Wirres Video aufgetaucht
Xavier Naidoo: Deutschland ein "Unrechtssystem"

Köln/Berlin -

Erstmals seit seinem Rausschmiss bei "Deutschland sucht den Superstar" meldet sich Xavier Naidoo in einem Video zu Wort und beweist einmal mehr, dass sein Rauswurf nicht nur richtig war, sondern sogar zu spät kam.

Montag, 30.03.2020, 20:15 Uhr aktualisiert: 30.03.2020, 20:31 Uhr
Wirres Video aufgetaucht: Xavier Naidoo: Deutschland ein "Unrechtssystem"
Xavier Naidoos neues Verschwörungsvideo wirft viele Fragen auf. Foto: dpa

Als Anfang März ein Video im Internet auftauchte, in dem Xavier Naidoo singend gegen Migranten hetzte ("Wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt"), war die Aufregung groß. Der TV-Sender RTL reagierte schnell, schmiss den 48-jährigen Sänger aus der Jury ihrer Erfolgsshow "Deutschland sucht den Superstar" . Doch warum Naidoo überhaupt erst von dem Privatsender engagiert wurde, und warum er auch zuvor in diversen TV-Shows noch eine Plattform bekam, ist mehr als fraglich.

Verschwörungstheorien und Hetze

Das Video, das Anfang März durch die sozialen Netzwerke ging - eigentlich aber schon aus dem Jahr 2018 stammt, wie später herauskam - war nicht die erste verbale Entgleisung des Künstlers. Mehrfach fiel der Sänger negativ auf: mit Verschwörungstheorien und Hetze.

Bereits im Jahr 1999 äußerte sich Naidoo, der selbst Sohn von Migranten ist, erstmals abfällig gegenüber Nicht-Deutschen. "Bevor ich irgendwelchen Tieren oder Ausländern Gutes tue, agiere ich lieber für Mannheim", erklärte er in einem Interview im "Musikexpress" , in dem er sich gleichzeitig als "Rassist, aber ohne Ansehen der Hautfarbe" bezeichnete.

Anfang der 2000er Jahre war Naidoo Mitglied der "Brothers Keepers", einer Vereinigung von afrodeutschen Reggae-, Hip-Hop- und Soulkünstlern, die sich gegen Rassismus und Fremdenhass einsetzte. Neben Naidoo waren dort zum Beispiel auch Gentlemen oder Samy Deluxe Mitglied. Der eingetragene Verein ist schon länger nicht mehr aktiv. Trotzdem werden Naidoos Werke und seine Aussagen vor diesem Hintergrund immer fragwürdiger.

Besonders auffällig ist Naidoos Einstellung seit 2009. Seine Songs strotzen seitdem nur vor Verschwörungstheorien. "Jeder weiß, dass Al-Quaida nur die CIA ist", sang das ehemalige Mitglied der Söhne Mannheims und nannte im gleichen Atemzug die Anschläge von New York, Madrid und London. In einem anderen Lied bediente er eine Verschwörungstheorie über die jüdische Bankierfamilie Rothschild aus der Nazizeit.

Antisemitisch und homophob

Wenig später bezeichnete Xavier Naidoo Deutschland "als besetztes Land" - von der "Deutschland GmbH" war die Rede. Es habe schließlich nach dem Zweiten Weltkrieg nie Friedensverträge gegeben, führt der Sänger an. 2012 nimmt er dann mit dem Rapper Kool Savas den Song "Wo sind sie jetzt" auf. Darin wird massiv gegen Homosexuelle und Abtreibungen gewettert.

Mit den Söhnen Mannheims sorgte Xavier Naidoo 2017 für Aufruhr. Mit den Liedern "Marionetten" und "Nie mehr Krieg" ("Muslime tragen den neuen Judenstern") zeigte sich der Sänger erneut antisemitisch. Er fühlte sich damals missverstanden, rechtfertige seine Texte.

2016 sollte der Sänger beim Eurovision Songcontest für Deutschland antreten. Nach massiven Protesten entschied sich der NDR aber doch um und schickte ihn nicht zum Sängerwettstreit nach Stockholm. In anderen TV-Formaten wurde dem heute 48-Jährigen aber weiterhin eine Plattform geboten. Er nahm mehrfach - teilweise sogar als Moderator - an der VOX-Sendung "Sing meinen Song - das Tauschkonzert" teil.

"Klimawandel nicht menschengemacht"

Am Sonntag äußerte sich Naidoo erstmals seit seinem Rausschmiss bei RTL: "Sie müssen tun, was sie tun müssen, um die Show weiterzumachen", erklärte er in einem Video und meinte damit die Aussagen vom Privatsender und von Jury-Kollegen Dieter Bohlen, die sich zuvor "irritiert" zeigten. "Ich muss weiterhin zu meiner Meinung stehen und meine Meinung sagen können", so Naidoo. "Und wenn ich dadurch Nachteile habe, dann ist das so." Er habe sich ohnehin nur die Reichweite von RTL zunutze gemacht, erklärt der Sänger.

Im Anschluss an seine Erklärung zum RTL-Rauswurf holte er zum Rundumschlag aus. "Ich glaube nicht, dass es einen menschengemachten Klimawandel gibt." Er hätte sich schon von Jahren schlau gemacht. Wählen würde er ohnehin nicht. Damit unterstütze man nur das "Unrechtssystem". Naidoo spricht von Mainstreammedien und rät seinen Anhängern: "Der Lockdown ist die richtige Zeit, um sich zu informieren über die Souveränität (Anm. der Red.: Deutschlands) und andere geschichtliche Gegebenheiten."

Naidoo behauptet, er habe keine Angst - Kritik an ihm würde ihn nur stärken. Er sehne sich Freiheit und Frieden herbei, weil es das ja aktuell nicht geben würde. Eine Verschwörungstheorie folgt auf die nächste. Naidoos neues Video ruft erneut heftige Kritik hervor. Inzwischen haben ihm ein Großteil der Musikbranche und auch ehemalige Wegbegleiter den Rücken gekehrt. 

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