Von SUP bis Rafting
Wassersport im Chiemgau

Im Chiemgau lohnt es sich, baden zu gehen. Die Region in Oberbayern lockt nur nicht nur mit ihrer idyllischen Bergwelt - ihre Seen und Flüsse sind für jeden Wassersportler eine Freude.

Dienstag, 06.04.2021, 13:07 Uhr aktualisiert: 06.04.2021, 13:12 Uhr
Die Entenlochklamm ist das Highlight auf der Raftingtour auf der Tiroler Achen.
Die Entenlochklamm ist das Highlight auf der Raftingtour auf der Tiroler Achen. Foto: Norbert Eisele-Hein

Prien am Chiemsee (dpa/tmn) - Beim Stand-up-Paddling ist der Weg vom Stress zur Kontemplation kurz. Gerade bangte man noch, bloß nicht ins Wasser zu fallen - volle Konzentration. Wenig später gleitet das Brett fast wie von selbst. Der Blick wandert über den Chiemsee zum Ufer, entdeckt die Berge.

Die Bilanz des Chiemgaus als Wassersport-Paradies kann sich sehen lassen: Mehr als 50 Seen gibt es in der Region, außerdem idyllische Flusslandschaften, Wasserfälle, Quellen und Naturbäder. Auf dem Chiemsee tummeln sich Segler, Windsurfer, Kitesurfer, Kajakfahrer, Elektro-, Ruder- und Tretbootfahrer, Schwimmer und Planscher. Und natürlich Einsteiger und Profis auf SUP-Boards.

All sie genießen die besondere Stimmung, wenn der Tag zu Ende geht und die Sonne langsam versinkt. Vom Ufer des größten Binnensees in Bayern, auch «Bayerisches Meer» genannt, leuchten Feuerstellen. Am knapp zwei Kilometer langen Badestrand in Übersee sitzen noch immer Gruppen zusammen, wollen nicht heim.

Rafting auf der Tiroler Achen

Wer dem Wasser folgt, kann im Chiemgau viel erleben, erlernen und entdecken. Auch die eigene Kraft - nicht nur beim Paddeln im Stehen, auch beim Rafting. Und wo? Rund 60 kleinere Zuflüsse hat der Chiemsee, aber knapp 80 Prozent seines Wassers stammen von der Tiroler Achen. Bei Schleching bricht der Gebirgsstrom durch die Chiemgauer Alpen und bietet ein echtes Rafting-Abenteuer.

Der Tourveranstalter stattet die Teilnehmer der Gruppe mit Jacken, Helmen, Schwimmwesten, Neoprenanzügen und Neoprenschuhen aus. Das Auto bleibt an der Ausstiegsstelle zurück. Mit dem Bus geht es zum Einstieg, der auf der österreichischen Seite des Flusses bei Kössen liegt. Die Bootsführerin erteilt eine kleine Einweisung. Teamarbeit ist alles. Dann heißt es anpacken. Das XXL-Schlauchboot will irgendwie übers Geröll ins Wasser getragen werden.

Anfangs gleiten die Boote sanft über den Fluss. Ein Strudel hier, eine Stromschnelle da - alles harmlos. Wallfahrtskirche zur Rechten, Schmugglerweg zur Linken. Dann - spektakulär - die Entenlochklamm: steil aufragende Felswände, weiße Kiesbänke und viel Wald. Die enge Schlucht ist der Höhepunkt der zweistündigen Schlauchboot-Sause.

Woher die Entenlochklamm ihren Namen hat

Wer trockenen Fußes mehr über das Achental erfahren möchte, ist im Museum Salz & Moor in Grassau richtig. Dort erklärt der Biologe Stefan Kattari zum Beispiel, wie die Kiesbänke mit jedem Hochwasser verlegt werden, teils um ein bis zwei Meter. «Eine Besonderheit der Tiroler Achen», weiß der Experte und berichtet vom Flussregenpfeifer, einem Vogel, der seine Eier direkt auf den Kies legt.

Die Entenlochklamm hat übrigens nichts mit Enten zu tun, sondern mit dem Fuß, dem «Ende» des Gebirges. Viel sei begradigt worden am Fluss, sagt Kattari. «An der Stelle aber ist er noch unreguliert, frei von menschlicher Beeinflussung.» Und das ist ja immer besonders schön. Nur etwas erweitert wurde die Engstelle der Klamm. «Früher staute sich das Wasser nach Kössen zurück.» Die Errichtung einer Staumauer sei stets an Grenzstreitigkeiten gescheitert. Zum Glück!

Kajak fahren auf der Alz

Christian Kaufmann nennt die Alz den «Amazonas des Chiemgaus». Wie bitte? «Weil er eben so einen verdrehten Lauf hat.» Leuchtet ein. aber ist wohl auch gute Werbung. Denn Kaufmann verleiht Kajaks: Einer, Zweier, Kanadier, für Singles, Paare und Familien.

Die Kajaktour auf der Alz führt nicht durch tropischen Regenwald, sondern an diesem Tag von Seebruck nach Truchtlaching. Kurze Einweisung. Anfänger können beruhigt sein: Die Alz fließt gemächlich dahin, in großen Schleifen aus dem Chiemsee in den Inn.

Wenn es warm und sonnig ist, gleiten unzählige Boote, Kajaks, Kanus und Flöße über den Fluss, vorbei an grün bewachsenen Ufern, durch Flussauen und Naturschutzgebiete. Wer Glück hat, sieht einen Biber. Anders als beim Stand-Up-Paddling können sich Wassersportler im Kajak einfach treiben lassen. Informationen: Chiemgau Tourismus, Haslacher Straße 30, 83278 Traunstein (Tel.: 0861/90 95 90 15, www.chiemsee-chiemgau.info).

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