Zwei Festnahmen
Nach Autobombenanschlag in Nordirland: War es «Neue IRA»?

Eine Autobombe explodiert mitten im Zentrum einer nordirischen Stadt. Erinnerungen an dunkle Zeiten werden wach, in denen die IRA jahrzehntelang gewaltsam gegen pro-britische Protestanten kämpfte. Nun scheint eine neue, militante Generation zu übernehmen.

Montag, 21.01.2019, 12:31 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 12:34 Uhr
Nach der Explosion in der Innenstadt der nordirischen Stadt Londonderry geht die Polizei Hinweisen auf eine Autobombe nach.
Nach der Explosion in der Innenstadt der nordirischen Stadt Londonderry geht die Polizei Hinweisen auf eine Autobombe nach. Foto: Steven Mcauley

Londonderry (dpa) - Nach der Explosion einer Autobombe vor einem Gericht im Zentrum der nordirischen Stadt Londonderry richtet sich der Hauptverdacht der Polizei gegen die militante Gruppierung Neue IRA.

Dies sagte der stellvertretende Polizeipräsident Mark Hamilton der britischen Nachrichtenagentur PA. Am Sonntag nahmen die Ermittler im Zusammenhang mit dem Anschlag zwei verdächtige Männer fest, beide zwischen 20 und 30 Jahre alt.

Der Sprengsatz war am Samstagabend um 20.10 Uhr Ortszeit (21.10 Uhr MEZ) in der Bishop Street in der Innenstadt detoniert. Verletzt wurde niemand. 15 Minuten vor der Explosion war eine Warnung eingegangen, daraufhin begann die Polizei mit der Räumung umliegender Gebäude.

Hamilton berichtete, dass unter anderem Hunderte Hotelgäste und sehr viele Kinder eines Jugendclubs in Sicherheit gebracht werden mussten. Das Auto, in dem die Bombe platziert wurde, war demnach vermutlich kurz vorher in der Nähe gestohlen worden.

Die 85.000-Einwohner Stadt Londonderry liegt im Nordwesten der Provinz an der Grenze zur Republik Irland. Irische Republikaner, die die britische Regierung Nordirlands nicht anerkennen, nennen die Stadt Derry.

Die britische Ministerin für Nordirland, Karen Bradley, wertete den Anschlag als einen Versuch, nach einem 20 Jahre währenden Friedensprozess «den Fortschritt in Nordirland zum Erliegen zu bringen». Die Vorsitzende der nordischen Unionisten, Arlene Foster, sprach von einem «sinnlosen Akt des Terrors».

Auch 20 Jahre nach dem Karfreitagsabkommen, das den blutigen Konflikt in Nordirland beendete, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen um die Zukunft der Region. Dabei stehen katholische Nationalisten, die eine Vereinigung mit Irland anstreben, protestantischen Unionisten gegenüber, die weiterhin zu Großbritannien gehören wollen. Die Irisch-Republikanische Armee (IRA) hatte im Nordirland-Konflikt gewaltsam gegen pro-britische Protestanten gekämpft.

Vize-Polizeipräsident Hamilton beschrieb die mutmaßlichen Täter so: «Wie die meisten republikanischen Dissidentengruppen in Nordirland ist die Neue IRA klein, weitgehend unrepräsentativ und darauf ausgerichtet, Menschen wieder dorthin zurückbringen, wo sie nicht sein wollen.»

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