Kampf gegen resistente Keime
WHO: Neue Antibiotika helfen zu wenig

Weltweit werden multiresistente Keime zunehmend zur Bedrohung. Um wirksam dagegen vorzugehen, wäre dringend eine Weiterentwicklung der Antibiotika nötig. Doch gerade hier sieht die WHO Nachholbedarf.

Freitag, 17.01.2020, 14:35 Uhr aktualisiert: 17.01.2020, 14:42 Uhr
Große Pharma-Konzerne ziehen sich aus der Entwicklung neuer Antibiotika zurück. Die WHO beobachtet diese Tendenz mit Sorge.
Große Pharma-Konzerne ziehen sich aus der Entwicklung neuer Antibiotika zurück. Die WHO beobachtet diese Tendenz mit Sorge. Foto: Daniel Karmann

Genf (dpa) - Die Entwicklung neuer wirksamer Antibiotika verläuftnach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bedrohlichlangsam. Zurückgehende Investitionen und Mangel an echtenInnovationen würden die Bemühungen zur Bekämpfung multiresistenterInfektionen untergraben, teilte die WHO unter Berufung auf zwei neueBerichte mit.

Demnach würden derzeit 60 antibiotische Mittel - 50 Antibiotika und10 Biopharmazeutika - an Menschen erprobt. Diese würden gegenüberbestehenden Behandlungen aber wenig zusätzlichen Nutzen bringen.Zudem zielten nur wenige auf die wichtigsten resistenten Bakterienab. «Nie zuvor war die Bedrohung durch Antibiotikaresistenzenunmittelbarer und die Notwendigkeit von Lösungen dringender», sagteWHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus.

Es sei auch festzustellen, dass die Forschung und Entwicklung fürAntibiotika in erster Linie von kleinen oder mittleren Unternehmenvorangetrieben werde, während große Konzerne das Feld verließen, sodie WHO weiter. Der Blick auf die Situation bei Wirkstoffen, die sichnoch in einer früheren Entwicklungsphase befinden, stimme etwasoptimistischer. Dort gebe es 252 Mittel, die auf die größten von derWHO definierten Problemfelder abzielten. Erste Medikamente dieserGeneration kämen aber wohl frühestens in zehn Jahren auf den Markt.

Resistenzen können sich entwickeln, wenn bei einem Antibiotikaeinsatzeinige Bakterien überleben. Diese resistenten Bakterien können sichvermehren. Besonders besorgniserregend ist laut WHO die Ausbreitungvon Keimen wie Acinetobacter, Escherichia coli und Klebsiellapneumoniae, die oft in Krankenhäusern zirkulieren. Sie könntenLungenentzündung, Blutvergiftung und Wundinfektionen verursachen.

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