Kultur
«Berlin - Tag & Nacht»-Ableger Hit bei jungen Leuten

Berlin/Köln (dpa) - Zuerst die gute Nachricht: Wer die Soap «Berlin - Tag & Nacht» kennt und mag, wird die neue Serie «Köln 50667» lieben. Und jetzt die schlechte Nachricht: Wer die Stadt Köln kennt und mag, wird «Köln 50667» vermutlich ziemlich schrecklich finden.

Dienstag, 08.01.2013, 17:48 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 08.01.2013, 17:40 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 08.01.2013, 17:48 Uhr

RTL II zeigt das neue Format seit dieser Woche von Montag bis Freitag um 18.00 Uhr und setzt auf sein bewährtes Soap-Konzept. Laiendarsteller dürfen eine Stunde lang abwechselnd nuscheln und brüllen und irgendwie gibt es immer gerade ein Missverständnis. Dazu treten tätowierte Frauen auf, die sich einen Zickenkrieg um einen Kerl liefern - die Domstadt wirkt wie ein riesiges Big-Brother-Camp.

Dennoch: Das Konzept hat bei jungen Leuten großen Erfolg. Bei den 14- bis 29-jährigen Zuschauern erreichte «Köln 50667» zum Start am Montagabend einen Marktanteil von 20,4 Prozent; obwohl RTL II um 18.00 Uhr gegen den ARD-Klassiker «Verbotene Liebe» antritt. Bei Facebook hat die Soap bis zum Dienstag rund 350 000 Fans erobert. Der Münchner Privatsender hatte das Internet geschickt für PR genutzt. Erstmals wurde die Vorgeschichte einer Soap nur bei Facebook erzählt.

Die Scripted-Reality-Welt von «Köln 50667» ist ein Ableger der Soap «Berlin - Tag & Nacht», die weiterhin werktäglich im Anschluss läuft. Es geht also um die Alltagsprobleme angeblich ganz normaler junger Leute. Doch sollen die Themen im rheinischen Spin-Off erwachsener sein. Von der anderen Serie kommt Meike in die neue Soap herüber. Sie zieht von Berlin nach Köln, weil sie den Biker und Barbesitzer Alex liebt. Seine Kneipe liegt nahe dem Dom und hat die Postleitzahl 50667. Alex hat sich gerade von Freundin Sam getrennt.

Schnell kommt für Meike die Ernüchterung. Weder beim Barpersonal noch bei Alex' Tochter ist sie willkommen: «Alle waren Anti-Meike. Scheiße, Alex! Deine Tochter findet mich zum Kotzen.» Auch Alex platzt manchmal der Kragen: «Chantal, misch Dich da nicht ein!» Viel Streit und Zickenkrieg. Wackelkamera, improvisierte Dialoge und wenig Sprecherfahrung sollen wohl Authentizität verleihen. Arglose Zuschauer könnten das alles beim Durchzappen in der Tat für echt halten.

Zwischendurch taucht dann mal so ein bunter Vogel wie der romantische Hitzkopf Diego auf, dem man die seltsamsten Sätze vorgegeben hat. «Ich bin nicht der Typ, der Frauen hinterherläuft. Aber bei Joleen ist das anders. Mein Verstand setzt aus - und mein Herz fängt an zu sprechen.» Seine Fäuste sprechen auch - mit Vorliebe mit dem schnöseligen Max, der einen 80er-Jahre-Porsche fährt.

Wie sehr das alles junge Zuschauer bewegt, zeigt Facebook. Dort twittern und posten die Charaktere - und bekommen postwendend gern mal gute Ratschläge und Schmäh-Botschaften. Vor allem Meike muss einstecken: «Fahr wieder nach Berlin und bring das mit Marcel wieder auf die reie besser ist das». Oder: «Verzieh dich aus der sendung du heulsuse». Bei Alex hat ein Fan hinterlassen: «du affe lass entlich meike in ruhe ihr passt nicht zusammen sie gehört zu marcel.»

Fernsehkritiker zeigten sich vom Auftakt eher irritiert. «Wer nur mit einem Auge hinguckt (weil das andere im Internet hängt), hat so gut wie nichts verpasst und kommt schnell wieder rein», urteilte das Onlineportal «derwesten.de» wenig beeindruckt. Unterdessen spricht «stern.de» von der «Rückkehr des Unterschichtenfernsehens».

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