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Die Pyramide als Wahrzeichen von Karlsruhe

Pyramiden werden für gewöhnlich in Ägypten verortet. Manche wissen noch, dass auch manche Völker von Mittel- und Südamerika den Bau von Pyramiden kannten. Doch auch in Deutschland ist eine Pyramide ein Wahrzeichen und eine Sehenswürdigkeit einer Stadt. Es ist die Pyramide in Karlsruhe, die zu Ehren des Stadtgründers Karl Wilhelm von Baden Durlach (1679-1738) angelegt wurde. In der Gruft unter der Pyramide fand der Markgraf seine letzte Ruhe.

Montag, 25.03.2019, 09:19 Uhr aktualisiert: 25.03.2019, 09:26 Uhr
Reise: Die Pyramide als Wahrzeichen von Karlsruhe
Foto: pixabay.com maxmann

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Die Pyramide im Mittelpunkt des Stadtgeschehens

Zur Popularität der Pyramide von Karlsruhe trägt bei, dass diese zentral auf dem Marktplatz von Karlsruhe angelegt wurde. Insofern haben die Karlsruher ständigen Kontakt zu diesem außergewöhnlichen Bauwerk. Auf dem Marktplatz verleiht die Pyramide zusammen mit dem Stadtbrunnen, dem Rathaus und der Stadtkirche diesem seine Struktur. Aufgrund der Dichte an Sehenswürdigkeiten sowie der Nähe zum berühmten Karlsruher Schloss ist der Marktplatz von Karlsruhe zudem eine Hauptanlauffläche für Touristen. Zurzeit wird in der Region um die Pyramide ein U-Bahnnetz gebaut, wobei sich eine Station an der Pyramide befindet.

Der Bauherr 

Der Bauherr der Pyramide war der Stararchitekt Friedrich Weinbrenner, der die Pyramide im Auftrag von Markgraf Karl Friedrich von Baden erbaute. Weinbrenner hatte sich zuvor schon intensiv an der Stadtentwicklung in der Fächerstadt beteiligt und sich mit seinem von der Antike inspirierten Stil weit über die Stadt hinaus einen Namen gemacht. Er war auch der Leiter einer im Jahre 1800 gegründeten Bauschule, aus der später das Polytechnikum und noch später die Karlsruher Universität hervorging.
Die Gestaltung der Pyramide

Friedrich Weinbrenner verwendete als Baumaterial roten Sandstein und verlieh der Pyramide somit ihre intensive und ausdrucksstarke Farbgebung. Das Monument sollte auf einer großen Steinplatte thronen, die von 16 Steinpfosten umgeben war, deren Eisenketten den Zaun abbildeten. Ein Schriftzug auf einer Pyramidenseite erinnert explizit an den Stadtgründer, der in der Gruft der Pyramide seinen Sarkophag erhielt.

Die Gruft des Mausoleums war bereits vor dem Bau vorhanden. Es handelt sich dabei um die Gruft der Konkordienkirche, die zwischen 1722 und 1807 fortbestand. Der Grund für ihren Abriss war ihre Form, die angesichts der prunkvollen Umgebung als zu klein empfunden wurde. Die spätere Stadtkirche wurde an ihrer Stelle in einem wesentlich größeren Format errichtet. Im Jahre 1825 hatte Weinbrenner sein Werk vollendet, womit Karlsruhe um eine Sehenswürdigkeit reicher war.

Die Legende vom vergessenen Schirm
Die Pyramide hat seit ihrer Entstehung die Phantasie von Karlsruhe angelegt. Die Karlsruher malten sich aus, was genau sich unter der Gruft befindet und steuerten dazu mehrere mehr oder weniger originelle Ideen bei. Eine der Legenden ist der vergessene Schirm von Friedrich Hemberger, dem Baumeister der Grabkapelle. Dieser hatte im Jahre 1889 zusammen mit einer Delegation den Pyramidenraum inspiziert und soll dabei seinen Schirm in der Gruft vergessen haben.

Mehr als 100 Jahre später, im Jahre 1998 wurde der Pyramidenraum zum zweiten Mal begangen. Der Grund für diesen Besuch war die Vermessung für eine Nachbildung der Pyramide im Stadtmuseum. Bei dieser Inspektion wurde der Schirm zwar nicht gefunden, dafür fand man eine wertvolle Reliefplatte aus dem Jahre 1823, auf den baulichen Ideen für die weitere Gestaltung der Stadt Karlsruhe eingraviert waren. Eine weitere Entdeckung war, dass der Sarkophag von Karl Friedrich von Baden Durlach leicht verrutscht war – wahrscheinlich infolge eines Bombenangriffs während des Zweiten Weltkriegs. 

Die verbotene Gruft
Insgesamt wurden seit dem Bau der Pyramide nur drei Delegationen der Zutritt zur Pyramide zugestanden. Der Anlass musste also triftig sein, um die heiligen Katakomben der Pyramide betreten zu dürfen. Der letzte Anlass war im Jahre 2013 für Vermessungsarbeiten im Rahmen des geplanten Baus einer neuer U-Bahn-Trasse. Insofern bleibt die Pyramide ein Mysterium, ähnlich wie es die Verbotene Stadt in Peking ist.

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