Kultur
Thomas Druyens Plädoyer gegen die Scheinheiligkeit

Hannover (dpa) - Es herrscht faktisch ein globaler Krieg. Bankenwahn, Finanzdestaster, Ölkatastrophen, Erfolgssucht und mit Waffen geführte Konflikte machen den Menschen ohnmächtig und zerreiben die Chancen auf eine bessere Zukunft.

Dienstag, 11.12.2012, 14:54 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 11.12.2012, 14:54 Uhr

Für den Wissenschaftler Thomas Druyen befindet sich die Menschheit bereits in einem dritten Weltkrieg. In seinem Buch «Krieg der Scheinheiligkeit . Plädoyer für einen gesunden Menschenverstand» beschreibt er polemisch und theoretisierend, wie der Mensch angesichts der Komplexität des globalen Alltags mehr und mehr zum Statisten in einer krisengeplagten Welt degradiert wird und dagegen angehen sollte.

Das Grundübel ist für den Vermögensforscher und Professor an der Sigmund Freud Privatuniversität in Wien die Scheinheiligkeit. Das Lösungskonzept ist die «Konkrethik», der gemeinschaftlich konsequent umgesetzte gesunde Menschenverstand. Ethik und Moral dürfen nicht weiter theoretische Werte bleiben, sie müssen konsequent in Handeln umgesetzt werden.

«Ich gehe davon aus, dass der Mensch und seine Institutionen extrem überfordert sind. Wir können die Welt im 21. Jahrhundert nicht umfänglich verstehen», schreibt Druyen. «Zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte existiert die einmalige Chance, eine Weltgesellschaft zu etablieren. Gleichzeitig besteht die ultimative Gefahr, die Weltbevölkerung ein für alle Mal auszuradieren.»

Druyen wiederholt in seinen Kapiteln über Scheinheiligkeit, über Verdrängung, Verantwortung, Fairness oder Gott immer wieder die Fakten einer ungerechten Wohlstandsverteilung, weist auf die Notwendigkeit einer Umverteilung hin und schildert das Unvermögen, die Flut von Informationen zu verarbeiten. Die Politiker und Mächtigen der Welt würden dabei oft eigensinnig und auf ihren Vorteil bedacht handeln, anstatt das Große und Ganze im Blick zu haben.

Im Grundzug malt Druyen ein pessimistisches Menschen- und Weltbild und fordert radikales Umdenken. «Die Hebel der Selbstvernichtung im Sinne natürlicher, atomarer und zivilisatorischer Bedrohungen waren in der Menschheitsgeschichte nie mächtiger als heute.» Der Einzelne strebe mehr nach seinem eigenen Glück, Vorteil und Wohlstand und verliere die Notwendigkeit eines Umdenkens aus dem Blick. «Die offensichtliche Unfähigkeit, einen gemeinsamen Weltentwurf zu entwickeln, lässt darauf schließen, dass der Menschenverstand ernsthaft erkrankt ist.»

«Der Wille zum Kompromiss und seine Verankerung im alltäglichen Denken und Handeln werden dabei zu unserer vordinglichsten Aufgabe», mahnt der Wissenschaftler ein Umdenken an. In vielen moralischen und religiösen Geboten werde verboten etwas Böses zu tun, selten werde aber dazu aufgefordert, konkret Gutes zu tun. Druyen versteht sein Buch so auch als Einladung und Aufruf, «am eigenen Menschenverstand zu arbeiten und an der Gestaltung eines vereinten Menschenverstandes mitzuwirken».

Thomas Druyen, Krieg der Scheinheiligkeit. Plädoyer für einen gesunden Menschenverstand, Maxlin Verlag, Düsseldorf, 288 S., 24,90 Euro, ISBN 978-3-981-41414-1

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