«Das Beste in uns zeigen»
Steinmeier ermutigt zu Solidarität in der Corona-Krise

«Zeigen wir einander doch das Beste in uns», ermuntert der Bundespräsident die Menschen im Land. Derweil geht das Krisenmanagement weiter: Deutschland übernimmt Covid-19-Patienten aus Nachbarländern.

Donnerstag, 02.04.2020, 15:46 Uhr aktualisiert: 02.04.2020, 15:48 Uhr
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bürger in der Korona-Krise zur Hilfsbereitschaft im Alltag aufgerufen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bürger in der Korona-Krise zur Hilfsbereitschaft im Alltag aufgerufen. Foto: Sandra Steins

Berlin (dpa) - In der Corona-Pandemie hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Bürgerinnen und Bürger zu gegenseitiger Unterstützung aufgerufen.

«Zeigen wir einander doch das Beste in uns - zeigen wir Mitmenschlichkeit, zeigen wir Solidarität», sagte er in einer Videobotschaft. Helfen könne man beispielsweise mit Einkäufen für ältere Nachbarn, Anrufen bei der Familie, Gutscheinkäufen bei geschlossenen Läden oder wenn man im Lieblingsrestaurant Essen zum Mitnehmen bestelle.

Deutsche Krankenhäuser haben inzwischen 119 mit dem Coronavirus infizierte Patienten aus EU-Partnerländern aufgenommen. 85 davon wurden aus überlasteten französischen Gebieten nach Deutschland gebracht, 32 aus Italien und zwei aus den Niederlanden.

Für Kranke aus Italien sind noch 49 weitere Betten reserviert, für Frankreich sind es noch 13. Das teilte das Auswärtige Amt der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage mit.

Die Zahl der Intensivbetten in Deutschland ist nach Einschätzung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) zuletzt auf knapp 40.000 angewachsen. Von diesen seien etwa 15.000 bis 20.000 frei, sagte DKG-Präsident Gerald Gaß der «Rheinischen Post» (Donnerstag).

«Zu Beginn der Pandemie hatten wir etwa 20.000 Betten mit Beatmungsgerät.» Inzwischen liege man wohl bei etwa 30.000. «Ich bin zuversichtlich, dass wir in den kommenden zwei Wochen für alle Covid-19-Patienten, die beatmet werden müssen, ein Gerät zur Verfügung haben werden.»

Patientenschützer dringen indes auf konkrete Maßnahmen für Pflegeeinrichtungen. «Es ist gut, dass die Bundeskanzlerin mit den Regierungschefs der Länder ein klares Bekenntnis zum Schutz der Menschen in der Altenpflege abgegeben hat», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der dpa.

Jetzt komme es darauf an, die Menschen, die dort leben und arbeiten, zu unterstützen. Dazu gehörten etwa vorrangiges Testen, Belieferungen mit Schutzmaterial und pflegerische Hilfe. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Vorabend nach Beratungen mit den Ministerpräsidenten betont, alle Länder wollten Vorkehrungen für Pflegeheime treffen.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder prognostizierte für Deutschland auf lange Sicht einen Bedarf von Milliarden Schutzmasken. «Wir werden auf Dauer enorm viel Masken brauchen.

Ich glaube, dass wir am Ende in Deutschland Milliarden Masken brauchen», sagte der CSU-Chef. Zuerst brauche man die Masken für das medizinische Personal und dann prioritär auch für Alten- und Pflegeheime, sagte Söder. Man brauche die Masken dann aber «in der breiten Entwicklung auch irgendwann, wenn es um den Arbeitsschutz geht, um das Miteinander».

Arbeitgebern stellte das Bundesinnenministerium für Ende April eine Erleichterung in Sicht: Ab dann sollen sie Entschädigungsanträge für Mitarbeiter in Quarantäne online stellen können statt wie bisher per Brief.

Wer zum Beispiel nach der Reise in ein Risikogebiet, nach Kontakt mit einem Erkrankten oder weil er selbst infiziert ist in Quarantäne muss und nicht arbeiten kann, bekommt eine Entschädigung. Diese müssen nach dem Infektionsschutzgesetz die Betriebe für bis zu sechs Wochen vorstrecken. Sie können sich das Geld aber von den Behörden erstatten lassen.

Die Bundeswehr hält von diesem Freitag an 15.000 Soldaten bereit zur Unterstützung von Ländern und Kommunen in der Corona-Krise. Die Männer und Frauen seien dann unterschiedlich schnell - beispielsweise binnen 12 bis 72 Stunden - abmarschbereit, sagte ein Sprecher. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hatte die Truppe auf einen langen Kriseneinsatz eingestellt.

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