Vorentscheid in Berlin
Sieben Songs für Israel: Wer singt beim ESC?

Beim Eurovision Song Contest mussten sich die Fans in Deutschland jahrelang mit hinteren oder gar letzten Plätzen abfinden - bis 2018 Michael Schulte Vierter wurde. Das Land der ESC-Gewinnerinnen Nicole und Lena setzt auf der Suche nach einem neuen Song auf viele Frauen.

Donnerstag, 21.02.2019, 14:52 Uhr aktualisiert: 21.02.2019, 14:56 Uhr
Sängerin Aly Ryan setzt sich in Szene.
Sängerin Aly Ryan setzt sich in Szene. Foto: Carsten Koall

Berlin (dpa) - Sieben ESC-Hoffnungen auf einer Bühne: Beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest wird an diesem Freitag (22. Februar) in Berlin «Unser Lied für Israel» gesucht.

Die Musiker Aly Ryan, BB Thomaz, Linus Bruhn, Gregor Hägele, Lilly Among Clouds, Makeda sowie das Duo S!sters treten an. Der Gewinner singt für Deutschland beim Song Contest am 18. Mai in Tel Aviv. Das Erste überträgt die Show live - mit Stargästen wie Rockmusiker Udo Lindenberg. Der 72-Jährige hofft, dass die «Musik- und Actionfreunde noch lange dranbleiben an dem Abend».

Lindenberg ist nicht nur Special Guest, sondern auch Star des ARD-Musikabends. Einen Film über sein MTV-Unplugged-Konzert «Live vom Atlantik» sowie einen Zusammenschnitt des Akustik-Trips zeigt das Erste ab 22.30 Uhr. Doch zuvor stellen sich die Eurovisions-Kandidaten mit ihren Liedern dem Urteil des Publikums und der Juroren. Neben dem Voting der TV-Zuschauer entscheidet die Abstimmung einer 100-köpfigen Eurovisions-Jury sowie einer internationalen Experten-Jury.

«Ich laufe immer schon außer Konkurrenz», sagt Lindenberg. Er habe nie überlegt, sich da in einen Wettbewerb zu stellen. Anders als zwei weitere Gäste der Show: Michael Schulte, der 2018 den vierten Platz holte, und die ESC-Gewinnerin von 2010, Lena Meyer-Landrut.

Von «Germany: 12 Points» träumen auch die hoffnungsfrohen Sieben des Vorentscheids. Doch erst mal müssen sie ihr Ticket zum 64. ESC lösen. Die Indie-Popsängerin Aly Ryan («Wear Your Love») etwa reiste dafür aus Los Angeles an. Seit fünf Jahren lebt die 21-Jährige dort, eigentlich stammt sie aus Oberursel (Hessen) und heißt Alexandra Eigendorf. Aus Hamburg kommt der 20-Jährige Linus Bruhn («Our City»), der schon als Kind im Musical «Tarzan» die Titelrolle hatte, als Justin-Bieber-Imitator eine TV-Show gewann und später Kandidat bei «The Voice of Germany» war.

Jüngster Kandidat ist der 18 Jahre alte Gregor Hägele («Let Me Go») aus Stuttgart. Auch er nahm an «The Voice of Germany» teil und flog im Halbfinale gegen BB Thomaz raus - auf sie trifft er nun wieder. Die 34-jährige Funk- und Soulsängerin aus Düsseldorf, die als Béatrice Thomas in New York geboren wurde und als Kind nach Deutschland kam, tritt mit «Demons» an. Soulstimme Makeda («The Day I Loved You The Most») aus Bonn stand im Musical «Bodyguard» auf der Bühne und wollte schon zwei Mal am Vorentscheid teilnehmen, einmal stieg sie freiwillig aus.

Elisabeth Brüchner, die aus ihrem Namen Lilly Among Clouds machte, lebt in der Nähe von Würzburg - ebenso wie Sänger Andreas Kümmert, der 2015 nach seinem Sieg beim Vorentscheid überraschend auf die ESC-Teilnahme verzichtete. Die 30-jährige Brüchner («Suprise») sieht sich eher als Songwriterin, weniger als Sängerin - die Aufmerksamkeit auf der Bühne sei ihr manchmal eher unangenehm, sagt sie. Für weitere Frauenpower in dem Wettbewerb, in dem nur zwei Männer vertreten sind, sorgen Carlotta Truman aus Hannover und Laurita aus Wiesbaden. Zusammen treten sie als Duo S!sters mit «Sister» an.

Die Teilnahme des Duos hatte der für den ESC innerhalb der ARD zuständige Norddeutsche Rundfunk (NDR) erst lange nach allen anderen Kandidaten bekanntgegeben. Im S!sters-Fall stand erst der Song, dann wurden die Sängerinnen gesucht. Ihre sechs Konkurrenten hatten sich unterdessen in ein Songwriting-Camp begeben, aus dem einige ihren Wettbewerbstitel mitbrachten.

Nun treten sieben «sehr individuelle Acts» an, wie ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber erklärte. Der vierte Platz im vergangenen Jahr sei Ansporn, «auch beim ESC 2019 wieder in den Top Ten zu landen».

Als Lena Meyer-Landrut - neben Nicole («Ein bisschen Frieden», 1982) einzige ESC-Gewinnerin für Deutschland - ganz oben landete, war sie für viele einfach «Lovely Lena». Neun Jahre später haben manche Menschen immer noch Probleme mit ihrem richtigen Namen. «Mein Name wird zu 98 Prozent falsch geschrieben. Die meisten schreiben Landruth - wegen dem Vornamen Ruth», sagte die 27-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. «Ich versuche seit fünf Jahren, einfach nur noch 'Lena' zu etablieren, aber es will nicht so richtig hinhauen.»

Nachdem beim Vorentscheid vor allem Frauen auf der Bühne stehen und die Show im Adlershofer Studio auch von Barbara Schöneberger und Linda Zervakis moderiert wird, gehört der Abend dann Deutschrocker Lindenberg. Der Musiker, der beim Vorentscheid im Duett mit Andreas Bourani auftritt, freut sich auf die «Panik-Wundertüten-Welturaufführung» seines MTV-Unplugged-Konzerts mit Gästen wie Schock-Rocker Alice Cooper und Rapper Marteria.

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