Sonderausstellung
Große Gefühle und Leidenschaft in Münster

Liebe, Hass, Leidenschaft: Schon in der Antike haben sich Künstler mit menschlichen Emotionen auseinandergesetzt. Eine Ausstellung in Münster zeigt: Starke Gefühle in der Kunst sind zeitlos.

Freitag, 09.10.2020, 08:27 Uhr aktualisiert: 09.10.2020, 08:30 Uhr
Kuratorin Petra Marx im LWL Museum Münster.
Kuratorin Petra Marx im LWL Museum Münster. Foto: Caroline Seidel

Münster (dpa) - Es beginnt mit einem Wechselbad der Gefühle: Frontal der Schmerz, daneben Ekstase, Freude, Angst, Trauer, Hass, Begierde. Wer die neue Ausstellung im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster betritt, der muss sich darauf gefasst machen, mit großen Gefühlen in großen Kunstwerken konfrontiert zu werden.

Wie universal die Emotionen und Affekte in künstlerischen Darstellungen von der Antike bis heute sind, versucht die Ausstellung dabei mit hochkarätigen Exponaten zu ergründen. Zu sehen sind dabei Arbeiten von Peter Paul Rubens genauso wie von Edvard Munch, Otto Dix, Bill Viola, Rembrandt oder Egon Schiele.

Als Hingucker zum Start haben die Ausstellungsmacher einen Abguss der berühmten antiken Laokoon-Gruppe gewählt - die «Schmerzikone» schlechthin, wie Kuratorin Petra Marx erläutert, zeigt sie doch den Todeskampf eines Vaters und seiner Söhne. Vor Pein gewundene Leiber als Ausdruck von Leiden werden dem Betrachter immer wieder begegnen in diesem Ritt durch die Geschichte künstlerischer Emotionsdarstellung. Denn, so die gut illustrierte These der Ausstellungsmacher: Leidenschaft in ihren zahlreichen Formen ist zeitlos. Und über die Jahrhunderte haben Künstler immer wieder ähnliche Mittel gefunden, Gefühle auszudrücken: Lachen, Weinen, sich Krümmen, die Hänge ringen, Tanzen, Verharren - um nur einige der Posen und Mimiken aufzuführen.

Ausgangspunkt der Konzeption sei dabei ihre Beschäftigung mit mittelalterlichen Andachtsbildern gewesen, die Mitfühlen lassen, erklärt Kuratorin und Kunsthistorikerin Marx. Doch schnell sei klar geworden, große Gefühle habe die Kunst früher wie später transportiert. Christliche Darstellungen von Leidenschaft, insbesondere in den Passionsdarstellungen, machen nun nur noch einen kleinen Teil der Schau aus. Blickfänge sind zwei Skulpturen unterschiedlicher Jahrhunderte, die die Qualen des hingerichteten Jesus zeigen: Sowohl die Holz-Skulptur von «Christus an der Geißelsäule» aus dem Jahr 1697, die Jesus mit zerfetzter Haut und entrücktem Blick eines Wahnsinnigen zeigt, als auch die zeitgenössische Pietà von Berlinde de Bruyckere - nur ein schlaffer, wächserner, kopfloser Körper - sind nichts für Zartbesaitete.

Herzstück der Schau ist eine nach heute gängigem Verständnis auf Liebe und Eros verengte Leidenschaft: Kunstwerke, die Lust, Begierde sowie die düsteren Schattenseiten wie Eifersucht und verzweifelte Liebe in den Mittelpunkt stellen. Ein Animationsfilm, bei dem Robert Arnold innige Szenen von Groschenroman-Covern ineinander verschmelzen lässt, steht neben dem großformatigen Meisterwerk «Liebesszenen» des flämisch-venezianischen Künstlers Pauwels Franck. Dazu steht wiederum die eindrückliche Arbeit «Ballade der sexuellen Abhängigkeit» - ein Selbstporträt von Nan Goldin, einen Monat nachdem sie von ihrem Partner verprügelt wurde. Trotzig und doch leer schaut sie in die Kamera.

Dass Leidenschaft nicht nur auf subjektiv-persönlicher, sondern auch auf gesellschaftlich-politischer Ebene aktuell ist, zeigt sich in einem weiteren Abschnitt der Ausstellung, der den Emotionen in der Politik gewidmet ist. Gefühl sei für so manchen Politiker wichtiger als der Verstand, hebt Museumsdirektor Hermann Arnhold hervor und verweist auf eine Arbeit, die aktueller nicht sein könnte: Martha Rosler zeigt in einer großformatigen Fotocollage den US-Präsidenten Donald Trump, der mit ausgestrecktem Finger und wildentschlossenem Blick den Betrachter zum Handeln auffordert.

Die Schau «Passion Leidenschaft. Die Kunst der großen Gefühle» ist vom kommenden Freitag an bis zum 14. Februar zu sehen.

© dpa-infocom, dpa:201007-99-856438/2

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