Schirn-Direktor
Kurator Christoph Vitali gestorben

Er galt als einer der renommiertesten Kuratoren in Mitteleuropa, wirkte in Frankfurt, München, Basel und Bonn. Mit 79 ist Christoph Vitali jetzt in seiner Heimatstadt Zürich gestorben.

Sonntag, 29.12.2019, 16:40 Uhr aktualisiert: 29.12.2019, 16:42 Uhr
Der Schweizer Christoph Vitali 2004 im Beyeler Museum.
Der Schweizer Christoph Vitali 2004 im Beyeler Museum. Foto: Gaetan Bally

Zürich (dpa) - Der renommierte Ausstellungskurator Christoph Vitali ist mit 79 Jahren gestorben. Der Schweizer starb schon am 18. Dezember, wie die Familie jetzt mitteilte.

Vitali war von 1985 bis 1993 Geschäftsführer und erster Direktor der Kunsthalle Schirn in Frankfurt am Main, danach leitete er zehn Jahre das Haus der Kunst in München.

Er ging danach nach Basel zur Fondation Beyeler (2003 bis 2007). Dann war er kurz Interimsintendant der Bundeskunsthalle Bonn.

Vitali galt als einer der renommiertesten Ausstellungsmacher. Allein in München verantwortete er in zehn Jahren mehr als 100 Ausstellungen. Der in Zürich geborene Sohn eines Bildhauers und einer Lehrerin schlug als promovierter Jurist zuerst die Anwaltslaufbahn ein. Erst danach kam er als Quereinsteiger zur Kunst und leitete von 1971 bis 1978 das Kulturreferat seiner Heimatstadt.

Der damalige Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann (SPD) wurde auf den jungen Schweizer aufmerksam und holte ihn nach Frankfurt, zunächst als Verwaltungsdirektor der Städtischen Bühnen.

Ab Mitte der 80er Jahre machte sich Vitali als Leiter der neuen Schirn-Kunsthalle am Römerberg mitten in Frankfurt mit einem breit gefächerten Spektrum von Ausstellungen auch international einen Namen. So zeigte er in der Schirn 1989 mit Wassily Kandinsky die erste sowjetische Retrospektive und trug 106 Bilder des in seiner Heimat verschmähten Künstlers für die Ausstellung zusammen.

Eine weitere Schau «Die große Utopie» war der russischen Avantgarde gewidmet. Mit dem Frühwerk Marc Chagalls landete er einen weiteren Erfolg in der Mainmetropole.

Anfang 1994 trat der polyglotte Kunstmanager dann sein Amt in München an. Vitali machte den heruntergekommenen, 1937 von Hitler eingeweihten klassizistischen und für 50 Millionen Mark sanierten Nazi-Bau binnen kurzer Zeit zu einer der ersten Kunstadressen in Deutschland. Mit Ausstellungen wie «elan vital», einer Zusammenschau der Klassischen Moderne, Roy Lichtenstein und der Barnes Collection lockte er Hunderttausende Besucher in das Haus am Englischen Garten.

Als erster Ausstellungsmacher in Deutschland öffnete Vitali das Haus der Kunst nicht nur durchgehend von 10.00 bis 22.00 Uhr, sondern auch für nächtliche Performances und Live-Musik-Sessions.

Die «Süddeutsche Zeitung» bezeichnete ihn einmal als den «Maestro aller Kunstmanager». 1997 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.

Bayerns Kunstminister Bernd Sibler (CSU) teilte am Sonntag mit: «Christoph Vitali hatte die Gabe, die Menschen in der Kunst willkommen zu heißen, sie für alle erlebbar und erfahrbar zu machen.» Seine Leidenschaft für Kunst und seine Liebe zum künstlerischen Detail spiegelten sich demnach in seinen Ausstellungen wider. Die Jahre in München seien «ein großes Geschenk für die Kunst- und Kulturlandschaft in Bayern» gewesen.

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