Schritte
Silbermond: Zwischen Leichtigkeit und Tiefe

Vor eineinhalb Jahren gab es bei Silbermond Zuwachs: Sängerin Stefanie Kloß und Gitarrist Thomas Stolle bekamen ihr erstes Kind. Auf dem neuen Album dreht sich entsprechend viel um Persönliches.

Freitag, 15.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 15.11.2019, 06:02 Uhr
Bei Silbermond hat sich einiges verändert.
Bei Silbermond hat sich einiges verändert. Foto: Sony Music/Jens Koch

Berlin (dpa) - Die Band Silbermond setzt sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus ein und scheut auch nicht davor zurück, in «Mein Osten» unbequeme Wahrheiten über ihre sächsische Heimat auszusprechen. Auf ihrem mittlerweile sechsten Album «Schritte» werden die Pop-Rocker erneut politisch - und sehr persönlich.

Auch ein einschneidendes Erlebnis von Frontfrau Stefanie Kloß und Gitarrist Thomas Stolle verarbeiten die Musiker auf der neuen Platte: Die beiden sind im April 2018 erstmals Eltern geworden. In «Hand aufs Herz» erinnert sich Kloß an die eigene Erziehung und fragt sich, wie sie als Mutter sein will. «Mein Vater hat mir nie gesagt, wie stolz er auf mich ist... Meine Mutter hat mir nie gesagt, wie schwer es manchmal ist», heißt es in der persönlichen Ballade. «Was auch immer sein wird, lass uns reden.»

Die Geburt ihres gemeinsamen Sohnes hat nicht nur das Leben der Eltern durchgewirbelt, sondern auch das der gesamten Band. «Logistisch und organisatorisch hat das Kind schon einiges in der Band verändert. Es gibt festere Zeiten, weil Stefanie dann weg muss. Aber diese Organisation tut der Band ganz gut», erzählt Schlagzeuger Andreas Nowak.

Der Silbermond-Nachwuchs ist einer der Gründe, warum sich die Band auch auf ihrer neuen Platte wieder gesellschaftspolitischen Themen widmet, sagt Kloß. «Ich habe eine neue Verantwortung, die ich für mich merke. Ich hab diesen kleinen Wurm in die Welt geworfen, das hat er sich nicht ausgesucht. Jetzt muss ich dafür sorgen, dass er gut klarkommt.»

Dazu gehört für die 35-Jährige auch, sich eine Meinung zu bilden und Haltung zu beziehen. In «Träum ja nur (Hippies)» fabuliert sie über eine Zukunft ohne Rassismus, Kriege und Homophobie, ohne sich dabei zu ernst zu nehmen. Auch «Für Amy», in dem Kloß Teenagern Mut machen will, sich selbst zu lieben, durchzieht eine Leichtigkeit, die in mehreren der zehn eingängigen Songs zu hören ist.

Die Bautzener haben eine Meinung, wollen aber nicht belehrend klingen. Dazu passt auch, dass sie mit «Ein schöner Schluss» einen positiven Abschluss des Albums wählen. Darin heißt es: «Ich bin dankbar, dass ich hier bin, dass ich das erleben darf.»

Zu Tränen rührt dagegen die bereits im Vorfeld ausgekoppelte Single «In meiner Erinnerung», in der Kloß über den frühen Tod ihres Vaters vor 16 Jahren singt. «Ich dachte, dass ich das mittlerweile mit mir selbst geklärt hätte. Aber bei der Arbeit an diesem Album war die Thematik doch wieder da und dieses Lied ist entstanden. Es war also doch noch viel präsenter, als ich dachte.»

Im Januar starten die vier Musiker ihre Konzertreise - zum ersten Mal mit Kind im Gepäck. Sicher eine ungewohnte Situation, aber wie Nowak erklärt: «Für die Eltern ist das natürlich nachts manchmal anders, aber: Das Kind hat sehr viel Positives in der Band bewirkt.»

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