Medizinische Versorgung
Nordrhein-Westfalen: NC für künftige Landärzte wird abgeschafft

Die hausärztliche Versorgung in der Bundesrepublik befindet sich schon seit geraumer Zeit im Sinkflug. Schon jetzt stellt die Suche nach einem Mediziner Patienten oftmals vor große Herausforderungen. Auch in Nordrhein-Westfalen zeigt sich das: Ende 2017 kam ein berufstätiger Arzt auf rund 218 Einwohner. In Zukunft dürfte sich diese Quote deutlich erhöhen. Um dem drohenden Mangel vorzubeugen, setzt NRW dem Numerus Clausus nun ein Ende.

Freitag, 08.03.2019, 13:30 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 14:08 Uhr
Medizinische Versorgung: Nordrhein-Westfalen: NC für künftige Landärzte wird abgeschafft
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Der Numerus Clausus: Was ist das eigentlich?

Der sogenannte Numerus Clausus stellt für viele Abiturienten in Deutschland eine der wichtigsten Hürden vor dem Studium dar. Er gilt für einige Fächer, zu denen in der Regel auch Humanmedizin gehört. Gibt es zu viele Bewerber für den Studiengang an einer Hochschule, entscheidet der Numerus Clausus über die Chancen, zugelassen zu werden. Je besser der Abiturschnitt ausfällt, desto wahrscheinlicher ist die Aufnahme.

Dabei ist der Numerus Clausus nicht an jeder Universität gleich und kann von Semester zu Semester schwanken. Unis mit wenigen Bewerbern machen einen weniger strengen NC nötig als jene in großen Städten mit entsprechend vielen Anwärtern.

Wer am Numerus Clausus scheitert, ist oft enttäuscht und desillusioniert. Immerhin sagt der Abiturschnitt nichts darüber aus, wie motiviert oder talentiert ein Student als späterer Arzt sein wird. Daher gibt es mehrere Möglichkeiten, Medizin auch ohne NC zu studieren wie  praktischArzt zeigt. So beispielsweise mit Hilfe von Wartesemestern, die für rund 20 Prozent der Zulassungen verantwortlich sind. Die Wartezeiten aber können lang sein. Ebenfalls denkbar ist es, an privaten Hochschulen zu studieren und den NC so zu umgehen. Dies bringt jedoch hohe Kosten mit sich, die sich nicht jeder Abiturient leisten kann.

Eine wichtige Entscheidung für Nordrhein-Westfalen

Mit der Einführung der Landarztquote soll es künftig einfacher sein, Mediziner in ländliche Gebiete zu bringen und die dortige Versorgung zu verbessern. In Nordrhein-Westfalen zeigt sich dabei, dass die Versorgungsquote nicht in allen Regionen gut ist. 100 Prozent bedeutet in diesem Fall, dass genügend Ärzte für die Bevölkerung in einer Region vorhanden sind.

Anhand der Übersichtskarte der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird allerdings deutlich, dass das in NRW nicht überall zutreffend ist. Hinzu kommt das Problem, dass viele Ärzte bereits heute recht alt sind. Laut Zahlen der Bundesärztekammer lag der Anteil der Mediziner unter 35 Jahren Ende 2017 bei nur 18,9 Prozent. Viele werden also in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen und eine Lücke hinterlassen, die sich aufgrund von Nachwuchsproblemen nur schwer schließen lässt.

Daher verkündete Karl-Josef Laumann, NRW-Gesundheitsminister, dass es bei der Vergabe von Studienplätzen für Allgemeinmedizin künftig keinen Numerus Clausus mehr geben soll. Geschaffen wird eine Möglichkeit, sich im Rahmen eines alternativen Bewerbungsverfahrens um einen Platz zu bemühen und dabei nicht mehr die Abiturnote allein als ausschlaggebenden Faktor zu nutzen.

Um die Versorgung mit Landärzten in NRW zu verbessern, müssen sich alle Teilnehmer dazu verpflichten, später mindestens zehn Jahre lang in einem der unterversorgten Gebiete Nordrhein-Westfalens tätig zu sein. Wer dagegen verstößt, muss mit einer Vertragsstrafe rechnen: 250.000 Euro kostet das die Mediziner.

Greifen soll das neue Verfahren ab dem Wintersemester 2019/2020. Rund 170 Studienplätze werden geschaffen, um der Landarztquote gerecht zu werden. Bewerber müssen deshalb an einem zweistufigen Prozess teilnehmen, bei dem die Abiturnote zu 30 Prozent einfließt. Zudem berücksichtigt werden der Test für Medizinische Studiengänge mit 30 Prozent sowie eine praktische Beschäftigung nach dem Abitur mit 40 Prozent. An dieser Stelle endet die erste Stufe, an die sich Auswahlgespräche anschließen. Für sie verantwortlich ist das Bochumer Landeszentrum für Gesundheit.

Persönlichkeit ist gefragt

Neuerungen gibt es im akademischen Bereich nahezu jährlich. Auch werden in 2019 weitere Studiengänge eingeführt . Wer jedoch schon sicher weiß, dass er Medizin belegen möchte, kann sich am alternativen Bewerbungsverfahren beteiligen und seine Chancen auf einen Platz verbessern.

Die Auswahlgespräche fokussieren sich auf die Fähigkeiten der Bewerber. Hierbei wollen die Verantwortlichen auf sogenannte Soft-Skills wie Einfühlungsvermögen, Patientenorientierung und soziale Kompetenz achten. Angehende Medizinstudenten können folglich ebenfalls ihre persönlichen Eigenschaften in die Waagschale werfen, was die Betrachtung der Eignung ganzheitlicher ausfallen lässt.

Mit dieser Maßnahme will NRW die Landarztversorgung optimieren, ohne verstärkt auf die Hilfe ausländischer Fachkräfte setzen zu müssen. Das nämlich könnte laut Karl-Josef Laumann in einigen Ländern sonst wiederum zu Problemen führen. So sollen allein in Rumänien rund 26.000 Mediziner ausgewandert sein, um außerhalb ihres Heimatlandes zu arbeiten. Die Verlagerung des Ärztemangels aber ist kein wünschenswertes Ergebnis.

An diesen Unis wird das Medizinstudium ohne NC möglich

Plätze, die im Rahmen des neuen Verfahrens vergeben werden, sind an verschiedenen Hochschulen im Bundesland zu finden. So nehmen die RWTH Aachen, die Universität Bonn und die Bochumer Ruhr-Universität teil. Auch in Siegen, Düsseldorf, Köln, Münster und Duisburg-Essen werden Plätze für künftige Landärzte geschaffen. Wer eine Präferenz hinsichtlich des Standortes hat, kann diese bei seiner Bewerbung vermerken.

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