Neues Schlagerfestival
Glitzer und Bügeleisen an der Rennstrecke

Schlager vom Mittag bis in den frühen Morgen, Camping und Motorsport. In Sachsen-Anhalt hebt ein Veranstalter ein großes Festival für Schlagerfans aus der Taufe. Welche Chancen hat der «Schlagerdome»?

Freitag, 24.01.2020, 15:39 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 15:42 Uhr
Die Sängerin Tanja Lasch auf dem Gelände der Motorsport Arena Oschersleben, wo im Mai ein dreitägiges Schlagerfestival gefeiert wird.
Die Sängerin Tanja Lasch auf dem Gelände der Motorsport Arena Oschersleben, wo im Mai ein dreitägiges Schlagerfestival gefeiert wird. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert

Oschersleben (dpa) - Es gibt Rock am Ring, es gibt Wacken, so ziemlich jede Musikrichtung hat mehrtägige Festivals - jetzt zieht die Schlagerbranche nach. In der Motorsport Arena Oschersleben unweit von Magdeburg soll Ende Mai der erste «Schlagerdome» Zehntausende Schlagerfans zusammenbringen.

Der Produzent Daniel Hahn spricht vom ersten mehrtägigen Schlagerfestival in Europa.

An der Rennstrecke am Rand der Bördestadt sollen an drei Tagen 25 Künstler und Bands auftreten. Jürgen Drews, die Amigos, Beatrice Egli, VoXXclub, Mickie Krause, die Münchner Freiheit und Tanja Lasch sind engagiert. Pro Tag können bis zu 45.000 Besucherinnen und Besucher auf das Gelände, sagt Hahn. Die Zielgruppe sieht er im Alter zwischen 20 und 70.

Der Veranstaltungsort mitten in Deutschland sei gut geeignet für das Festival. Außerhalb der Stadt gelegen, sei Lärm kein Thema, die komplette Infrastruktur sei da. In Oschersleben werden nicht nur Auto- und Motorradrennen veranstaltet, es gibt dort jährlich auch mehrtägige Groß-Events wie ein Opel-Treffen mit mehreren zehntausend Anhängern der Marke.

Für den «Schlagerdome» vom 29. bis 31. Mai sollen drei Bühnen aufgebaut werden. Die Hauptbühne wird laut Hahn 50 Meter breit sein. In einem Theaterzelt mit rund 700 Plätzen werden Schlagershows gespielt. Ein Riesenrad gehört ebenfalls dazu wie ein Foodcourt, eine Kinderbetreuung und Hüpfburgen. Und auf der Rennstrecke sollen Motorräder fahren - wegen der Lautstärke allerdings Straßenmaschinen.

Rund um die Rennstrecke können die Schlagerfans während des Festivals zelten - in schon aufgestellten Zelten oder auch im selbst mitgebrachten. Die Autos können laut Veranstalter direkt daneben abgestellt werden. Für den eigenen Caravan ist auch Platz. Es soll auch ein mobiles Hotel aufgestellt werden.

Das Festival soll nicht nur bekannte Schlagerstars auf die Bühnen bringen, sondern auch Plattform für den Nachwuchs sein. Unbekanntere Künstlerinnen und Künstler bekommen die Gelegenheit zu kleineren Auftritten. Die Haupt-Acts spielen in Konzertlänge, sagt Hahn. Bis tief in die Nacht sollen DJs für generationsübergreifende Feierlaune sorgen.

Produzent Daniel Hahn sagt: «Wir wollen das Festival für mehrere Jahre etablieren.» Im ersten Anlauf werde viel ausprobiert. Weil Schlager eben etwas anderes ist als Rock oder Metal, gibt es zum Beispiel Kabinen, in denen sich die Besucher stylen können, selbst Bügeleisen sollen zur Verfügung stehen. «Es blinkt und glitzert überall», so stellt es sich das Veranstalterteam vor. Auf Schlamm wie in Wacken setzt hier keiner.

Der Präsident des Bundesverbandes der Konzert- und Veranstaltungswirtschaft, Jens Michow, wies auf die zunehmende Konkurrenz unter Festivals hin. «Man muss mehr kämpfen als vorher.» Zum einen gebe es mehr Festivals - inzwischen um die 250. Die Zuschauerzahlen wüchsen aber nicht sichtbar. «Das große Problem ist, die Headliner zu finden, die nicht woanders spielen.» Zudem würden die Künstler und auch die anderen Veranstaltungskosten teurer. Mit Blick auf die steigenden Ticketpreise fragten sich die Menschen inzwischen, ob sie sich das leisten könnten und wollten.

Das neue Schlagerfestival in Oschersleben bezeichnete Michow als Experiment und sagte: «Ich glaube, dass es eine Chance hat.» Seiner Einschätzung nach handele es sich bei Schlager-Fans allerdings um eine ältere Klientel, die eventuell nicht unbedingt bereit sei, zu campen.

Die Schlagerbranche hatte laut Bundesverband der Musikindustrie zuletzt einen Umsatzanteil an den Verkäufen von 4,2 Prozent, weit hinter Pop (26,1 Prozent) und Rock (18,4 Prozent). Der Schlager geht laut dem Bundesverband immer mal etwas rauf und etwas runter. Das sei auch abhängig davon, welche Künstlerinnen und Künstler im jeweiligen Jahr Alben veröffentlicht haben. Der Verband hat zudem die Musikkäufer näher untersuchen lassen: 2018 waren diese zum großen Teil (64 Prozent) 50 Jahre und älter.

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