Berüchtigte Jugendwerkhöfe
Sexueller Kindesmissbrauch in DDR länger tabu als im Westen

Wurde sexueller Missbrauch in der DDR mehr tabuisiert als in der Bundesrepublik? Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs stellt Ergebnisse zu dieser These in einer Fallstudie vor.

Mittwoch, 06.03.2019, 14:37 Uhr aktualisiert: 06.03.2019, 14:40 Uhr
Die Untersuchung solle die persönlichen Schicksale in den historischen Kontext einordnen.
Die Untersuchung solle die persönlichen Schicksale in den historischen Kontext einordnen. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa) - Sexueller Kindesmissbrauch in der DDR ist nach einer neuen Fallstudie nicht nur stärker, sondern auch erheblich länger tabuisiert gewesen als in Westdeutschland.

Nach ersten Studien aus archiviertem Material in früheren Jahren hätten das nun auch persönliche Erinnerungen von rund 100 Männern und Frauen in einer neuen Fallstudie bestätigt, teilte die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs am Mittwoch in Berlin mit. Die für die Fallstudie Befragten hätten als Kinder und Jugendliche selbst sexuelle Übergriffe erlebt. Die Untersuchung sei damit nicht repräsentativ, werfe aber Schlaglichter auf ein dunkles DDR-Kapitel.

Mädchen erlitten nach der neuen Studie Missbrauch häufiger in ihrer eigenen Familie, Jungen eher in Heimen wie den Jugendwerkhöfen. Dokumentiert seien auch Fälle, bei denen Kinder für sexuelle Dienstleistungen organisiert verkauft worden seien, berichtete Forscherin Cornelia Wustmann, Professorin für soziale Beziehungen an der Technischen Universität Dresden.

Viele Betroffene litten bis heute unter der Folgen des Missbrauchs, hieß es. Sie fordern deshalb einen Fonds beim Bundesfamilienministerium, der das ihnen zugefügte Leid offiziell anerkennt und zum Beispiel für Therapien aufkommt.

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