Internationaler Frauentag
SPD macht Druck bei Frauenquote in Chefetagen

Zum Internationalen Frauentag wirbt unter anderem die Kanzlerin für mehr Gleichberechtigung in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Dabei nimmt Angela Merkel auch die Männer in die Pflicht. Diskutiert wird zudem weiter über Quotenregelungen.

Samstag, 07.03.2020, 16:39 Uhr
Die SPD will eine Frauenquote in Chefetagen durchsetzen.
Die SPD will eine Frauenquote in Chefetagen durchsetzen. Foto: Tobias Kleinschmidt

Berlin (dpa) - Die Männer sollten nach Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel mehr Energie in die Familienarbeit stecken.

Zum Internationalen Frauentag an diesem Sonntag sagte die CDU-Politikerin, «wir können die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen im Erwerbsleben nur erreichen, wenn auch Männer sich stärker einbringen in die Familienarbeit, in die Sorgearbeit, in die Pflege und auch in die Erziehung der Kinder». Gleichstellung sei ein Thema für Frauen, aber eben auch für Männer, fügte sie in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast hinzu.

Familienministerin Franziska Giffey machte anlässlich des Frauentags erneut Druck für ihr Vorhaben, eine Frauenquote in Unternehmensvorständen einzuführen. Sie appelliere an die Männer und Frauen in CDU und CSU, sich bei diesem Thema zu bewegen, sagte die SPD-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im Bundestag, Katja Mast, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Die Union sollte hier nicht weiter blockieren.»

Für Quoten sprach sich auch die Präsidentin des Deutschen Landfrauenverbands, Petra Bentkämper, aus: «Früher war ich überzeugt, dass eine Frau, die etwas kann, genau dorthin kommt, wo sie hin will. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass Freiwilligkeit nicht funktioniert», sagte sie Frankfurter Allgemeinen Zeitung und forderte eine Frauenquote in den Gremien der landwirtschaftlichen Verbände.

Giffey sagte dem RND, sie habe in der Politik gelernt: «Penetranz schafft Akzeptanz. Man muss nerven.» Es gehe nicht nur um Teilhabe in der Politik oder in der Wirtschaft, sondern auch ums Geld. «Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer und bekommen über 50 Prozent weniger Rente. Das kann so nicht bleiben.» In einem Gastbeitrag für die «Passauer Neue Presse» schrieb Giffey: «Frauen können alles. Das ist ein Fakt.» Es sei aber auch eine Forderung. «Ja, auch Männer können alles», führte sie aus. «Gleichstellung bedeutet nicht, sich gegenseitig das Wasser abzugraben. Im Gegenteil. Gleichstellung geht nur gemeinsam.»

Das Familienministerium hatte zuletzt einen Gesetzentwurf für eine Frauenquote in Vorständen großer börsennotierter Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern vorgelegt. Demnach soll der Vorstand solcher Firmen künftig mit wenigstens einer Frau besetzt sein, wenn er mehr als drei Mitglieder hat. Das gilt aber nur für Neubesetzungen. Die Union ist gegen das Vorhaben. Für Aufsichtsräte gibt es eine solche Quotenregelung schon.

Merkel sagte die Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern bleibe eine große Aufgabe. Es sei aber auch schon einiges erreicht worden, etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Sie nannte etwa den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz und das Elterngeld.

Der Internationale Frauentag wurde auf Anregung der deutschen Sozialdemokratin Clara Zetkin erstmals am 19. März 1911 in Deutschland und in Nachbarländern sowie den USA organisiert. Seit 1921 wird er jährlich am 8. März begangen. Die Vereinten Nationen riefen den Tag 1977 zum «Tag für die Rechte der Frau und den Weltfrieden» aus. Der Weltfrauentag ist in mehr als zwei Dutzend Ländern ein gesetzlicher Feiertag, etwa in Angola, Georgien, Russland und Vietnam. In Deutschland ist der Frauentag nur im Land Berlin ein gesetzlicher Feiertag.

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