Kultur
Bei Valerie June klingt der Blues hell und jung

Berlin (dpa) - Keine Stimme wie jede andere: Wenn Valerie June den «Workin' Woman Blues» anstimmt, ist man sofort ganz Ohr. Die Vocals der bildschönen Dame aus den US-Südstaaten transportieren Verletzlichkeit und Schmerz, Stolz und Lebensfreude.

Dienstag, 07.05.2013, 11:27 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 07.05.2013, 11:21 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 07.05.2013, 11:27 Uhr

Obwohl das Debüt «Pushin' Against A Stone» (Pias) im Blues-Fach eingeordnet werden kann (mit Elementen von Singer-Songwriter, Soul, Country-Folk und Gospel), ist Junes Gesang nicht bluesig im klassischen Sinne. Eine voluminöse schwarze Stimme sollte man nicht erwarten - es ist eher ein zarter, heller Ton, der sich durch die von Dan Auerbach (The Black Keys) gewohnt rustikal produzierten Songs zieht. Einige harte Lebensjahre, von denen Valerie June singt, lässt diese ungewöhnliche Stimme trotz ihrer Mädchenhaftigkeit aber zumindest erahnen.

Nach dem Opener mit dezentem Afropop-Groove wird die Musik, teilweise nur getragen von etwas Geige, Orgel und Ukulele, teilweise recht spartanisch. «The Hour», «Wanna Be On Your Mind», der Titelsong oder «Shotgun» tragen hingegen den Garagen-Soul-Stempel von Auerbach, der als Produzent voriges Jahr schon dem Südstaaten-Voodoo-Veteran Dr. John zu einem grandiosen Spätwerk verholfen hatte. Auch das ganz anders geartete Werk der jungen farbigen Sängerin aus Tennessee arrangierte der Black-Keys-Gitarrist ohne eitle Mätzchen und mit viel Liebe zum Detail.

Schwarze Musik mit Sixties- und Seventies-Bezügen erlebt auch nach dem Tod von Amy Winehouse eine neue Blüte - zuletzt trafen Sharon Jones, Michael Kiwanuka, Cody Chesnutt oder Charles Bradley mit traditionsbewussten Alben ins Schwarze. Valerie Junes Debüt lebt ebenfalls von diesem Vintage-Klangbild, biedert sich aber keinem Retro-Trend an. Sie selbst nennt ihren Stil «Organic Moonshine Roots Music». Über ihre Wurzeln in der US-Musiktradition sagte sie der « Frankfurter Allgemeinen Zeitung »: «Das Gute an der Vergangenheit ist doch: Man kann sie studieren, um aus ihr Wissen für die Zukunft zu gewinnen.»

«Pushin' ...» könnte auch auf einer Veranda mit Blick auf den Mississippi aufgenommen sein, so urwüchsig und naturbelassen wirkt diese eindrucksvolle Platte. Man wünscht der talentierten Sängerin, dass sie sich auch beim Nachfolger in die richtigen Produzenten-Hände begibt und ihre Authentizität nicht opfert.

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