Wohnen
Mini-Garten, Maxi-Gestaltung – Tipps &Tricks für XS-Gärten

Die Grundstücke teuer, das Geld knapp. Wer heute neu baut, hat hinter dem Haus oft sehr viel weniger Freiraum, als noch vor Jahrzehnten der Fall war. Kein Problem, denn auch im Mini-Garten kann man noch viel rausholen.

Dienstag, 08.08.2017, 09:34 Uhr

Wohnen : Mini-Garten, Maxi-Gestaltung – Tipps &Tricks für XS-Gärten
Auf die Größe kommt’s nicht an – das gilt auch für den Garten. Wer den clever gestaltet, sorgt ohne viel Fläche für Raum. Foto: fotolia.com © sjhuls

588 Quadratmeter. Das ist die durchschnittliche Größe eines Neubaugrundstücks in Deutschland. Je nach Lage etwas mehr oder weniger. Und ob man nun das Neubaugebiet in Alverskirchen als Beispiel nimmt oder ganz woanders in der Republik Ausschau hält: Überall nimmt die Zahl vergleichsweise kleiner Grundstücke zu – denn Häuser sind an sich schon teuer und nur wegen etwas Grün auf Wohnfläche verzichten, das wollen die wenigsten. Das führt aber zu der Frage, wie man sich mit kleinem Garten und einer dichten Bebauung noch richtig ausbreiten kann. Es geht – und wie, das zeigt der folgende Artikel.

1. Geschickte Raumaufteilung

Je größer ein Garten ist, desto weniger wichtig wird es, was wo liegt. Denn ob nun Beete gleich hinter der Terrasse kommen oder am anderen Ende eine kleine Obstbaum-Plantage steht, ist kaum von Bedeutung, wenn man hinter dem Haus 1000 oder noch mehr Quadratmeter Freiraum hat.

Gänzlich anders sieht es jedoch im XS-Garten aus. Hier muss die ideale Raumaufteilung so verlaufen, dass man von keinem Standort aus sieht, wie klein der Garten wirklich ist. Das lässt sich vor allem durch geschickte Bepflanzung und eine nicht-gradlinige Wegführung realisieren. Der Blick geht dann immer nur bis zum nächsten Eye-Catcher, überblickt aber nie das große Ganze. Optisch macht das zwar den Garten noch etwas kleiner, aber mit dem weitaus größer wiegenden Vorteil, dass der Garten dann unergründlich wirkt. Besonders gut wirkt das mit einer insgesamt diagonalen Aufteilung, denn die macht den Garten optisch wiederum breiter.

 

2. Sichtschutz ja, Sichtschutz nein

Optik ist auch das Stichwort für den zweiten Punkt. Denn gerade im durchschnittlichen Neubaugebiet mit seinen durch den Bebauungsplan vorgegebenen gleichen Bautiefen ist es heute oft so, dass die Nachbarn sich gegenseitig sprichwörtlich „bis in den Kochtopf“ schauen können. Bei einem großen Garten könnte man das Problem einfach und rigoros dadurch umgehen, dass man eine blickdichte Grenzbebauung wählt – Staketenzaun, Metallzaun mit Sichtschutzstreifen oder eine blickdichte Heckenbepflanzung.

Beim XS-Grundstück würden jedoch all diese Maßnahmen das Grundstück optisch noch schmäler machen. Die Lösung mit der Hecke sogar physisch, denn die braucht ja eine gewisse Wuchstiefe, zumal in NRW hier auch noch ein Grundstücksabstand eingehalten werden muss. Das bringt uns zur nächsten Lösung: Denn um hier das Grundstück abzugrenzen, empfiehlt sich eine aufgelockerte Randbepflanzung mit Stauden und vielen Lücken dazwischen. Völligen Sichtschutz braucht man für den Garten auch gar nicht anzustreben, das sollte man nur für tatsächlich private Bereiche wie die Terrasse.

Und hier bietet es sich ebenfalls wegen der geringen Grundstücksausdehnung an, nicht auf noch weiter einschmälernde Elemente wie Bambusmatten zu setzen, denn diese wirken wie eine einfarbige, massive „Wand“. Die beste Lösung, falls ein Terrassendach einen sowieso vorhandenen Rahmen bietet, ist daher ein Griff in die Kiste der Werbeindustrie, genauer gesagt zu Bannern. Im Gegensatz zu Bambusmatte und Co. gibt es die nämlich in frei wählbaren Abmessungen und sie lassen sich auch bedrucken.

Im Optimalfall endet dann der Blick zur Seite der Terrasse nicht am Nachbarshaus, sondern auf einem Maßstab 1:1-Bild aus dem letzten Urlaub oder der Natur, gespannt zwischen Terrassendach und Boden. Mit dem richtigen Motiv lässt sich so die Terrasse optisch ins Gigantische verbreitern. Allerdings muss bei diesen Bannern beachtet werden, dass auch sie nicht unbegrenzt durch Wind belastbar sind, weil manche davon explizit nur für Fassaden vorgesehen sind. Die Wahl muss also auf eine Variante fallen, die für das freie Aufspannen – denn das Banner ist ja wie ein Segel – geeignet ist.

