Bloomberg steigt aus
Großer Erfolg für Biden bei Vorwahl-Marathon

Joe Bidens Kandidatur war fast schon totgesagt. Nun verbucht der Ex-Vizepräsident spektakuläre Erfolge beim «Super Tuesday». Der Rückzug von Michael Bloomberg dürfte ihm einen weiteren Schub geben - doch das Rennen bleibt offen.

Mittwoch, 04.03.2020, 23:06 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 06:07 Uhr
Mike Bloomberg, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, steigt aus dem Rennen aus.
Mike Bloomberg, demokratischer Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, steigt aus dem Rennen aus. Foto: Matias J. Ocner

Washington (dpa) - Im Wettlauf um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten ist dem früheren US-Vizepräsidenten Joe Biden ein unverhofftes Comeback gelungen.

Nach seiner Siegesserie am «Super Tuesday» dürfte ihm der Abgang eines Konkurrenten einen weiteren Schub versetzen: Der Milliardär Michael Bloomberg stieg am Mittwoch infolge enttäuschender Ergebnisse bei den Abstimmungen in 14 Bundesstaaten aus dem Rennen aus. Biden ist wie Bloomberg ein Demokrat aus dem moderaten Lager der Partei. Er liefert sich in dem Rennen nun ein Duell mit dem linken Senatoren Bernie Sanders.

Nach Prognosen von TV-Sendern gewann Biden (77) beim «Super Tuesday» 10 von 14 Bundesstaaten: Neben dem zweitwichtigsten Bundesstaat Texas auch Alabama, Arkansas, Maine, Massachusetts, Minnesota, North Carolina, Oklahoma, Tennessee und Virginia. Bei der wichtigsten Vorwahl im bevölkerungsreichsten Staat Kalifornien lag nach Berechnungen der Sender allerdings Sanders (78) vorne. Sein Wahlkampfteam erklärte ihn dort zum Gewinner.

Auch Fox News prognostizierte in Kalifornien einen Sieg des selbst ernannten «demokratischen Sozialisten». Andere Sender wie CNN zögerten zunächst, das Rennen für entschieden zu erklären. Klarer sah es in Sanders' Heimat Vermont, in Colorado und Utah aus, wo Sanders laut Prognosen siegte.

Nach dem «Super Tuesday» ist weiter offen, welcher Demokrat bei der Wahl im November gegen US-Präsident Donald Trump antreten wird. Das Bewerberfeld dünnte sich mit Bloombergs Abgang weiter aus. Es bestehe für ihn rein rechnerisch keine Chance mehr, sich die Nominierung zu sichern, erklärte Bloomberg. Der richtige Kandidat sei Biden. Wenn er selbst im Rennen bleibe, würde es das Ziel, Trump zu besiegen, nur erschweren. Biden bedankte sich auf Twitter bei Bloomberg. In dem Rennen gehe es nicht nur um Kandidaten und Politik. «Es geht darum, Donald Trump zu besiegen.» Mit Bloombergs Hilfe werde das gelingen.

Obwohl Bloomberg Hunderte Millionen US-Dollar seines eigenen Vermögens in den Wahlkampf gesteckt hatte, schnitt der 78-Jährige am Dienstag enttäuschend ab. Er gewann lediglich das Außengebiet Amerikanisch-Samoa, wo es nur um sechs Delegiertenstimmen ging. Trump reagierte mit Häme auf Bloombergs Rückzug. «Ich hätte ihm schon vor langer Zeit sagen können, dass er nicht das nötige Zeug dazu hat», schrieb der Präsident auf Twitter. Bloomberg hätte sich mit dem Verzicht auf eine Kandidatur Trump zufolge viel Geld sparen können.

Im Rennen bleiben neben Sanders und Biden noch die chancenlose Kongressabgeordnete Tulsi Gabbard (38) und die Senatorin Elizabeth Warren (70). Sie musste eine herbe Niederlage einstecken: Selbst ihren Heimat-Bundesstaat Massachusetts konnte Warren nicht gewinnen.

Beim «Super Tuesday» ging es um insgesamt 1344 Delegiertenstimmen, die beim Nominierungsparteitag der Demokraten im Juli in Milwaukee (Wisconsin) den Präsidentschaftskandidaten der Partei offiziell bestimmen werden. Alleine in Kalifornien werden 415 Delegiertenstimmen vergeben. In Texas sind es 228. Nicht alle Delegiertenstimmen gehen an den Sieger in den jeweiligen Bundesstaaten: Sie werden in der Regel unter Kandidaten verteilt, die mehr als 15 Prozent der Stimmen gewinnen konnten.

Für die Nominierung benötigt ein Bewerber beim Parteitag mindestens 1991 der insgesamt 3979 regulären Delegiertenstimmen - mehr als ein Drittel davon war bei den Vorwahlen am Dienstag zu holen. Der «Super Tuesday» war daher der wichtigste Tag bei der Suche nach einem Herausforderer für Amtsinhaber Trump.

Vor dem «Super Tuesday» hatte Sanders bei den Demokraten nach vier Vorwahlen in Führung gelegen. Auch in nationalen Umfragen stand er an der Spitze. Zuletzt hatte Biden ihn im südlichen Bundesstaat South Carolina allerdings abgehängt. Am Abend vor dem «Super Tuesday» hatte Biden zudem einen kräftigen Schub bekommen: Die ausgeschiedenen Präsidentschaftsbewerber Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Beto O'Rourke riefen Anhänger dazu auf, seine Kandidatur zu unterstützen.

Sanders sagte am Mittwoch in Vermont zu dem Zweikampf mit Biden: «Ich mag Joe. Er ist ein anständiger Kerl.» Er wolle nicht, dass der Wahlkampf in persönliche Attacken abdrifte. «Das ist das Letzte, was das Land will.» Sanders betonte aber, es gebe große inhaltliche Differenzen zwischen ihm und Biden, etwa in der Gesundheitspolitik. «Dies ist ein Wettstreit der Ideen», betonte er. Es gehe um unterschiedliche Visionen für das Land.

Bei den Republikanern hat Trump keine ernstzunehmende Konkurrenz. Die Partei verzichtet daher in mehreren Bundesstaaten auf Vorwahlen. Am Dienstag hatten aber auch die Republikaner in 13 der 14 «Super Tuesday»-Staaten Vorwahlen abgehalten. Trump erklärte sich dort überall zum Sieger.

Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt noch bis Juni hin, bevor die Nominierungsparteitage der Parteien anstehen. Die Republikaner werden im August formell Trump zu ihrem Präsidentschaftskandidaten küren.

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