Crossover-Album
Fantastic Negrito: Auf den Blues-Grammy abonniert?

Mit seinen beiden vorherigen Alben kam Fantastic Negrito zu Grammy-Ehren. Die neue Platte erzählt wieder Geschichten aus dem afroamerikanischen Alltag - und über diesen modernen Blues- und Soul-Musiker selbst, der schon viele Höhen und Tiefen erlebte.

Dienstag, 01.09.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 01.09.2020, 08:02 Uhr
Funkiger Typ: Fantastic Negrito.
Funkiger Typ: Fantastic Negrito. Foto: Label

Berlin (dpa) - Ob die Erfolgsgeschichte des Xavier Dphrepaulezz alias Fantastic Negrito einfach so weitergeht? Immerhin gewann der Blues-Musiker aus Kalifornien zuletzt zwei Blues-Grammys.

Und auch sein neues Album «Have You Lost Your Mind Yet?» (Cooking Vinyl) ist ein zeitgemäßes Crossover-Werk zwischen Blues, Funk, Soul, Rock und Gospel, das den 52 Jahre alten Sänger und Gitarristen für höhere Weihen qualifizieren könnte.

Gerade in Zeiten von «Black Lives Matter» und tödlicher Polizeigewalt gegen Schwarze sind die Fantastic-Negrito-Songs aus dem afroamerikanischen Alltag so bedrückend aktuell wie selten. Jeder Track erzählt zugleich etwas über den Musiker aus Oakland bei San Francisco, der die Höhen eines Millionen-Dollar-Plattenvertrags erlebte, die Tiefen eines beinahe tödlichen Autounfalls - und dann Erfolge auf die großen Bühne der Popmusik.

Man muss einräumen, dass Dphrepaulezz den Horizont seiner beiden starken Vorgänger-Alben «The Last Days Of Oakland» (2016) und «Please Don't Be Dead» (2018) nicht groß erweitert - eventuell ein Stück weit in Richtung einer bluesigen Soul-Musik, die gelegentlich sogar an Prince erinnert (etwa im tollen «Your Sex Is Overrated»). Ein Play-Safe-Album ist «Have You Lost Your Mind Yet?» deswegen aber nicht - zumal die Gitarre und der Gesang dieses Musikers jederzeit für eine Gänsehaut gut sind.

Wie nah am Zeitgeist und wie empathisch Fantastic Negrito ist, zeigte er Ende März mit einem Video zur Single «Chocolate Samurai», für das sich Fans während der ersten Tage der Pandemie zu Hause gefilmt hatten. «Ich bat Menschen auf der ganzen Welt, mir Filmmaterial darüber zu schicken, wie sie mit dem Coronavirus umgehen. Das ist es, was zurückkam. Ein Moment des Lichts. Wir mögen hinter verschlossenen Türen isoliert sein, aber wir stecken da gemeinsam drin.»

© dpa-infocom, dpa:200828-99-346712/4

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