Kultur
Osnabrücker spielen bei Stalingrad-Gedenkkonzert

Osnabrück (dpa) - Das Thema Stalingrad lässt Christian Heinecke nicht mehr los. «Es ist eine emotionale Achterbahnfahrt», sagt der Vorstand des Osnabrücker Symphonieorchesters. Er hat die Reise seines Orchesters in die russische Stadt Wolgograd organisiert.

Dienstag, 08.01.2013, 09:12 Uhr

Zum 70. Jahrestag des Endes der Schlacht um Stalingrad werden die Osnabrücker Musiker zusammen mit dem Philharmonischen Orchester Wolgograd am 3. Februar das zentrale Gedenkkonzert in der Philharmonie spielen.

Kaum eine Schlacht des Zweiten Weltkriegs ist so symbolträchtig wie die um Stalingrad - für die Deutschen, aber auch für die Russen. Schätzungsweise 700 000 Menschen starben in dem Inferno. Seit 1961 trägt die Stadt nicht mehr den Namen des Sowjetdiktators Josef Stalin , sondern ist nach der Wolga benannt, dem Fluss, der durch die 1000 Kilometer südlich von Moskau liegende Stadt fließt.

Noch immer ist die Erinnerung an diese Schicksalsschlacht allgegenwärtig. Der Sieg der Truppen Stalins über die eingekesselte deutsche 6. Armee gilt vielen als der Wendepunkt des Kriegs. Entsprechend stolz sind die Russen auf diese Schlacht.

Dieser russische Ort habe für ihn immer eine Faszination gehabt, sagt Heinecke . «Als ich das Abitur machte, habe ich mir vorgenommen, ich will in meinem Leben drei Orte besuchen: Auschwitz, Hiroshima und eben Stalingrad.» Zum früheren deutschen Todes-KZ und in die Stadt des ersten Atombombenabwurfs führten ihn berufliche Reisen als Musiker.

Im Wesentlichen ist es seiner Privatinitiative zu verdanken, dass die Reise jetzt stattfindet. Er habe dem Chef des Wolgograder Orchesters einfach eine Mail geschickt. «Als dann die Antwort kam: "You're welcome", ist mir ein Stein vom Herzen gefallen», sagt Heinecke.

Gesponsert wird die Konzertreise vom Goethe-Institut. «Wir wollten eine regionale Veranstaltung zum Komplex Stalingrad machen, von daher kam die Anfrage aus Osnabrück gerade richtig», sagt der Programmleiter des Instituts in Moskau, Wolf Iro. Das gemeinsame Konzert werde in Wolgograd als Geste der Versöhnung wahrgenommen. «Das ist eine sehr schöne und würdige Art, diesen Jahrestag zu begehen.»

Mehrmals war Heinecke schon in Wolgograd. Wenn er davon erzählt, spürt man, dass die Erinnerung an die Schlacht in der Stadt und der Region einen tiefen Eindruck auf ihn gemacht hat. «Man kann sich dem nicht entziehen», bemerkt er. Bei einem Mahnmal in der Steppe seien Tausende Namen gefallener deutscher Soldaten in Steinquader gehauen. «Man denkt, das ist das Telefonbuch einer deutschen Stadt», erzählt er und stockt. «Da wäre ich beinahe verrückt geworden.» Experten schätzen, dass noch 60 000 Tote aus der Schlacht in der Stadt verscharrt liegen.

Auch in Osnabrück gedenkt er der Schlacht, mit einer Matinee im Theater. Zur Vorbereitung habe er ehemalige Stalingrad-Soldaten in Altenheimen besucht. «Einige wollten erzählen, andere nicht», sagt er. Auch diese Begegnungen werde er sein Leben lang nicht vergessen.

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