Kultur
Meister des Lichts: James Turrell wird 70

Flagstaff (dpa) - Monatelang kreuzte James Turrell immer wieder in einem kleinen Flugzeug über dem US-Bundesstaat Arizona, bis er gefunden hatte, wonach er suchte: Einen erloschenen Vulkankrater.

Montag, 06.05.2013, 00:00 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 30.04.2013, 07:55 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 06.05.2013, 00:00 Uhr

1974 kaufte der US-Künstler den Roden Krater, zwischen roter, staubiger Erde, hellgelbem Gras und schwarzen Kühen. Kojoten, Klapperschlangen, Berglöwen und Skorpione gibt es hier. Zum Grand Canyon, Arizonas größter Touristen-Attraktion, sind es mit dem Auto etwa zwei Stunden, aber in das Niemandsland rund um den Roden Krater verirrt sich nur selten ein Mensch.

Der erloschene Kegel wird zum Lebensprojekt des Lichtkünstlers, er will daraus ein Observatorium als Museum bauen. Aber die Gelder fließen nur langsam, zudem ist Turrell Perfektionist und äußerst geduldig - und so kommt es, dass auch an seinem 70. Geburtstag am Montag (6. Mai), fast vier Jahrzehnte nach Beginn der Arbeit, der Krater noch nicht für die Öffentlichkeit zugänglich ist. «Das kann noch ein paar Jahre dauern», sagt ein Sprecher der Skystone Stiftung, die sich um das Projekt kümmert. «Es hängt vom Geld und vom Tempo der Bauarbeiten ab.»

Aber auch wenn das Lebensprojekt noch immer nicht fertiggestellt ist - mit seinen in mehr als 25 Ländern ausgestellten Licht-Installationen hat Turrell schon lange Weltruhm erlangt. «Licht ist das, was wir normalerweise nur benutzen, um andere Dinge zu erhellen», sagte der Künstler mit dem auffälligen weißen Vollbart einmal. «Ich interessiere mich für Licht, das selbst eine Dinglichkeit hat, das also nicht andere Dinge erhellt, sondern selbst zur Erleuchtung wird.» Als einer der ersten Künstler arbeitet er in den 1960er Jahren mit Licht als Kunst und gilt heute als Vordenker, als Meister des Lichts.

Ursprünglich studiert der im kalifornischen Pasadena geborene Turrell Mathematik und Psychologie, aber besonders fasziniert ihn schon in der Universität das Licht der Dia-Projektoren. Er beginnt zu experimentieren, verdeckt Fenster teilweise, um bestimmte Effekte zu erzeugen. Seine teils bunten Licht-Kunstwerke werden immer ausgefeilter und schließlich zu Illusionen, täuschen Räume, Tiefe und Ebenen vor, wo das alles eigentlich gar nicht ist. Oft haben Turrells Werke Zugangsbeschränkungen, sollen auf eine ganz bestimmte Art und Weise - meist einsam - erfahren werden. «Ich habe das Gefühl, dass meine Kunst nur für eine Person ist. Nicht für mich, sondern einen idealisierten Besucher.»

Schnell bekommt der sehr gläubige Turrell, der der Religionsgemeinschaft der Quäker angehört, erste Ausstellungen, zunächst in den USA, dann weltweit. Heute verkaufen sich seine Werke für Millionenbeträge. Der Schweizer Geschäftsmann Donald Hess erwirbt gleich eine ganze Reihe von Installationen und lässt Turrell dazu ein Museum mitten in den argentinischen Anden bauen. Für das Kunstmuseum Wolfsburg entwirft der in Arizona lebende Künstler 2009 seine bis dahin größte Installation. Zum 70. Geburtstag wird er in seinem Heimatland nun gleich mit drei Retrospektiven gefeiert: In Houston, Los Angeles und New York.

Der Roden Krater ist unterdessen weiter Baustelle. Drei Wachmänner kontrollieren das mit einem Zaun abgesperrte Gelände um den bräunlichen Kegel Tag und Nacht. «Hier laufen manchmal merkwürdige Menschen herum», erzählt einer davon. Auf dem Beifahrersitz seines grauen Pick-Up-Trucks liegt ein Gewehr. «Einmal sind sogar schon welche über den Zaun geklettert und an der Seite des Kraters heruntergerutscht. Dabei haben sie viel kaputt gemacht, das hat lange gedauert, bis wir das wieder hinbekommen haben.» Dass das Krater-Observatorium immer noch nicht fertig ist, dafür hat der Sicherheitsmann Verständnis. «Es ist doch wie mit Picasso. Der hätte ein unfertiges Kunstwerk auch nicht der Öffentlichkeit gezeigt.»   

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1644395?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F947961%2F
Nachrichten-Ticker