Gesundheit
Glucosaminsulfat

Vor allem im fortgeschrittenen Lebensalter ist die Arthrose, der Gelenkverschleiß im Knie, den Schultern, Hüften, Händen und Finger, kein seltenes Leiden. Die weltweit sogar häufigste Gelenkerkrankung hat ihre Ursache in der Abnutzung des Gelenkknorpels. Der Knorpel verhindert, dass die Knochen im Gelenk aufeinander reiben und sorgt dafür, dass sich mechanische Belastungen gleichmäßig auf das Gelenk verteilten. 

Montag, 16.07.2018, 09:30 Uhr

Mit dem Verschleiß des Knorpels gehen diese Schutzfunktionen verloren. Die Symptome reichen von ersten Belastungsschmerzen bis hin zu schweren Schwellungen und Verdickungen am Gelenk, welche mit starken Schmerzen einhergehen. Heilen lässt sich eine Arthrose nicht, jedoch gibt es - neben operativen Eingriffen - verschiedene Behandlungsansätze, welche zumindest eine Linderung des Leidens versprechen. Ein therapeutischer Ansatz ist die Verabreichung von Glucosamin, welches außerdem eine dem Knorpelverschleiß vorbeugende Wirkung besitzen soll.

Glucosamin und Glucosaminsulfat

Chemisch ist Glucosamin ein Aminozucker und Abkömmling des Traubenzuckers. Die Verbindung kommt im menschlichen Organismus als natürliche Substanz vor und ist Bestandteil des Bindegewebes, der Gelenkflüssigkeit und des Knorpels. Ferner ist Glucosamin ein wichtiger biologischer Baustein in Kochen, Bändern und Sehnen, sowie der Haut und den Arterien.
Im jungen Alter ist der Organismus problemlos in der Lage das wichtige Glucosamin aus der Nahrung zu synthetisieren, jedoch nimmt diese Fähigkeit mit zunehmendem Alter ab. Dabei erweist sich der Mangel an natürlichem Glucosamin in modernen Nahrungsmitteln als zusätzlicher Nachteil.
Glucosaminsulfat ist das schwefelsaure Salz des Glucosamins, welches als bioaktive Substanz im Körper wirken kann. Als solches ist es Bestandteil verschiedener Präparate, welche etwa als Nahrungsergänzungsmittel dem Körper Glucosamin zuführen sollen um dem Knorpelverschleiß entgegen zu wirken. Anstelle von Glucosaminsulfat kommt auch Glucosaminhydrochlorid als wirksamer Bestandteil solcher Präparate zum Einsatz. Die Ausgangssubstanz zur Herstellung von Glucosaminsulfat oder Glucosaminhydrochlorid wird üblicherweise aus Schalentieren wie Krebsen und Garnelen gewonnen, denn das im Exoskelett dieser Meerestiere enthaltene Chitin ist ein Polymer aus N-Acetyl-D-glucosamin. Daneben lässt es sich auch rein pflanzlich aus dem Phytopilz Aspergillus niger gewinnen, welcher auf Maiskulturen gedeiht. Solches "ökologisches" Glucosaminsulfat wird üblicherweise von Vegetariern und Schalentierallergikern bevorzugt, obwohl es sich in reiner Form chemisch nicht vom herkömmlichen Glucosaminsulfat unterscheidet. 

Die therapeutische Anwendung bei Arthrose

In der Medizin wird Glucosamin zur Linderung der Beschwerden bei leichter bis mittelschwerer Arthrose angewendet, wobei das Medikament üblicherweise in Tablettenform geschluckt wird. Die chemisch-physikalischen Eigenschaften von Glucosaminsulfat ermöglichen bei dieser peroralen Verabreichung eine schnelle Verteilung des Wirkstoffs im gesamten Organismus bis hin zum Gelenkknorpel. Glucosamin ist dabei generell gut verträglich, wobei sich die Nebenwirkungen weitgehend auf gelegentliche gastrointestinale Beschwerden beschränken.

Glucosaminsulfat als Bestandteil von Nahrungsergänzungsmitteln

Die vor allem mit dem Alter abnehmende Fähigkeit zur körpereigenen Synthese von Glucosamin sowie die oft unzureichende Zufuhr über die Ernährung lassen es als naheliegend erscheinen, den für die Gesunderhaltung der Gelenke so wichtigen Stoff dem Organismus ergänzend zuzuführen. So gibt es eine Reihe von Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Glucosaminsulfat, welche im Gegensatz zu den pharmazeutischen Medikamenten für eine langfristige Einnahme bestimmt sind. Üblicherweise werden solche Präparate in Tablettenform, als lösliches Pulver, als Trink-Ampullen oder als Softkapseln vertrieben. Häufig werden weitere Wirkstoffe wie Omega-3 Fettsäuren, Vitamine, Mineralstoffe, sowie Chondroitin zugesetzt. Letzteres ist wie das Glucosamin ein Bestandteil des Knorpelgewebes. Darüber hinaus gibt es Nahrungsergänzungsmittel auf der Basis von Hyaluronsäure, einer Vorstufe des Glucosamins. 

Kontroversen über die Wirksamkeit

Verschiedene medizinische Studien bescheinigen dem Glucosamin einen knorpelschützenden Effekt. Eine Studie der Universität Sydney aus dem Jahr 2013 stellte etwa eine signifikante Minderung des durch den Rückgang des Knorpels bedingten Gelenkspaltrückgangs fest, nachdem Probanden über zwei Jahre hinweg Glucosaminsulfat eingenommen hatten. Darüber hinaus konnte dem Glucosamin eine entzündungshemmende Wirkung bescheinigt werden, wohingegen jedoch die schmerzlindernde Wirkung pharmazeutischer Glucosamin-Präparate äußerst umstritten ist. Ein möglicher Wirkmechanismus ist noch unbekannt. Eventuell ermöglicht oder stimuliert Glucosamin aber die Synthese wichtiger Proteoglykane im Körper und hemmt Entzündungsmediatoren. Ebenfalls sehr umstritten ist eine der Arthrose vorbeugenden, beziehungsweise Knorpel-regenerierenden Wirkung durch die regelmäßige Einnahme von Glucosaminsulfat. Aus diesem Grund untersagt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit seit 2012 Werbeaussagen wie "für den Erhalt gesunder Gelenke", "für den Erhalt der Beweglichkeit" oder "für die Knorpelbildung" beim Vertrieb derartiger Nahrungsergänzungsmittel.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5910027?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947955%2F1200957%2F1201027%2F
Nachrichten-Ticker