Grüne legen weiter zu
Kopf-an-Kopf-Rennen wenige Tage vor der Hessen-Wahl

Nichts scheint unmöglich zu sein in Hessen: Nach den neuesten Umfragen werden die Bündnis-Optionen zur Bildung einer neuen Landesregierung eher mehr als weniger.

Donnerstag, 18.10.2018, 19:58 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 18.10.2018, 18:39 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Donnerstag, 18.10.2018, 19:58 Uhr
Wahlplakate der beiden Spitzenkandidaten Volker Bouffier (CDU, l.), Ministerpräsident des Landes Hessen, und dem SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel.
Wahlplakate der beiden Spitzenkandidaten Volker Bouffier (CDU, l.), Ministerpräsident des Landes Hessen, und dem SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel. Foto: Arne Dedert

Wiesbaden/Mainz (dpa) - Wenige Tage vor der Landtagswahl in Hessen zeichnet sich ein hartes Kopf-an-Kopf-Rennen um die künftigen Machtverhältnisse in der Wiesbadener Staatskanzlei ab.

Nach den Umfragen von ARD und ZDF verlieren CDU und SPD an Zustimmung in der hessischen Bevölkerung. Die Grünen legen dagegen weiter zu. Am 28. Oktober können die Hessen ihr Kreuzchen machen.

Würde schon kommenden Sonntag gewählt, bliebe die CDU zwar stärkste Kraft im Land. Die Regierungspartei rutscht nach dem ZDF-Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen aber auf 26 Prozent ab. Auch die Sozialdemokraten gehen nach unten und stehen laut Politbarometer bei 20 Prozent. Die Grünen kämen dagegen auf 22 Prozent. FDP und Linke lägen jeweils bei 8 Prozent. Die AfD käme auf 12 Prozent der Stimmen.

Nach der repräsentativen ZDF-Umfrage, die nach der Bayern-Wahl stattfand, sind mehrere neue Bündnisse nach der Landtagswahl in Hessen möglich: Neben einer Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP könnte auch ein Bündnis von Grünen, SPD und Linke geschmiedet werden. Weitere Optionen sind die Dreierbündnisse Grüne, SPD und FDP sowie ein Zusammengehen von CDU, Sozialdemokraten und Liberalen.

Auch die amtierende schwarz-grüne Landesregierung könnte nach der ZDF-Umfrage auf eine Neuauflage hoffen. Das hängt aber noch von der konkreten Sitzverteilung nach der Landtagswahl ab. Eine große Koalition, die lange als mögliche Machtoption in Hessen galt, ist nach der Befragung rechnerisch nicht mehr möglich.

In der ARD-Umfrage «HessenTrend» sacken die Christdemokraten zehn Tage vor der Landtagswahl ebenfalls auf 26 Prozent ab. Das sind zwei Prozentpunkte weniger als beim «HessenTrend» im September. Die Sozialdemokraten verbuchen in der Sonntagsfrage 21 Prozent Zustimmung nach 23 Prozent beim vorangegangenen «HessenTrend». Die Grünen würden auf 20 Prozent kommen. Die Linke läge bei 8 Prozent, die FDP bei 9 Prozent und die AfD bei 12 Prozent.

Bei der Frage, ob die CDU oder die SPD die nächste Landesregierung führen sollte, sprechen sich 44 Prozent der Befragten im «HessenTrend» für die Christdemokraten aus. 38 Prozent sind für eine SPD-geführte Landesregierung. Bei der Frage, ob CDU oder Grüne das Land künftig führen sollten, sprechen sich 41 Prozent der Teilnehmer für die CDU und 40 Prozent für die Grünen aus.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) machte für das Absacken seiner Partei die Dauerquerelen im Bund verantwortlich, die die Landespolitik überlagerten. Vor allem den noch vielen unentschlossenen Wählern müsse deshalb verdeutlicht werden, dass es bei der Wahl um Hessen gehe. Die bisherigen Umfragen seien enttäuschend und nicht zufriedenstellend.

SPD-Generalsekretärin Nancy Faeser sagte, das Ergebnis zur Sonntagsfrage zeige, dass noch viel Bewegung bis zum Wahlabend möglich sei. Die Sozialdemokraten würden in den verbleibenden Tagen bis zur Wahl weiter konsequent vor allem auf ihre Topthemen Bildung und Wohnen setzen.

Ziel der Grünen sei nicht, in Umfragen zu glänzen, erklärten die Spitzenkandidaten, Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und Umweltministerin Priska Hinz. Die Partei wolle am Wahlsonntag möglichst stark werden, um Hessen weiter gestalten zu können. Das Umfrageergebnis gebe aber Schwung für den Schlussspurt im Wahlkampf.

FDP-Spitzenkandidat René Rock schloss derweil weitgehend aus, dass sich die Liberalen an einer Regierung unter Führung der Grünen beteiligen werden: «Tarek Al-Wazir als Ministerpräsident ist für uns sehr schwer vorstellbar», betonte Rock.

Bei den Themen, die die Hessen am meisten bewegen, gab es ebenfalls eine Veränderung. Nach der Bildung als Topthema rangiert laut ZDF-Politbarometer nun der Bereich Wohnen an Nummer zwei und verdrängte damit die Flüchtlingsdebatte auf den dritten Platz. Fast genauso wichtig ist für die Hessen auch das Thema Verkehr.

Bei der Frage nach dem gewünschten künftigen Ministerpräsidenten kam Amtsinhaber Volker Bouffier (CDU) auf 46 Prozent Zustimmung und sein SPD-Herausforderer Thorsten Schäfer-Gümbel auf 32 Prozent. Nach Vize-Regierungschef und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir, der nach früheren Umfragen der beliebteste Politiker in Hessen ist, wurde im Politbarometer trotz der hohen Werte für die Grünen nicht gefragt.

Bei der Landtagswahl 2013 hatte die CDU 38,3 Prozent erreicht, die SPD kam auf 30,7 Prozent, die Grünen lagen bei 11,1 Prozent. Die Linkspartei erhielt 5,2 Prozent und die FDP 5,0 Prozent der Stimmen. Die AfD verpasste mit 4,1 Prozent den Einzug in den Landtag.

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