Kultur
Eine pralle Wundertüte von The Phoenix Foundation

Berlin (dpa) - «Der Zeitgeist kann mich mal», sagt Samuel Flynn Scott, Frontmann der neuseeländischen Psychedelic-Rocker The Phoenix Foundation. In diesem Fall heißt das: Statt des üblichen schlanken 40-Minuten-Albums frönt eine Band aus vollem Herzen dem Exzess.

Montag, 13.05.2013, 15:54 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 13.05.2013, 15:45 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 13.05.2013, 15:54 Uhr

Ein Dutzend Songs über fast 80 Minuten, verteilt auf zwei CDs (oder besser noch: zwei Vinylplatten) - so die Eckdaten von «Fandango» (Memphis Industries/Indigo), dem aktuellen Werk der eigenwilligen Truppe vom fünften Kontinent. Lieder bis zu 18 Minuten Länge, Prog- und Synthie-Pop, Gitarren-Folk und Krautrock, einige experimentelle und viele sofort zugängliche Songs - damit wollen The Phoenix Foundation nach ihrem starken Europa-Debüt « Buffalo » (2010) nun endgültig ein neues Publikum erobern.

Und nach den Kritiken etwa im Pop-Mutterland Großbritannien zu urteilen stehen die Chancen gut. Dort geriet «The Guardian» über die wunderbar entspannten Klanggemälde der Kiwi-Rocker ins Schwärmen, und auch der oft mäkelige « New Musical Express » befand zustimmend: «Another set oft all-killer no-filler songs».

Nochmals Leadsänger und Gitarrist Scott über «Fandango»: «Ganz ehrlich, ich bin hochzufrieden, dass wir 80 Minuten ausgeflippte Pop-Schrägheiten gemacht haben, die absolut keine Rücksicht nehmen auf den Zwang zur Kürze in der aktuellen Musik.» Selbstbewusstsein und Stolz quellen auf diesem bereits fünften Album des Sextetts aus Neuseeland aus allen Rillen. Aufgenommen wurden die Stücke teilweise in den Roundhead Studios von Neil Finn (Kopf der wunderbaren Crowded House), aber auch im Band-Hauptquartier The Car Club in Wellington.

Und es sind wirklich großartige Songs zu hören auf diesem Mammutwerk. Schon «Black Mould», der Opener von CD 1, zieht mit seiner an Can oder Kraftwerk geschulten Motorik sofort in Bann. «The Captain», «Thames Soup» und das reggae-infizierte «Evolution Did» sind elegant dahinfließende Popsongs mit ausgeprägten Keyboard-Arrangements.

Das düstere «Inside Me Dead» fasziniert ein weiteres Mal mit feinem Harmoniegesang von Samuel Scott/Lukasz Buda - und bricht nach rund vier Minuten überraschend zu neuen Ufern auf. «Corale» zum Abschluss der ersten CD beginnt als lieblich mäanderndes Instrumental, das plötzlich in einen groovigen Sog mit verzerrten Stimmen und dröhnenden, quengelnden Gitarren mündet - erst nach knapp acht Minuten ist Schluss. Zeitgemäßer Progressive-Rock, der sich nicht um Popmusik-Moden schert, genau wie von der Band offenkundig beabsichtigt.

Auch CD 2 ist für so manche Überraschung gut, die Ingredienzien des Sounds von The Phoenix Foundation bleiben äußerst flexibel. Als Bezugspunkte sind von den derzeit angesagten Indierock-Freigeistern etwa Midlake, Grizzly Bear, Guillemots, Villagers oder Wilco zu nennen. Vom abermals krautrockig treibenden «Supernatural» bis zum abgedreht-halluzinogenen SciFi-Finale «Friendly Society» (dem bereits erwähnten 18-Minüter) - das NZ-Sextett präsentiert mit «Fandango» eine prall gefüllte Wundertüte und schon jetzt eines der Überraschungsalben dieses Frühjahrs.

Konzerte im Mai: 20.5. Berlin, 21.5. Hamburg, 24.5. Zürich

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