Kultur
Schauspielerin Cordula Trantow wird 70

München (dpa) - Ihr Blick ist neugierig, ihre Körperhaltung die einer geschulten Balletttänzerin und ihre Stimme sinnlich und klar. Am 29. Dezember wird das künstlerische Multitalent Cordula Trantow 70 Jahre alt.

Freitag, 28.12.2012, 14:49 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 28.12.2012, 14:49 Uhr

Doch ihren Beruf will die gebürtige Berlinerin noch ausüben, solange der Körper mitmacht. «Ich langweile mich einfach nicht gern.» Gegen Langeweile dürfte auch die Vielzahl ihrer Tätigkeiten helfen: Trantow ist Schauspielerin, Regisseurin, Autorin, Intendantin und Synchronsprecherin.

«Ureigentlich bin ich Mensch», sagt Trantow, die mittlerweile mehr als 150 Rollen gespielt und viele Stücke für Theater und Film inszeniert hat. Sie definiere sich nicht über die Zahl ihrer Arbeiten oder über Resonanz. «Mein Bewusstsein orientiert sich an anderen Werten, wie den menschlichen Beziehungen, die ich in meinem Leben aufgebaut habe.» Trantow hat ihr Leben nach eigenen Ideen geformt. «Mit drei Jahren wusste ich schon, dass ich auf diesem Planeten lebe, um mich zu entwickeln. Dem bin ich zwangsläufig gefolgt.»

Aufgewachsen in Berlin als Tochter des Dirigenten und Komponisten Herbert Trantow und einer Tänzerin, war die Kunst ihr in die Wiege gelegt. Als Schulkind bekommt sie eine Ballettausbildung sowie Klavier-, Gesangs- und Schauspielunterricht. «Der Umgang mit Musik, Literatur, Tanz und Theater gehörte zu meinem Leben wie für das Kind des Bäckers das tägliche Brot», sagt Trantow. «Ich wäre verloren, wenn ich ohne diese Dinge leben müsste.» Talente hatte die Vollblutkünstlerin viele. Sie überspringt eine Schulklasse und macht mit 17 Abitur.

Trantow arbeitet als Schauspielerin schon früh an großen Theaterhäusern, etwa in München , Würzburg oder Stuttgart. Sie weiß, was ankommt: «Bestenfalls entsteht eine Liebesbeziehung zwischen dem Betrachter und dem Darsteller.» Dabei wollte sich Trantow nie an das Theater binden. «Das ist ein Beruf, der Freiheit beinhaltet.» Für ihre Arbeit bekommt sie viel Lob. Nach ihrer Verkörperung der Violet Venable in Tennessee Williams' Schauspiel «Plötzlich letzten Sommer» etwa lobte sie die «Dewezet» als «wunderbar diktatorische Übermutter».

Bei Trantow war das Risiko der Weg zum Erfolg. Mit dem Anti-Kriegsfilm «Die Brücke» wird sie 1959 schlagartig bekannt. Für ihre Rolle als Hitlers Nichte in der Hollywood-Produktion «Hitler» wird sie für den Golden Globe nominiert. Doch als Hollywood-Diva Karriere zu machen, wäre Cordula Trantow zu simpel gewesen. «Ich habe mir Hürden gesucht, weil mir mein Leben zu glatt lief.»

Zum Entsetzen ihres Umfeldes sagt Trantow nicht nur Nein zu Hollywood. «Gerade als alles gutlief, mit vielen Angeboten und positiver Resonanz, habe ich beruflich die Fronten gewechselt, vom egozentrischen Schauspieler zum altruistischen Regisseur.» Mit ihren Inszenierungen will die Künstlerin die Menschen intellektuell und emotional erreichen. «Ich arbeite sehr weiblich, mit viel Musik, und denke in ästhetischen Bildern», sagt sie.

Im Jahr 2000 bekommt Cordula Trantow für ihr berufliches Schaffen das «Bundesverdienstkreuz am Bande». Als Intendantin des Weilheimer Theatersommers gerät sie wegen einer angeblich pornografischen Szene in einer Faust-Aufführung Ende der 90er Jahre in die Kritik und zieht sich als Leitung des Kulturfestivals zurück.

An einen Kritiker erinnert sich Trantow immer mit Freude: an ihren 2002 gestorbenen Ehemann - Regisseur und Theaterlegende Rudolf Noelte, mit dem sie zwei Söhne hat. «Der Mann war die Liebe meines Lebens und ich denke bei jeder Arbeit: Was er wohl dazu sagen würde.» Wahrscheinlich müsste Noelte noch einiges sagen - Codula Trantow hat auch nach ihrem 70. Geburtstag noch Pläne. Die Frau, die auch in zahlreichen Krimiserien wie «Tatort», «Derrick» oder «Der Alte» zu sehen war, plant eine weitere Theatertournee, mit den Stücken «33 Variationen» und «Der kleine Prinz».

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/1369628?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F947961%2F
Nachrichten-Ticker