Gesundheit
Woher kommt Stress und was macht er mit uns?

„Tut mir leid, ich bin total gestresst“ – wem kommt dieser Satz nicht bekannt vor? Stress scheint ein normaler Teil unseres Alltags zu sein und wird von vielen nicht richtig ernst genommen. Was passiert jedoch mit unserer Psyche und unserem Körper, wenn wir Stress haben – und was ist, wenn dieser zur Dauerbelastung wird?

Donnerstag, 14.01.2021, 09:37 Uhr aktualisiert: 14.01.2021, 09:43 Uhr
Gesundheit: Woher kommt Stress und was macht er mit uns?
Foto: Photo by Christian Erfurt on Unsplash

Unter Stress versteht man eine körperliche Reaktion auf äußere Reize. Solche Belastungen werden allgemein auch als Stressoren bezeichnet. Das Reagieren auf solche Reize ist für uns jedoch nicht unbedingt ein negativer Vorgang. Menschen brauchen den Stress nämlich, um zu überleben. So fungieren bestimmte Reize wie unangenehme Gerüche, Lärm oder andere Gefahrensituationen als wichtige Warnung, sodass wir automatisch Abstand suchen und uns in Sicherheit begeben. Im Gegensatz zu früher kommen solche Situationen heutzutage jedoch relativ selten vor. Es sind nämlich eher die psychischen Stressoren, die uns das Leben schwer machen.

Unter psychischen Stressoren versteht man Dinge wie finanzielle Sorgen, zwischenmenschliche Konflikte, Zeitdruck oder Leistungsdruck. Und genau hier liegt das Problem. Denn vor dieser Art von Belastungen kann man sich nur schwer „in Sicherheit“ bringen. Sucht man sich keine psychische Unterstützung oder findet passende Methoden , um effektives Abschalten zu lernen, bleiben diese Stressoren über eine lange Zeit bestehen. Dadurch werden sie zu einem chronischen Problem. So kann sich keine Entspannungsreaktion einstellen und unser Körper befindet sich in dauerhafter Alarmbereitschaft. Dann handelt es sich um den sogenannten Dauerstress.

Aber welche genauen Vorgänge laufen im Körper ab, wenn wir gestresst sind? Zu Beginn der Stressreaktion handelt unser autonomes Nervensystem, das für Flucht und Kampf zuständig ist, in Eigenregie und setzt Adrenalin und Noradrenalin frei. Beides sind Hormone, die im Nebennierenmark produziert werden. Sie erweitern die Bronchien und bewirken einen Anstieg des Blutdrucks und des Blutzuckers. Auch das Stresshormon Cortisol wird produziert, dessen Wirkung sogar mehrere Stunden anhält und den Gehirnstoffwechsel beeinflusst. Eine dauerhafte und übermäßige Ausschüttung von Cortisol schwächt dabei den Körper erheblich, da dieser ständig in Alarmbereitschaft gehalten wird und dadurch konstant mehr Energie bereitstellen muss.

Eine solche Überanstrengung hat verheerende Auswirkungen auf das Immunsystem. So sind Menschen im Dauerstress anfälliger für virale Infekte und auch Volkskrankheiten wie Burnout, Krebserkrankungen, Alzheimer und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bevor es so weit kommt, gibt es jedoch einige Warnsignale, auf die man unbedingt achten sollte. Erste Anzeichen von zu viel Stress sind zum Beispiel Kopfschmerzen, Nervosität, Konzentrationsstörungen und Muskelverspannungen. Bei vielen Menschen wirkt sich die ständige Anspannung auf den Magen-Darm-Trakt aus, sodass sie unter Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Verstopfungen leiden. 

Hier heißt es nicht etwa „Augen zu und durch“. Denn ignoriert man die Signale, die der Körper sendet, riskiert man seine Gesundheit und muss mit gravierenden Spätfolgen rechnen. Zunächst gilt es, die Stressursachen zu identifizieren und so gut es geht zu reduzieren. Belastungen, die mit der unmittelbaren Umwelt, den Mitmenschen oder dem Arbeitgeber zu tun haben, sollte man dabei auf ehrliche Weise kommunizieren. Stolze Menschen, die extreme Belastbarkeit als Zeichen von Stärke ansehen, müssen lernen umzudenken. Sich einzugestehen, dass man ab und zu Hilfe braucht und nicht zu allem „Ja“ sagen kann, ist dabei der erste wichtige Schritt.

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