Why, Why
Die Frage nach dem Warum: Catts berührende Lieder

Eigentlich wollte Catt ihr neues Album seit November in Clubkonzerten vorstellen - leider kam Corona dazwischen. Charme und Virtuosität dieser jungen Singer-Songwriterin sollte man sich aber nicht entgehen lassen.

Donnerstag, 10.12.2020, 10:15 Uhr aktualisiert: 10.12.2020, 10:18 Uhr
Ein Highlight zum Jahresausklang: «Why, why» von Catt.
Ein Highlight zum Jahresausklang: «Why, why» von Catt. Foto: Tran Chau

Berlin (dpa) - «Why, why» singt Katharina Schorling alias Catt mit glockenhell-klarer Stimme im Opener eines Albums, das genau diesen Titel trägt. «Warum nur, warum» kommt mir jetzt beim Durchstarten eine vermaledeite Pandemie dazwischen - das mag sich die junge deutsche Singer-Songwriterin gefragt haben.

So erhält dieses Ende November über das Berliner Label Listenrecords erschienene, hochambitionierte Album leider nicht die Live-Bühne, die Catt eigentlich dafür geplant hatte. Damit bricht aktuell eine Möglichkeit weg, die der Debüt-EP «Moon» (2019) folgende «große» Studioplatte des Nachwuchstalents breiter zu promoten.

Bleibt nur zu hoffen, dass sich dies 2021 - dann ohne andauernde Corona-Bedrohung - nachholen lässt. Denn der Vertriebsweg Clubkonzert inklusive Plauderei mit neuen Fans am Merch-Stand ist in der heutigen Zeit für Indie-Musikerinnen wie Catt bekanntlich wichtiger denn je.

Die Songzeile und der Albumtitel «Why, Why» sind also kein Zufall, behandeln die Lieder doch die «Suche nach dem Sinn in einer unsicheren Zeit», wie Listenrecords mitteilt. Die aus Niedersachsen stammende Katharina Schorling hat die zwölf englisch gesungenen Tracks in der Wahlheimat Berlin, aber auch am Rande Hamburgs aufgenommen - in unmittelbarer Nähe zum Wald.

«Dieses Album hätte man nicht in der Stadt schreiben können», sagt Catt. Und tatsächlich haben die Lieder etwas traumhaft Naturnahes. Man assoziiert den federleichten Folkpop-Sound mit Eindrücken von milder Morgensonne und nebelverhangenen Landschaften.

Dabei sind die Songs teilweise durchaus eindrucksvoll opulent produziert - mit Klavier, Violine und Cello sowie Bläser-Arrangements, die Catt selbst hervorragend einspielen kann, wie sie voriges Jahr im Vorprogramm von Niels Frevert (und danach zusammen mit ihm) live bewies.

Der freundliche Charme, die Euphorie und Virtuosität ihrer Performance wirkt aber nicht nur im Konzert, sondern auch auf Tonträger. Schon «Moon» war außergewöhnlich fein gesponnener Artpop - «Why, Why» klingt nun noch reifer, runder, berührender.

Die Multiinstrumentalistin wuchs mit klassischer Musik auf, bevor sie 2014 nach Berlin zog und Musikproduktion studierte. Bereits nach kurzer Zeit arbeitete sie etwa für Judith Holofernes (Wir Sind Helden), Sarah Connor oder eben Niels Frevert.

Wie gut Catt künstlerisch nun auf eigenen Beinen stehen kann, beweist sie in wunderschönen Stücken wie «Willow Tree» und «The Space» oder dem majestätischen «How Can I Become» zum Schluss. Fazit: «Why, Why» ist in diesem Jahr ein spätes Highlight im Singer-Songwriter-Segment.

© dpa-infocom, dpa:201208-99-614429/4

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