Gesundheit
Coronavirus – die Telemedizin gewinnt an Bedeutung

Konzerte werden abgesagt, Messen, Theatervorstellungen und andere Events. Einige Menschen leben in Quarantäne und bisweilen steht man in Supermärkten vor nahezu leeren Regalen. Mittlerweile machen sich die Auswirkungen des Coronavirus auch in Deutschland auf eine Weise bemerkbar, die das Alltagsleben vieler Menschen beeinträchtigt. 

Mittwoch, 18.03.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 18.03.2020, 21:52 Uhr
Gesundheit: Coronavirus – die Telemedizin gewinnt an Bedeutung
Foto: Bild von StockSnap auf Pixabay

Einige dieser Veränderungen könnten über die Zeit der Pandemie hinaus wirken und haben eventuell sogar positive Aspekte. Das gilt etwa für die Telemedizin. Aktuell versuchen einige Anbieter aus diesem Bereich, für ihre Angebote eine größere Akzeptanz zu erreichen: nicht selten mit Erfolg.

Telemedizin ist nichts Neues

Telemedizin gibt es schon länger. Gemeint sind medizinische Konsultationen, bei denen die medizinische Fachkraft und der Patient räumlich voneinander getrennt sind. Die Kommunikation funktioniert beispielsweise via Telefon oder online. Wissenschaftlich untersucht wird die Telemedizin in Deutschland beispielsweise von der Koordinierungsstelle Telemedizin Baden-Württemberg. Es gibt Anbieter wie das auch in Deutschland aktive schwedische Start-up Kry, die Arzttermine via Videochat anbieten. Und DoktorABC ist ein gutes Beispiel für eine Online-Apotheke, über die Benutzer in dieser schwierigen Zeit weiterhin Online-Rezepte und Medikamente erhalten.

Einen wichtigen Schritt für eine zunehmende Verbreitung der Telemedizin in Deutschland gab es 2018. Damals gestattete die Ärztekammer Medizinern eine Behandlung, die ausschließlich telefonisch oder online stattfindet. Allerdings entwickelte sich die Telemedizin in Deutschland anschließend nur relativ langsam. „ Kaum ein Arzt im Netz “ titelte beispielsweise der Deutschlandfunk am 27. Mai 2019. Das Angebot sei spärlich und erst einmal nur für Privatpatienten zugänglich, Honorarfragen seien ungeklärt und das Internet sei oft zu langsam, berichtete der Sender damals. Aktuell scheint sich in Sachen Telemedizin aber einiges zu tun, was nicht zuletzt mit der Covid-19-Pandemie (Coronavirus) zu tun hat.

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Foto: Bild von Keith Johnston auf Pixabay

In Zeiten des Virus sind neue Lösungen gefragt

Der Coronavirus hat mittlerweile in vielen Teilen Deutschlands Auswirkungen auf das Alltagsleben. Für Trier dokumentierte das der Volksfreund am 13. März 2020 im Artikel „ Corona kriegt Trier in den Griff “. Angesichts der zunehmenden Verbreitung des Coronavirus forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel zuletzt, nicht notwendige Veranstaltungen abzusagen und möglichst auf Sozialkontakte zu verzichten. Dazu kann es gehören, Besuche von Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen abzusagen, sofern sie überhaupt stattfinden. Bei Fahrten mit Bus und Bahn sollte man entscheiden, welche notwendig sind und welche man in der aktuellen Situation weglassen kann. Ein Zusammentreffen mit anderen Menschen in Warteräumen kann das Risiko einer schnelleren Ausbreitung des Virus ebenfalls steigern. Aus all diesen Gründen entwickeln Menschen, Betriebe sowie Betriebe und Organisationen aus den unterschiedlichsten Bereichen aktuell Lösungen für verschiedenste Aktivitäten, um sie ohne einen direkten Kontakt von Menschen stattfinden zu lassen.

