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Als Citycarver wird der Audi A1 zum Stadt-SUV

Klimabewusstsein und SUV fahren - das passt bisher selten zusammen. Mit dem neuen A1 Citycarver bietet Audi einen Kompromiss an. Doch wie viel Geländewagen bleibt dabei noch übrig?

Mittwoch, 08.01.2020, 04:52 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 05:04 Uhr
Als Citycarver wird der A1 zum gehobenen Stadtauto im SUV-Look.
Als Citycarver wird der A1 zum gehobenen Stadtauto im SUV-Look. Foto: Audi AG

Berlin (dpa-infocom) - Es ist ein Paradoxon unserer Zeit: Je voller die Stadt, desto größer die Sehnsucht nach einem SUV. Dieser Trend sorgt nicht nur für verstopfte Straßen, sondern belastet auch das Klima. Stadtgeländewagen sollen einen Ausweg aus dem Dilemma liefern.

Lange Zeit besetzten die Asiaten die Domäne der Stadt-SUVs. Doch mit der Nachfrage wird die Auswahl solcher Modelle immer größer. Europäische Marktgrößen sind etwa der VW T-Cross, der Peugeot 2008 oder der Renault Captur. Auch Audi will in dieser Kategorie mitmischen, verfolgt aber einen anderen Ansatz.

Ein A1 im Abenteuerlook

Weil für die Bayern ein echter Geländewagen Allrad braucht, ihre kleinste Plattform aber keinen Quattro-Antrieb hergibt, bauen sie keinen Q1, sondern machen den A1 mit ein paar Kunstgriffen zum Citycarver. Zu Preisen ab 22.100 Euro im Handel, kann er vieles genauso gut wie ein klassisches SUV.

Als Basis dient dem Citycarver der erneuerte A1, der beim Generationswechsel nicht nur größer, sondern vor allem erwachsener und innen deutlich edler geworden ist. Für rund 2000 Euro Preisaufschlag bocken die Bayern den vornehmen Vetter des VW Polo mit einem neuen Fahrwerk und größeren Rädern um fünf Zentimeter auf und verkleiden ihn mit neuen Anbauteilen. Der achteckige Kühlergrill erinnert an die Q-Modelle. Ebenso lassen die Plastikplanken um die Radläufe den Citycarver etwas rustikaler aussehen. Und der Unterfahrschutz mag zwar statt aus Metall aus Kunststoff sein, beugt aber zumindest kleinen Kratzern vor.

Die Änderungen sind minimal, machen sich aber im Alltag deutlich bemerkbar. Nicht nur, dass man angesichts der größeren Sitzhöhe bequemer ein- und aussteigen kann. Sondern auch die Übersicht im Großstadtgetümmel ist etwas besser, wenn man ein paar Zentimeter mehr Abstand zum Asphalt hat. Beim Fahren dagegen spürt man von der neuen Sitzposition denkbar wenig: Auch mit dem erhöhten Schwerpunkt hält sich der Citycarver in schnellen Kurven tapfer aufrecht und vermittelt ein gutes Gefühl für die Fahrbahn. Obwohl vor allem für die Stadt gedacht und dort ausgesprochen handlich und wendig, eignet sich der aufgebockte A1 durchaus auch für Überlandfahrten.

Begrenzte Motorenauswahl, gehobene Ausstattung

Allerdings darf man von dem höhergelegten Stadtauto nicht zu viel erwarten: Audi beschränkt die Motorenauswahl auf zwei Versionen ihres 1,0-Liter-Dreizylinders. Beim Einstiegsmodell verfügt der Antrieb über 70 kW/95 PS, und für den Testwagen stehen 85 kW/116 PS im Datenblatt. Dabei mobilisiert der kleine Turbo mit dem quirligen Charakter immerhin 200 Nm, beschleunigt den Citycarver in 9,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ermöglicht ein Spitzentempo von 198 km/h. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,1 Litern (CO2-Ausstoß: 117 g/km).

Was ihm zum richtigen SUV aber fehlt, das ist der Allradantrieb. Auch wenn in diesem Segment kaum ein Kunde nördlich des Alpenvorlandes diesen wirklich benötigt, bergen echte Abenteuerfahrten mit dem Citycarver ein gewisses Risiko. Bordsteinkanten und Bodenwellen sollte der Audi, der ausschließlich als Fronttriebler lieferbar ist, zwar ohne Probleme schaffen, doch im Schlamm oder im Schnee tut er sich genauso schwer wie jeder klassische Kleinwagen.

So sehr sich Aufbau und Auftritt des Citycarvers vom normalen A1 unterscheiden, desto ähnlicher sind sich die beiden innen. Egal ob aufgebockt oder tiefergelegt - immer ist der A1 ein vornehmer und fortschrittlicher Vertreter seiner Art, der mit Finessen wie einem serienmäßigen Digitalcockpit und einer breiten Auswahl an Assistenzsystemen aufwartet. Das könnte rechtfertigen, dass er auch deutlich teurer ist als Polo und Co. Allerdings leistet sich das Crossover-Modell Abzüge bei der Alltagstauglichkeit. Auf praktische Details wie etwa die verschiebbare Rückbank des VW T-Cross hat Audi keine Antwort. Ebenso wenig lässt sich an der mäßigen Kniefreiheit und dem 335 Liter Kofferraumvolumen noch etwas ändern.

Fazit: Weder SUV, noch Saubermann

Der Citycarver passt zur aktuellen Stimmungslage. Denn genau wie ein veganer Hamburger oder nachhaltige Designerkleidung beruhigt er das grüne Gewissen der Großstädter, ohne dass es weh tut. Da scheinen die 2000 Euro Aufpreis richtig investiert. Doch während die Klimabilanz des Audis ehrgeizige Umweltschoner kaum überzeugen wird, dürften unverbesserliche Abenteurer den maximalen Fahrspaß vermissen.

Datenblatt: Audi A1 SCitycarver 30 TFSI

Motor und Antrieb Dreizylinder-Turbo-Benzindirekteinspritzer
Hubraum: 999 ccm
Max. Leistung: 85 kW/116 PS bei 5000 - 5500 U/min
Max. Drehmoment: 200 Nm bei 2000 bis 5500 U/min
Antrieb: Frontantrieb
Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsautomatik
Maße und Gewichte  
Länge: 4046 mm
Breite: 1756 mm
Höhe: 1483 mm
Radstand: 2566 mm
Leergewicht: 1170 kg
Zuladung: 540 kg
Kofferraumvolumen: 335 Liter
Fahrdaten:  
Höchstgeschwindigkeit: 198 km/h
Beschleunigung 0-100 km/h: 9,9 s
Durchschnittsverbrauch: 5,1 Liter/100 km
Reichweite: 780 km
CO2-Emission: 117 g/km
Kraftstoff: Normalbenzin
Schadstoffklasse: EU6
Effizienzklasse: k.A.
Kosten:  
Basispreis der Modellreihe (Audi A1 Citycarver 25 TFSI): 22.100 Euro
Grundpreis des Audi A1 Citycarver 30 TFSI S-Tronic: 25.000 Euro
Typklassen: KH 14 / VK 17 / TK 17
Kfz-Steuer pro Jahr: k.A.
Wichtige Serienausstattung:  
Sicherheit: Front-, Seiten- und Vorhangairbags, Spurverlassenswarnung, LED-Scheinwerfer, Tempomat
Komfort: Klimaanlage, digitale Instrumente, Zentralverriegelung
Spritspartechnik: Start-Stopp-Automatik

Alle Daten laut Hersteller, GDV, Schwacke

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