Reunion
Tizians «Poesie»-Gemälde in London vereint

Erstmals seit 1570 sind sie wieder zusammen zu sehen, die sechs «Poesie»-Gemälde von Tizian.

Freitag, 13.03.2020, 14:35 Uhr aktualisiert: 13.03.2020, 14:40 Uhr
Die Gemälde «Diana und Actaeon» (l) und «Diana und Callisto» in der Ausstellung «Titian: Love, Desire, Death» (Tizian: Liebe, Verlangen, Tod) in der National Gallery.
Die Gemälde «Diana und Actaeon» (l) und «Diana und Callisto» in der Ausstellung «Titian: Love, Desire, Death» (Tizian: Liebe, Verlangen, Tod) in der National Gallery. Foto: Dominic Lipinski

London (dpa) - Ein Traum wird wahr: So bewirbt die National Gallery in London eine neue Ausstellung, in der alle sechs «Poesie»-Gemälde von Tizian erstmals seit 450 Jahren wieder unter einem Dach vereint sind.

Der italienische Renaissance-Meister hatte die Serie spät in seinem Leben zwischen 1551 und 1562 für König Philipp II. von Spanien gemalt. Basierend auf den Metamorphosen des römischen Dichters Ovid gehe es um menschliche Leidenschaft, Irrationalität, Liebe und Tod, heißt es. Die Ausstellung  «Titian: Love, Desire, Death» (Tizian: Liebe, Verlangen, Tod) wird an diesem Montag (16. März) eröffnet und läuft bis zum 14. Juni.

«Ein Traum ist Wirklichkeit geworden», sagte Kurator Matthias Wivel zu der Zusammenführung der Gemälde. Diese wurde möglich, nachdem die private Wallace Collection in London erstmals in ihrer 119-jährigen Geschichte mit ihrer strikten Nicht-Ausleihpolitik brach und das Gemälde «Perseus und Andromeda» zur Verfügung stellte.

Zu sehen sind ferner «Raub der Europa» (Isabella Stewart Gardner Museum, Boston), «Venus und Adonis» (Prado, Madrid), «Danae» (Wellington Collection, Apsley House) sowie «Diana und Aktaion» und «Diana und Kallisto», die gemeinsam der National Gallery und den National Galleries of Scotland gehören.

Die Geschichten von den Höhen und Tiefen menschlicher Emotionen, den Früchten und Gefahren von Liebe und Verlangen -  Euphorie, Scham, Vergewaltigung, Verzweiflung und Terror -  seien noch heute so relevant wie vor 500 Jahren, sagte Wivel. So wurde zum Beispiel Kallisto als «Vergewaltigungsopfer» von der Göttin Diana verstoßen. «Die Kunst stellt Fragen an uns», sagte Wivel.

Nach Angaben von Galerie-Direktor Gabriele Finaldi wurden alle sechs Gemälde mit neuen geschnitzten Holzrahmen versehen, um ihre Zusammengehörigkeit zu betonen. Vorbild war der Rahmen eines der letzten Gemälde Tizians, die «Pietà» in der Accademia in Venedig.  Die Ausstellung wird anschließend in Edinburgh, Madrid und Boston zu sehen sein, allerdings ohne «Perseus und Andromeda».

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