3. Auf die Rampe kommt es an.

Die Bepflanzung ist der Dreh- und Angelpunkt für den XS-Garten, denn mit ihr steht und fällt die gesamte Wirkung. Das bedeutet, insgesamt sollte man sich: 

  1. Auf nur wenige unterschiedliche Pflanzen festlegen
  2. Von vorn nach hinten höher werden (von der Terrasse aus gesehen)
  3. Pflanzen wählen, die sehr starke optische Reize bieten

Ausgehend von der genannten diagonalen Bepflanzung (siehe Punkt 1) sollte also direkt an der Terrasse erst einmal ein Streifen Wiese den Anfang machen. Mit dieser Aufteilung ist es dann auch ein Leichtes, regelmäßig zu mähen, ohne sich mit dem Rasenmäher an den restlichen Pflanzen entlangdrücken zu müssen. Danach folgt ein erstes Beet, in dem die niedrigen Pflanzen stehen. Hier bieten sich je nach Jahreszeit Stiefmütterchen oder Geranien an – pflegeleicht und blühen fast das ganze Frühjahr bis in den Herbst hinein. Dahinter sollte man höher gehen. Etwa mit einem echten tropischen Highlight, der Paradiesvogelblume. Diese darf nur in Töpfen sitzen und bildet deshalb in Verbindung mit einem schönen Gefäß das zweite optische Glied. Hier ist auch der richtige Platz für Blumenzwiebeln.

Dahinter schließen sich kleine Sträucher an. Etwa Frühlingsspiere oder der Mönchspfeffer. Ebenfalls sehr gut im kleinen Garten macht sich die Hortensie, deren Blütenpracht erst aus einer gewissen Distanz wirkt. Die letzte Reihe zum Ende des Gartens hin machen dann die Bäume. Hier muss dann überlegt werden, ob der Schwerpunkt eher auf reinen Zierbäumen liegt oder auf fruchttragenden Vertretern. Allerdings muss bei beiden Varianten klar sein, dass es ohne regelmäßiges Zurückschneiden nicht geht, gerade wenn man keinen Ärger mit dem nächsten Nachbarn haben möchte.

Konsequent ausgeführt wird der Garten so nach hinten immer höher, man fühlt sich fast wie auf einer Theaterbühne. Nur dass man nicht in den Zuschauerrängen steht, sondern mitten auf der Bühne – mit den Pflanzen als Darsteller.

4. Gemüse wie in der City

Am meisten verkneifen müssen sich XS-Garten-Besitzer, die ihren Esstisch mit Gaben aus dem eigenen Anbau bereichern wollen. Denn schon wer sich nur ergänzend mit Gemüse versorgen will, braucht pro Kopf 5 bis 20 Quadratmeter Beetfläche. Das ist in kleinen Gärten schlichtweg nicht realisierbar. Vor allem nicht, wenn man auch noch eine Rasenfläche haben möchte, die diesen Namen verdient.

Allerdings bedeutet das nicht, dass man auf Gemüse verzichten muss. Man muss eben bloß ganz anders an die Sache herangehen. Nicht mittels einem großflächigen Beet, sondern vielen kleinen Möglichkeiten:

  • Kleine Flächen, in denen immer wieder ein Salatkopf sprießt, als wäre er eine Zierpflanze. Nimmt man dafür optisch schöne Salate wie Lolo Rosso, sieht das sogar noch gut aus.
  • Hochwachsende Gemüsepflanzen lassen sich auch als Grenzbepflanzung (siehe Sichtschutz) realisieren, etwa Mais, der bis zu zwei Meter hoch werden kann.
  • Kleine, dekorative Töpfchen für Gemüse und Gewürze, die man regelmäßig in der Küche benötigt, können an der Terrasse an eine Kette gehängt werden und werden so zum senkrechten Beet.

Und wer dann immer noch Gemüsemangel hat, der vergisst einfach, dass sein Haus vielleicht irgendwo im Neubaugebiet am Dorfrand steht und wechselt zu den Lehren des Urban Gardening, also dem (Gemüse-) Gärtnern auf allerkleinstem Raum, wie er in innenstädtischen Großstadtwohnungen zu finden ist. Dann kommt man nämlich nicht nur auf so ungewöhnliche Einfälle wie den Salatbaum, sondern lernt auch, dass alles wachsen kann, wenn man nur die vorhandene Fläche clever ausnutzt. Etwa, indem man auch die Fensterbänke integriert und generell nicht nur in der Waagerechten, sondern auch der Senkrechten denkt. Friert man dann den überschüssigen Erntesegen noch ein, kann man selbst in einem sehr kleinen Garten noch eine ziemlich hohe Erntemenge bekommen – und vor allem ohne dass der eh schon geringe Platz noch weiter geschmälert wird.

 

Fazit

Der Volksmund sagt „Kleinvieh macht auch Mist“ und genau so sieht es auch im XS-Garten aus. Man braucht keine tausenden Quadratmeter, um glücklich zu sein. Im Gegenteil: Kleine Gärten zwingen einen dazu, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Und ganz nebenbei machen sie auch noch ungleich weniger Arbeit. Dann bleibt wirklich Zeit für das, wofür man sich die Arbeit antut: Das Entspannen und Genießen. 

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