Kultur
Pohlmann: Veränderung muss sein

Hamburg (dpa) - Bei Pohlmann ist schon wieder Sommer. Das blaue Hemd weit aufgeknöpft, die Haare zottelig wie immer, akkurat unrasiert - der Sänger hätte auch statt seiner Gitarre ein Surfbrett in die Hand nehmen und sich ans Meer aufmachen können.

Freitag, 10.05.2013, 09:21 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 09.05.2013, 16:43 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 10.05.2013, 09:21 Uhr

Doch an diesem Abend vor einigen Wochen war für Pohlmann , der 2006 mit seinem Lied «Wenn jetzt Sommer wär» einen Hit landete, nicht an Urlaub zu denken. Der 40-Jährige präsentierte in einem kleinen Club in Hamburg sein neues Album «Nix ohne Grund». Auftreten, live spielen, die neue Platte ins Gespräch bringen - das stand jetzt auf dem Programm. Und auch ein wenig von «Wenn jetzt Sommer wär» ablenken. Pohlmann will sich mit dem neuen Album verändern. Darum wird auch eine der Hauptrollen darauf von einer kleinen runzeligen Puppe mit seltsamer Grammatik besetzt.

Pohlmann hat für das Lied «StarWars» auf die Lebensweisheit von Meister Yoda zurückgegriffen. «Train Yourself To Let Go Of Everything You Fear To Lose» heißt es im Refrain des Liedes, das auch als Single erschienen ist. Übersetzt: «Lerne, dich von allem zu trennen, was du fürchtest zu verlieren». Die Angst vor Veränderungen abzulegen - spricht da nicht nur Yoda, sondern auch Pohlmann? «Mir war schon vor dem Album klar, dass ich in eine neue Richtung gehen will», erzählt der Wahl-Hamburger einige Tage nach dem Konzert in Hamburg. Die neuen Lieder sind elektronischer, gehen auch in Richtung Blues.

«Natürlich riskiert man bei so etwas, auch Fans zu verlieren», sagt Ingo Pohlmann. «Aber ich sehe es so: Wer sich treubleiben will, der verändert sich». Eines der deutlichsten Beispiele für die neue Richtung ist «Fenster zu Welt», in dem Pohlmann über Computerspielsucht, nun ja, geradezu rappt. Dazu laufen elektronische Beats. «Das war für mich eine total neue Erfahrung, so einen Song am Computer wie einer Art Lego-Häuschen zusammenzubauen», berichtet der Sänger. Auch das Lied «Atmen» wird von treibenden Elektro-Klängen eingeläutet.

Pohlmann versucht sich an einem Balanceakt, den viele Musiker kennen, zumindest wenn sie schon einen Erfolg verbuchen konnten: weiterentwickeln, aber wiedererkennbar bleiben. Robbie Williams' elektrolastiges Album «Rudebox» war 2006 nur mäßig erfolgreich - wohl auch weil sich Fans von Hits wie «Angels» damit schwertaten. Pohlmanns «Angels» ist «Wenn jetzt Sommer wär» - im Kleinen. «Das Lied ist Fluch und Segen, aber unterm Strich mehr Segen: Es führt dazu, dass ich an mir arbeite», sagt er. Der Gute-Laune-Hit lief 2006 im Radio rauf und runter. 2010 hatte er sein bislang letztes Album «König der Straßen» veröffentlicht.

Trotz der neuen Elektro-Klänge: Fans werden Pohlmann sicher wiedererkennen. Die Texte sind klug und oft mit einem Augenzwinkern, sie erzählen vom Leben, und die Akustikgitarre ist natürlich noch nicht eingemottet. «Stark für dich» ist jenes Lied, das jeder Mann wohl mal gern für seine Herzensdame geschrieben hätte. Und «Unterwegs» jenes, das die kommenden Sommerabende untermalen wird. Ganz vorbei ist der Sommer für Pohlmann noch nicht.

Konzerte von Pohlmann: 27.09.13 Flensburg , 28.09.13 Kiel, 29.09.13 Hamburg, 30.09.13 Berlin, 02.10.13 Bielefeld, 03.10.13 Köln, 05.10.13 Bremen, 06.10.13 Krefeld, 08.10.13 Aschaffenburg, 09.10.13 Stuttgart, 10.10.13 Erlangen, 11.10.13 München, 14.10.13 Münster, 15.10.13 Rostock, 17.10.13 Wilhelmshaven, 18.10.13 Hannover.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1650808?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F947961%2F
Nachrichten-Ticker