Kultur
Thoma: Fernsehquoten geben nicht die Wirklichkeit wieder

Berlin (dpa) - Die Messung der Fernsehquoten ist in Deutschland nach Meinung von TV-Pionier Helmut Thoma (74) recht ungenau.

Dienstag, 14.05.2013, 12:36 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 14.05.2013, 12:31 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 14.05.2013, 12:36 Uhr

«Einschaltquoten sind imaginäre Werte, sie bleiben eine Schätzung», sagte der ehemalige Geschäftsführer des Privatsenders RTL in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Wie hoch die Abweichungen von der Realität sind, das kann niemand sagen, denn es gibt keine sichere Überprüfung.»

Der Fernsehmanager ist auch einer der Gründungsväter der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung ( AGF ), der die großen TV-Sender angehören. Anhand von rund 5000 Test-Haushalten wird dort auf das Fernsehverhalten von rund 38 Millionen Haushalten in Deutschland geschlossen. «Wir streiten hier herum wie bei einem Besiedlungsplan für eine Fata Morgana», sagte Thoma bereits früher einmal.

«Wie viele Unwägbarkeiten gibt es da, zu ermitteln, wer wann wie und wo welches Programm schaut, das bezogen auf die Bundesländer und auf Altersgruppen», sagte Thoma weiter. «Das funktioniert nur, weil sich sämtliche Beteiligten, die Sender und die Werbeindustrie, sozusagen auf eine gemeinsame Währung geeinigt haben.» Besonders heikel sei das für die kleinen Sender, die im einstelligen Prozentbereich festgelegt seien: «Da wird es schon absurd.»

Der Sprecher der technischen Kommission der AGF, RTL-Medienforscher Matthias Wagner, ist dennoch von der Genauigkeit der Messung überzeugt: «Im internationalen Vergleich ist sie auf einem Highend-Level.»

In der Schweiz hat jetzt die Diskussion um ein neues Messverfahren der TV-Quoten sogar zu einem Verbot der Veröffentlichung der Ergebnisse geführt. Das dortige Fernsehforschungsunternehmen Mediapulse, das in der Schweiz die Daten erhebt, hatte sein Messverfahren Anfang des Jahres umgestellt.

«Anfangs mit dem Ergebnis, dass das Durchschnittsalter des öffentlich-rechtlichen Schweizer Fernsehens sich um zehn Jahre verjüngte, während das Schweizer Fenster von ProSieben beispielsweise plötzlich ein Publikum hatte, dessen Durchschnittsalter massiv älter war», sagte Dominik Kaiser, Gründer und Geschäftsführer des eidgenössischen Privatsenders 3 Plus, der dpa. «Auch die im Moment abrufbaren Daten sind falsch, da sie auf klar falschen Grundlagen beruhen. Zum Beispiel ist die Landbevölkerung fast 20 Prozent überrepräsentiert.»

Kaiser zweifelte die Richtigkeit der Ergebnisse an, klagte und erwirkte am Obergericht Niwalden ein «superprovisorisches» Verbot: Zurzeit dürfen per Gerichtsbeschluss in der Schweiz keine Fernsehdaten veröffentlicht werden. «Wir wünschen uns Transparenz, dass alle offensichtlichen Fehler rückwirkend korrigiert werden, einen Test im laufenden Betrieb und zumindest ein System wie in Deutschland, wo sich alle Marktteilnehmer auf ein System geeinigt haben», sagt der Schweizer Senderchef.

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