Kultur
Promis und die Märchen - von Grimm bis Andersen

Kassel (dpa) - Märchen - und besonders die der Brüder Grimm - sind in aller Munde. Welche Erfahrungen Prominente mit Märchen gemacht haben und was ihre Lieblingsmärchen sind, hat die Nachrichtenagentur dpa zusammengestellt:

Mittwoch, 19.12.2012, 10:21 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.12.2012, 10:21 Uhr

- Die Schauspielerin Veronica Ferres (47) mochte in ihrer Kindheit am liebsten das Märchen «Der Wolf und die sieben Geißlein». «Weil es so einen Gänsehauteffekt hatte,» sagte sie im dpa-Interview. Vorgelesen habe ihr meistens der Opa. Sie selbst habe ihrer Tochter Lilly (11) hauptsächlich Grimms Märchen vorgelesen. «Und ich lese ihr auch heute noch vor.»

- Der Sänger Thomas Anders (49) mochte als Kind lieber die Märchen von Hans Christian Andersen als Grimms Märchen. «Weil sie so melancholisch sind und immer so etwas Sehnsüchtiges und Trauriges haben. Besonders gerne mag ich das Märchen "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern"», sagte Anders anlässlich der ZDF-Show « Heiligabend mit Carmen Nebel » im dpa-Interview. Vorgelesen habe ihm als Kind seine Mutter. Auch er selbst habe seinem Sohn Alexander gerne abends vorgelesen. «Aber möglichst keine grausamen Märchen, um Alpträume zu vermeiden.» Er habe jedoch ein Phänomen beim Vorlesen festgestellt: «Ich wurde dabei immer so müde und bin beim Vorlesen immer vor meinem Sohn eingeschlafen. Märchen vorzulesen, war für mich das beste Schlafmittel.»

- Der Schauspieler Klaus J. Behrendt (52) hat sich als Kind am liebsten Märchen von der Schallplatte angehört. «Besonders mochte ich "Hänsel und Gretel". Obwohl ich immer fürchterliche Angst hatte, wenn ich die Stimme der Hexe gehört habe.» Auch das Andersen-Märchen «Des Kaisers neue Kleider» habe ihn fasziniert. «Wegen dieser Obrigkeitshörigkeit, nach der die Leute dem Kaiser nach dem Mund reden und Begeisterung für seine schönen Kleider vortäuschen, obwohl er nackt durch die Gegend läuft. Bis ein Kind den Schwindel aufdeckt.» Er habe seinen Kindern auch oft Märchen vorgelesen.

- Die Fernsehjournalistin Anne Will (46) hat sich in ihrer Kindheit immer Märchenbücher in der Pfarrbibliothek ausgeliehen. «Am liebsten mochte ich das Andersen-Märchen "Der tapfere Zinnsoldat" - wo der Soldat am Schluss mit der Balletttänzerin im Feuer verschmilzt. Das war sehr romantisch und anrührend!» Vorgelesen hätten ihr ihre Eltern. «Aber ich habe auch sehr schnell angefangen, selber zu lesen.» Heute gebe sie die Märchen gerne auch anderen Kindern weiter.

- Schauspielerin Christine Neubauer (50) hat in ihrer Kindheit das Märchen «Aschenputtel» am meisten geliebt. «Weil es der klassische Mädchentraum ist. Mich haben natürlich die schönen Kleider und der Schimmel mit dem Prinzen beeindruckt.» Vorgelesen habe ihr damals ihre Mutter, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. «Und wenn sie schon so müde war, dass ihr die Augen zugefallen sind, und sie heimlich einen Satz übersprungen hat, habe ich sie sofort ermahnt: «Stopp, da fehlt noch was! Weil ich das Märchen auswendig kannte.» Auch ihrem eigenen Sohn habe sie hauptsächlich Grimms Märchen vorgelesen.

- Die Lieblingsmärchenfigur der Schauspielerin Maria Furtwängler (46) ist das «Catherlieschen». «Ihre rührende Naivität, zu glauben, dass, wenn sie den einen Käse verloren habe, und dann den nächsten hinterherrolle, dieser den ersten zurückbringen könnte, hat mich total fasziniert. Ich war als Kind total verzweifelt, dass die Liesel so doof war, und hab's doch immer wahnsinnig gerne gehört.» Vorgelesen habe ihr die Mutter. «Sie hat ganz toll vorgelesen - immer vorm Insbettgehen und bei allen Autofahrten.» Auch ihren eigenen Kindern hat Furtwängler gerne vorgelesen: «Wir haben mit dem Struwwelpeter angefangen - obwohl die Geschichten so grausam sind.»

- Die Schauspielerin Uschi Glas (68) mochte als Kind am liebsten das Märchen «Schneewittchen». «Die Geschichte mit dem vergifteten Apfel, den sieben Zwergen und dem Happy End mit dem Königssohn fand ich sehr aufregend und romantisch.» Sie habe ihren Kindern auch sehr gerne kindgerechte Märchen vorgelesen. «Am liebsten mochten sie, wenn ich selber Geschichten erfunden habe.»

- Für Schauspieler Ilja Richter (60) haben die Brüder Grimm die Märchen zu sehr beschnitten. Alles, was in französischen Originalversionen eine gewisse Zweideutigkeit habe, hätten die Grimms rausgenommen. «Ich sag nur Stichwort Rotkäppchen und der böse Wolf.» Das sei eine sehr erotische Geschichte. Oder der Wolf und die sieben Geißlein. «Eigentlich geht es unausgesetzt ums Vernaschen.» Richter hörte früher weniger die Grimm'schen Gruselgeschichten als vom Vater ausgedachte Geschichten. Und: «Ich lese so gut wie gar nicht Grimm vor.»

- Der Tenorsänger Renè Kollo (75) findet, die schönsten Märchen habe Oscar Wilde geschrieben. «Für mich ist das schönste "The happy Prince" ("Der glückliche Prinz"). Wenn man sich das durchliest, und am Ende nicht heult, ist man kein Mensch! Die Geschichte ist so grandios und dichterisch schön - da muss man einfach sentimental werden», sagte Kollo anlässlich der Aufzeichnung der ZDF-Show «Heilig Abend mit Carmen Nebel» (Ausstrahlung 24.12., 20.15 Uhr) im dpa-Interview. Vorgelesen habe ihm das Märchen aber niemand in der Kindheit. «Ich bin im und nach dem Krieg groß geworden - das war nicht die Zeit zum Vorlesen. Im Internat in Wyk auf Föhr wurde ab und zu vorgelesen. Aber das hat mich damals nicht besonders interessiert.» Dafür habe er versucht, seinen Kindern Märchen wie den «Happy Prince» zu überliefern. «Das würde ich auch heute noch jedem empfehlen, seinen Kindern vorzulesen und auch für sich selber zu lesen. Das Märchen ist unglaublich schön.»

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1354922?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F947961%2F
Nachrichten-Ticker