Lese fast überall ausgefallen
Beerenauslese als süße Alternative zum fehlenden Eiswein

Vom Jahrgang 2019 konnte nur in einem deutschen Anbaugebiet Eiswein produziert werden - eine absolute Premiere, die nicht nur die Winzer trifft. Wie kommen Dessertwein-Freunde trotzdem auf ihren Genuss?

Dienstag, 03.03.2020, 18:31 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 18:36 Uhr
Nur bis fast zur Rosine geschrumpfte und eingetrocknete Beeren eignen sich zur Herstellung einer edelsüßen Beerenauslese.
Nur bis fast zur Rosine geschrumpfte und eingetrocknete Beeren eignen sich zur Herstellung einer edelsüßen Beerenauslese. Foto: Deutsches Weininstitut

Bodenheim (dpa/tmn) - Die Winzer ließen ihre schönsten Trauben hängen und warteten auf mindestens minus sieben Grad Frost - fast überall vergeblich! Ein einziger Winzer aus Korb im Remstal in Württemberg konnte vom Weinjahrgang 2019 einen Eiswein produzieren. Seine knapp 100 Liter dürften damit für Liebhaber eine besondere Rarität sein.

Gehen Eiswein-Liebhaber ansonsten in diesem Jahr leer aus? Zumindest gibt es «eine süße Alternative, die ebenfalls mit cremigen Desserts harmoniert», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut (DWI) - und schlägt eine Beeren- oder Trockenbeerenauslese vor.

Eiswein und Beerenauslese sind vom Süßegehalt vergleichbar. Der Unterschied zwischen den beiden edlen Dessertweinen liege aber im Charakter, sagte der Weinexperte dem dpa-Themendienst: Während für den Eiswein Blütenaromen und Pfirsichnoten typisch sind, könne eine Beerenauslese mit Aromen von Karamel, Honig und Rosinen punkten.

«Das liegt an den rosinenartigen, eingetrockneten Beeren», erklärt Büscher. Sie werden in mühevoller Kleinarbeit aus der ganzen Beerentraube herausgelesen, «im wahrsten Sinne des Wortes als Rosinen herausgepickt». Auch im weiteren Produktionsprozess sei es gar nicht so einfach, den Saft aus den rosinierten Beeren zu vergären.

Ein Liter Beerenauslese hat einen natürlichen Zuckergehalt von fast 300 Gramm, eine Trockenbeerenauslese sogar noch einmal deutlich mehr. «Da können Hefen nur schwer überleben. Das ist vergleichbar mit Marmeladen, die man eigentlich mit Zucker zum Konservieren bringen will. Beim Weinmachen ist der gegenteilige Effekt gefragt», sagt der DWI-Sprecher.

Es bedarf großer Winzerkunst, damit bei einer Trockenauslese die mindestens vorgeschriebenen 5,5 Volumenprozent herauskommen. Mit dem Zucker wird in den Beeren auch die Fruchtsäure konzentriert. Weil die Rebsorten von Natur aus unterschiedlich hohe Säuregehalte haben, rät Büscher zu einer Beeren- oder Trockenbeerenauslese von Rieslingtrauben: «Die haben von Natur aus hohe Fruchtsäuren.» Der Wein werde als fruchtig-frisch wahrgenommen und nicht als pappig-süß.

Beerenauslese passe zum Obstsalat ebenso wie zur Crème brûlée, sagt Büscher: «Doch mein Geheimtipp ist, sie mit Blauschimmelkäse oder einem Blue Stilton zu probieren. Der edelsüße Wein bildet am Gaumen einen fantastischen Kontrast zur Salzigkeit und Herbe des Käses.»

Zum Thema

Kein einziger Winzer in Deutschland hat in diesem Winter einen Eiswein in den Keller gebracht. «Der Weinjahrgang 2019 wird hierzulande als der erste Jahrgang in die Geschichte eingehen, in dem die Eisweinlese bundesweit ausgefallen ist», sagt Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut. In keinem der 13 deutschen Weinbaugebiete sei die für eine Eisweinlese erforderliche Mindesttemperatur von minus sieben Grad Celsius erreicht worden. Im Vorjahr konnten noch in acht deutschen Weinbaugebieten Trauben für Eiswein gelesen werden.

Die Bedingungen seien in den vergangenen Jahren aber schon häufiger nicht optimal für die Eisweinproduktion gewesen, erklärte das Institut: Vom 2017er Jahrgang konnten bundesweit nur sieben Erzeuger Eiswein ernten - drei in Württemberg, drei in Saale-Unstrut und einer in Baden. Auch Eiswein des Jahrgangs 2014 ist eine absolute Rarität. Zu den guten Eisweinjahren zählen die Jahrgänge 2012 und 2015.

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