erklärte Exhibitionist vom 23. Februar bis zum 18. August eine Ausstellung mit 200 Werken, darunter «Martin, ab in die Ecke und schäm dich» (1989). Eine Warnung vorab: Kippenberger-Werke sind extrem wertvoll, aber nicht immer gleich als solche zu erkennen. Vergangenes Jahr wurde eins von einer Putzfrau teilweise weggeschrubbt.

FOTOGRAFIE: Zu Beginn von Wolfgang Tillmans' Karriere warnte der « Guardian » seine Leser, die unorthodoxen Akt-Studien und Großaufnahmen von Geschlechtsteilen seien nichts für schwache Nerven. Inzwischen ist der gebürtige Remscheider international anerkannt, nicht zuletzt durch den Turner-Preis, den er als erster deutscher Künstler erhielt. Als «längst überfällig» bezeichnet die Kunstsammlung NRW denn auch die Realisierung der ersten westdeutschen Einzelausstellung. Vom 2. März bis zum 7. Juli breitet das Düsseldorfer Museum im ehemaligen Ständehaus das umfassende Oeuvre des Fotografen aus - und lockt zusätzlich damit, dass jeder Besucher ein von Tillmans gestaltetes Künstlerbuch bekommt.

GROSSER NAME: In der Popgeschichte ist Yoko Ono die Frau von John Lennon, in der bildenden Kunst ist John Lennon der Mann von Yoko Ono. Die Frankfurter Schirn ehrt die Japanerin nächstes Jahr mit einer Retrospektive. Die Schau beginnt am 15. Februar, drei Tage vor ihrem 80. Geburtstag, und dauert bis zum 12. Mai. Rund 100 Objekte, Filme, Installationen, Fotos, Zeichnungen und Textarbeiten sowie ein eigener Medienraum beleuchten den vielfältigen Kosmos der Künstlerin, die vor allem die Fluxus-Bewegung der 60er Jahre beeinflusste. Yoko Ono will beim Aufbau und bei der Eröffnung selbst dabei sein.

DOPPELPACK: Hamburg setzt nächstes Jahr ganz auf den Bildhauer und Maler Alberto Giacometti (1901-1966), berühmt für seine extrem in die Länge gezogenen Menschenplastiken. Das Bucerius Kunst Forum konzentriert sich vom 26. Januar bis zum 20. Mai auf die Porträtkunst des Schweizers, der in der Hochphase der Abstraktion selbstbewusst auf einer figurativen Darstellungsweise beharrte. Die Hamburger Kunsthalle wiederum greift sich zur selben Zeit das wenig bekannte surrealistische Frühwerk heraus.

MAL WAS NEUES: Skandinavische Malerei - dazu fällt auch Kennern oft nur Edvard Munch ein. Die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung in München will nun zeigen, dass die nordischen Ländern zu Munchs Zeit noch viel mehr zu bieten hatten. «Aus Dämmerung und Licht - Meisterwerke nordischer Malerei» vereint vom 30. Mai bis zum 6. Oktober 140 Gemälde von 65 schwedischen, dänischen, norwegischen, finnischen und isländischen Künstlern, darunter stimmungsvolle Landschaftsbilder von weißen Nächten und Fjorden, Genrehaftes mit ochsenblutroten Bullerbü-Gehöften und Kauziges wie «Bruder St. Martin und die drei Trolle».

FREMDE KULTUR: Jeder kennt den Irokesenkamm - der Stamm, der dem Kamm seinen Namen gab, ist weniger geläufig. Als gefürchtete Krieger und begnadete Diplomaten hielten die Irokesen im 17. und 18. Jahrhundert die Kolonialarmeen Englands und Frankreichs in Atem - sie waren die ersten Indianer, mit denen die Europäer in Nordamerika in Kontakt kamen. Grund genug, um vom 22. März bis zum 4. August in der Bundeskunsthalle in Bonn «Auf den Spuren der Irokesen» zu wandern.

BLICK ÜBER DIE GRENZEN: Klein, aber fein - vom 26. Juni bis zum 8. September zeigt die National Gallery in London «Vermeer und Musik». Eine Frauen-Ausstellung, denn auf Vermeers Bildern sind fast nur Frauen zu sehen. Häufig vertreiben sie sich die Zeit mit Musizieren. Die Londoner Ausstellung vereint drei Musikbilder Vermeers (bei einem Gesamtwerk von kaum mehr als 30 Arbeiten ist selbst das schon ein Ereignis) und kombiniert sie mit Musikstunden anderer Meister und Originalinstrumenten der Epoche wie Virginalen, Lauten und Gitarren. Freier Eintritt!

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