Tröster und Helfer
Kinder mit unsichtbaren Freunden sind kreativ

Sie sitzen mit am Tisch oder sind im Urlaub dabei: die imaginären Freunde von Kindern. Verrückt sind die Kleinen deshalb nicht - sondern besonders kreativ und einfühlsam.

Mittwoch, 15.07.2020, 12:59 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 13:06 Uhr
Denken Kinder sich einen unsichtbaren Freund aus, mit dem sie Zeit verbringen, ist das für Eltern kein Grund zur Sorge.
Denken Kinder sich einen unsichtbaren Freund aus, mit dem sie Zeit verbringen, ist das für Eltern kein Grund zur Sorge. Foto: Karolin Krämer

Baierbrunn (dpa/tmn) - Das Kind redet mit anderen Kindern - aber im Raum ist gar keiner? Viele Mädchen und Jungen erschaffen sich unsichtbare Freunde. Eltern kann das verunsichern.

Forscher geben aber Entwarnung: Ausgedachte Spielgefährten sind bei Kindern nicht nur ein Zeichen einer gesunden Psyche, sondern können auch hilfreich sein, heißt es in der Zeitschrift «Baby und Familie» (Ausgabe 7/2020).

Denn die Freunde sind oft Tröster, Beschützer, Komplize oder auch Sündenbock. Oft tauchen sie in sogenannten Übergangssituationen auf: etwa, wenn ein Geschwisterkind geboren wird oder Eltern sich trennen.

«Oder wenn Kinder sich einsam fühlen», erklärt die britische Psychologin Paige Davis in der Zeitschrift. Sie gehe davon aus, dass gerade jetzt, währen der Corona-Pandemie, eine ganze Menge neuer imaginärer Freunde geschaffen werden.

Wissenschaftliche Arbeiten haben gezeigt, dass ein unsichtbarer Freund eher ein Zeichen für ein kreatives Kind ist, das versucht, sich und seine Gefühle zu regulieren und zu beruhigen. Ein erdachter Freund könne das wohl besser als echte Freunde.

Fantasiefreunde stehen für soziale Kompetenz

Außerdem sei bei Kindern mit Fantasiefreunden oft die Fähigkeit besser entwickelt, sich in andere hineinzuversetzen. Diese Kinder haben also eine größere soziale Kompetenz.

Dass erfundene Freunde positiv betrachtet werden, war in der Psychologie nicht immer so: In den 70er-Jahren ging man noch davon aus, dass die Fantasiefreunde ein Zeichen dafür seien, dass es Kindern an irgendetwas fehle. Manche sahen die Freunde sogar als Vorboten einer psychischen Störung.

Laut Paige Davis könnte das daher kommen, dass die meisten Studien damals mit Kindern gemacht wurden, die ohnehin schon psychisch krank waren.

© dpa-infocom, dpa:200715-99-800047/2

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