Reines Gewissen
Wie gut sind Öko-Waschmittel?

Öko-Waschmittel versprechen nicht nur saubere Kleidung, sondern auch ein reines Gewissen. Wer aber die Umwelt beim Wäschewaschen wirklich schützen will, sollte auf die Details achten.

Samstag, 23.06.2018, 05:02 Uhr

Aus Umweltsicht nicht empfehlenswert sind Weichspüler – sogar in der Öko-Version. Sie belasten das Abwasser.
Aus Umweltsicht nicht empfehlenswert sind Weichspüler – sogar in der Öko-Version. Sie belasten das Abwasser. Foto: Christin Klose

Düsseldorf (dpa/tmn) – Bio-Lebensmittel kennt man längst, auch Bio-Kosmetika gehören allmählich zum gewohnten Bild im Ladenregal. Immer häufiger werben selbst Waschmittel mit Aufschriften wie bio, ökologisch oder natürlich. Was genau bedeutet das – für den Verbraucher und für die Umwelt?

Marcus Gast vom Umweltbundesamt erklärt: «Die Begriffe "bio" oder "öko" sind in diesem Bereich nicht definiert. Üblicherweise beziehen sich die Hersteller damit auf die Herkunft der verwendeten Rohstoffe, und da kann jeder werben, wie er lustig ist.» Hinzu kommt: Auch natürliche Rohstoffe können zur Belastung werden, wenn sie über das Abwasser heimische Gewässer erreichen.

«Orangenschalenöl zum Beispiel wird gerne eingesetzt. Es riecht gut und ist ein sehr gutes organisches Lösemittel», erläutert Gast. «Es ist aber auch giftig für Wasserorganismen. Wenn an Land eine Orange verschimmelt, ist das kein Problem. Aber in konzentrierter Form im Wasser wird es gefährlich.»

Trotzdem ist es längst nicht egal, für welches Waschmittel man sich entscheidet. Denn obwohl sich in Sachen Umweltschutz schon vieles bewegt hat, bleiben Probleme. So hat die EU etwa den Einsatz von Phosphor mittlerweile streng reguliert, um übermäßiges Algenwachstum einzudämmen. Auch waschaktive Substanzen müssen in der Kläranlage leicht abbaubar sein.

Keine Beschränkungen gibt es dagegen für Mikroplastik. «Das steckt oft in Flüssigwaschmitteln – nur für die Optik», sagt Gast. Als Trübungsmittel sorgen winzige Plastikpartikel dafür, dass die Flüssigkeit je nach Lichteinfall ansprechend changiert. Auf die Waschleistung haben sie keinen Einfluss.

Ein wesentliches Problem sind Duftstoffe, ergänzt Gast. «Viele Komponenten sind giftig für Wasserorganismen.» Hinzu kommt, dass sie schlecht biologisch abbaubar sind. «Deswegen riecht das Abwasser oft ganz hervorragend, wenn es aus der Kläranlage kommt. Bestimmte Moschusverbindungen findet man dann im Fettgewebe von Speisefischen.» Auch für Verbraucher bergen Duftstoffe Risiken: Allergien.

Orientierung beim Kauf können Umweltsiegel bieten, allen voran das EU-Ecolabel sowie der Blaue Engel . «Das sind die einzigen Label, die wir bei Waschmitteln wirklich empfehlen», sagt Philip Heldt von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Mit den Siegeln gekennzeichnete Waschmittel enthalten kein Mikroplastik und entweder keine oder auf ein Minimum reduzierte Konservierungs- und Duftstoffe.

So eindeutig sind nicht alle Siegel: Manche beziehen sich nicht auf Inhaltsstoffe und deren Umweltwirkung, sondern auf die Produktion der Waschmittel. Und wieder andere sind einfach intransparent. Aber: Ein fehlendes Zertifikat wiederum bedeutet nicht unbedingt, dass das Produkt schlecht für die Umwelt sein muss. «Es gibt auch Waschmittel, die man sogar im Bioladen kaufen kann. Manche dieser Anbieter gehen über die Anforderungen der Zertifikate hinaus und sparen sich genau deshalb das Geld für eine teure Zertifizierung, weil sie noch mehr leisten», so Heldt.

Abgesehen von der Umweltfreundlichkeit dürfte das wichtigste Kaufkriterium die Waschkraft sein. Dabei gilt: Produkte mit der Euroblume und dem Blauen Engel müssen vergleichsweise ebenso gut waschen wie ein Markenprodukt oder das marktführende No-Name-Produkt.

Andere Waschmittel muss man möglicherweise erst mal testen, sagt Heldt. «Manche Mittel sind sehr puristisch: Seifenflocken mit Wasserenthärter. Andere enthalten Enzyme, die sich sehr gut biologisch abbauen lassen. Allerdings können sie Allergien auslösen.» Zudem werden viele Enzyme durch gentechnisch modifizierte Organismen produziert, so dass einige Bio-Hersteller das aus ethischen Gründen ablehnen, ergänzt Heldt. Aus Umweltsicht seien sie aggressiven Chemikalien trotzdem vorzuziehen.

Von den als besonders umweltfreundlich beworbenen Waschnüssen rät Heldt ab. Zwar sei die Waschleistung gut, aber genau das habe zu einer erhöhten Nachfrage geführt – und somit das Problem nur verlagert. «Die Nüsse werden in Indien und Umgebung angebaut. Die hiesige Nachfrage hat die Preise dort so in die Höhe getrieben, dass die Menschen jetzt vermehrt auf industrielle Reiniger setzen.»

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