Rawer Than Raw
Blues-Ikone Bobby Rush: Mississippi ist mein Zuhause

Mit 86 Jahren fühlt sich Blues-Ikone Bobby Rush noch immer wohl auf der Bühne. Auf seinem neuesten Album setzt er dem mächtigen Mississippi und dem gleichnamigen US-Staat ein musikalisches Denkmal.

Mittwoch, 02.09.2020, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 06:02 Uhr
Sein Leben ist der Blues: Bobby Rush.
Sein Leben ist der Blues: Bobby Rush. Foto: Deep Rush Records

Berlin (dpa) - In der Musik von Bobby Rush schwingen die Wellen des Mississippi mit, über den in einer längst vergangenen Zeit Schaufelraddampfer hinweggleiten. Man mag dabei auch an Tom Sawyer oder kleine Farmen und Siedlungen am Wasser denken - das neue Album «Rawer Than Raw» hat all das in sich.

Natürlich, denn schließlich ist das Album als Hommage an die Blues-Geschichte von Mississippi gedacht und wird diesem Anspruch auch mit jeder Note gerecht.

Dabei stammt der Blues-Musiker gar nicht aus Mississippi. Vielmehr stammt er aus der Nähe von Homer in Louisiana, wo er vor 86 Jahren das Licht der Welt erblickte und auf den Namen Emmett Ellis Jr. getauft wurde. Da er schon früh beschloss, in die Welt der Musik einzusteigen, legte er sich den Künstlernamen Bobby Rush zu, um, wie er später sagte, seinem Vater «keine Schande anzutun».

Nun, da hätte er sich keine Sorgen machen müssen. Der Erfolg, der sich ab den 70er Jahren einstellte, wäre sicherlich auch sein Vater stolz gewesen. Seit Jahrzehnten ist Bobby Rush in der Welt des Blues eine feste Größe. «Der Mann ist ein internationaler Schatz», würdigt ihn Blues-Weltstar Joe Bonamassa. Er sei «einer von denen, die noch echten Blues spielen». Leider, fügt Bonamassa hinzu, «gibt es nicht mehr viele von ihnen».

Das neue Album ist der Nachfolger von Rushs «Sitting on Top of the Blues» aus dem Jahr 2019. «Rawer Than Raw» ist ein musikalischer Querschnitt durch die Geschichte der Mississippi Blues Hall of Fame. Rush covert auf dem Album eine Reihe von Klassikern seiner Weggefährten, wie etwa Robert Johnson, Skip James, Howlin' Wolf, Sonny Boy Williamson II oder Muddy Waters.

Doch es gibt auch fünf Rush-Originale - «Down in Mississippi», «Let Me in Your House», «Sometimes I Wonder», «Let's Make Love Again» und «Garbage Man». «Obwohl ich aus Louisiana stamme, bin ich stolz darauf, Mississippi mein Zuhause zu nennen», bekennt er. Er verneige sich vor den Menschen aus Mississippi, denn sie seien ihren Wurzeln treu geblieben. «Wenn ihr die echten Blues-Erfahrungen sucht, dann kriegt ihr sie nur von denen, die aus Mississippi stammen.» In seinem Fall ist dies auch auf Wahlbürger Mississippis übertragbar.

Das neue Album hat mit Sicherheit auch die Qualität, es in den Charts ganz nach oben zu schaffen. Aber schon bei seinem Vorjahresalbum meinte Rush, man können nicht einfach hingehen und einen Hit komponieren. «Du kannst nur dein Bestes geben und darauf hoffen, dass es ein Hit wird.» Und «Sitting on Top of the Blues» ist schließlich für einen Grammy nominiert worden.

© dpa-infocom, dpa:200805-99-46219/4

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