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Offene Immobilienfonds: Unsichere Aussichten durch Corona

Offene Immobilienfonds haben sich in der Corona-Krise vergleichsweise gut gehalten. Dennoch wird die Pandemie auch an diesen Produkten nicht spurlos vorübergehen. Was bedeutet das für Anleger?

Mittwoch, 15.07.2020, 11:37 Uhr aktualisiert: 15.07.2020, 11:42 Uhr
Offene Immobilienfonds investieren vor allem in Gewerbeimmobilien. In der Corona-Krise sind die Fonds aber trotzdem stabil geblieben.
Offene Immobilienfonds investieren vor allem in Gewerbeimmobilien. In der Corona-Krise sind die Fonds aber trotzdem stabil geblieben. Foto: Sven Hoppe

Berlin (dpa/tmn) - Geschlossene Geschäfte, verwaiste Einkaufszentren, leere Büros: Viele Betreiber von Gewerbeimmobilien haben die Corona-Krise deutlich zu spüren bekommen. Doch nicht nur Vermieter sind betroffen, sondern auch offene Immobilienfonds. Denn die Fonds investieren das Geld ihrer Anleger vor allem in Gewerbeimmobilien.

Die gute Nachricht: Die Fonds sind - anders als in der Finanzkrise vor gut elf Jahren - vergleichsweise stabil geblieben, wie die Ratingagentur Scope beobachtet hat. Mussten 2008/09 noch 18 offene Immobilienfonds aus Liquiditätsgründen geschlossen und später abgewickelt werden, ist diesmal kein Fonds in ernsthafte Schwierigkeiten geraten.

Viele Fonds sind liquide

Ein Grund dafür ist die Liquidität der Fonds. Durchschnittlich liegt der Anteil der verfügbaren Mittel laut Scope bei knapp 20 Prozent des Fondsvermögens. Ein zweiter Grund ist das Verhalten der Anleger: In den ersten Monaten nach Ausbruch der Covid-19-Krise gab es den Analysten zufolge keine außergewöhnlichen Mittelabflüsse. Die nach der Finanzkrise eingeführten Mindesthalte- und Kündigungsfristen haben offenbar viele davon abgehalten, ihre Anteile zu verkaufen.

Geholfen hat schließlich auch, dass die Fonds in den ersten drei Monaten 2020 viele neue Gelder von Anlegern einsammeln konnten: Nach Angaben des Fondsverbandes BVI verzeichneten die Fonds im ersten Quartal einen Zufluss von 3,9 Milliarden Euro.

Aussichten aber unsicher

Dennoch sind die Aussichten für den Gewerbeimmobilienmarkt derzeit für Anleger unsicher. Inwieweit sich die Folgen der Pandemie damit auch auf die Rendite auswirken werden, lässt sich derzeit kaum prognostizieren. Das liegt auch daran, dass nicht alle Immobiliensegmente gleichermaßen von der Corona-Krise betroffen sind.

Gelitten hat laut Scope der stationäre Einzelhandel - mit Ausnahme des Lebensmitteleinzelhandels. Die Folge: Die Nachfrage nach Flächen sinkt, die Mietpreise werden vermutlich nachgeben. Auch Hotels, Gastronomie und Tourismus wurden hart getroffen. Und nicht zuletzt ist auch der Büroimmobilienmarkt ein wenig in Bewegung geraten.

Risiko unterschiedlich verteilt

Die Portfolios der von Scope bewerteten Fonds ähneln sich: Sie bestehen aus Büro- (61 Prozent), Einzelhandels- (24 Prozent), Hotel- (9 Prozent), Logistik- (3 Prozent) sowie Wohnimmobilien (2 Prozent). Allerdings setzen die Fonds unterschiedliche Schwerpunkte. Daher sind sie den Folgen der Krise unterschiedlich stark ausgesetzt.

Wirklich pessimistisch blicken viele Fondsmanager laut der Stiftung Warentest aber nicht in die Zukunft. Die für die Zeitschrift «Finanztest» (Heft 6/2020) befragten Manager erwarten zwar leichte Rückgänge bei der Rendite. Von Verlusten wollen sie nicht sprechen.

Anleger können gelassen bleiben

Die Wertentwicklung offener Immobilienfonds war bis zum Ausbruch der Corona-Krise zwar nicht üppig, aber zuverlässig. Laut Stiftung Warentest konnten 13 Fonds, die schon seit fünf Jahren am Markt sind, in dieser Zeit eine durchschnittliche Rendite von 2,1 bis 8,9 Prozent pro Jahr erwirtschaften. Für dieses Jahr erwarten die Analysten von Scope durchschnittliche Fondsrenditen zwischen 1,5 und 2,0 Prozent.

Aus Sicht der Stiftung Warentest sind offene Immobilienfonds vor allem als Beimischung für das Depot interessant. Zur Spekulation eignen sie sich nicht. Anleger sollten nicht ohne Not verkaufen. Wer seine Anteile aber dennoch schnell loswerden will, kann sie über die Börse verkaufen - allerdings mit Abschlägen von drei bis elf Prozent.

© dpa-infocom, dpa:200715-99-798811/2

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