So spielte der Singer-Songwriter James Blunt zum Beispiel am 11. März in der Elbphilharmonie ein Konzert ohne Publikum, das über das Internet gestreamt wurde. Einige Spiele der Fußball-Bundesliga sollen aktuell im Free-TV übertragen werden. Und Rathäuser in Städten wie Werder (Havel) bitten Bürgerinnen und Bürger aktuell, sich – falls es ihnen möglich ist – bis auf weiteres nur noch via Telefon, E-Mail oder Fax an die Stadtverwaltung zu wenden.

Auch telemedizinische Anbieter werden kreativ

Telemedizin-Anbieter sind aktuell verstärkt dabei, ihre Angebote als Lösung für medizinische Hilfe in Zeiten eingeschränkter Sozialkontakte zu bewerben. So stellt derzeit zum Beispiel der Anbieter Jameda sein Arztportal teilnehmenden Ärzten kostenfrei zur Verfügung, damit die dort für ihre Patienten Videosprechstunden anbieten. Die Akzeptanz solcher Angebote scheint zu steigen. So verzeichneten Anbieter wie Kry und Teleclinic zuletzt einen deutlichen Anstieg der Sprechstunden zu Viruserkrankungen. Das berichtete Gruenderszene.de im Artikel „ Startups nutzen die Coronakrise als Chance “ vom sechsten März 2020.

Das alles klingt erst einmal so, als würden sich aktuell vor allem wirtschaftliche Vorteile für die Anbieter telemedizinischer Lösungen ergeben. Tatsächlich ergibt sich aber auch die Chance, Telemedizin zum Vorteil von Patienten auszubauen und bekannter zu machen. Noch ist jedoch ein weiteres Werben um Akzeptanz nötig. Bisher zeigt sich nämlich nach wie vor nur eine knappe Mehrheit der Patienten aufgeschlossen gegenüber der Telemedizin. Laut einer Umfrage der Meinungsforscher von Civey würden aktuell 26,6 Prozent der Befragten auf jeden Fall eine Sprechstunde über einen Videochat  akzeptieren, wenn die Krankenkasse die Kosten zahlt. 24,8 Prozent stimmten mit „eher ja“.

Eine Charité-Studie zeigte positive Effekte der Telemedizin

Einen positiven Einfluss der Telemedizin auf die Patientengesundheit zeigte zum Beispiel die sogenannte Fontane-Studie der Charité -Klinik in Berlin. Ihre Ergebnisse wurden 2018 vorgestellt. An der Studie nahmen über 1.500 Herzpatientinnen und -patienten teil. Diejenigen Teilnehmenden, die (auch) telemedizinisch betreut wurden, erhielten vier Messgeräte und schickten ihre Messdaten wie den Blutdruck und die Sauerstoffsättigung regelmäßig automatisch an das Zentrum für kardiovaskuläre Telemedizin der Charité. Laut Prof. Dr. Friedrich Köhler, dem Studienleiter zeigte die Fontane-Studie erstmals, „dass Telemedizin bei Hochrisikopatienten mit Herzschwäche zu einer Lebensverlängerung und zu weniger Krankenhausaufenthalten führt“.

Darüber hinaus kann Telemedizin in denjenigen ländlichen Regionen positiv wirken, in denen der Weg zur nächsten Arztpraxis aufgrund eines Mangels an Ärzten und Ärztinnen lang geworden ist. Am Ende wird es aber gehen, die Chancen und Grenzen der Telemedizin abzustecken und sie sinnvoll in das Gesundheitssystem zu integrieren. Das sollte so geschehen, dass sie eine Behandlung in Praxen in der Regel nur ergänzt und maximal

dort verdrängt, wo sie sie zu 100 Prozent ersetzen kann. Bestenfalls ist sie dann eine mehrerer Bausteine, um die medizinische Versorgung in Deutschland flächendeckend nachhaltig zu verbessern. Wenn das deutsche Gesundheitswesen in Zeiten des Coronavirus wichtige Schritte geht, die Telemedizin als solch einen Baustein verstärkt zu etablieren, wäre das ein positiver Effekt in einer herausfordernden Zeit.

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