Wohnen
Coronakrise: Wie sollen Vermieter die Nebenkosten schultern?

Die durch die Coronakrise bedingten Anpassungen des deutschen Mietrechts stellen viele Vermieter vor existenzielle Fragen. Wie sollen sie beispielsweise die laufenden Kosten für Wohnungen decken, wenn ihre Mieter über Monate nicht mehr zahlen?

Donnerstag, 09.04.2020, 13:56 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 14:01 Uhr
Wohnen: Coronakrise: Wie sollen Vermieter die Nebenkosten schultern?
Foto: Photo by Grant on Unsplash

Wenn Nebenkosten für Vermieter zur Kostenfalle werden

Normalerweise müssen Vermieter lediglich darauf achten, die Nebenkostenabrechnung fristgerecht zu stellen und keine unzulässigen Kostenpunkte auf die Mieter umzulegen . Begleichen Mieter die Rechnung trotzdem nicht, kann ihnen im Regelfall gekündigt werden. Durch die vorgenommenen Änderungen hat sich dieser mietrechtliche Zusammenhang aber verändert. Auch korrekt gestellte Nebenkostenabrechnungen sind bis Ende Juni keine Garantie, dass der Vermieter nicht auf den laufenden Kosten seiner Wohnung sitzen bleibt. Wenn Mieter aufgrund der Coronakrise ihren Job verlieren oder nur eingeschränkt verdienen, dürfen sie auch bei bis zu dreimonatigen Mietrückständen inklusive Nebenkosten nicht gekündigt werden . Für Vermieter führt das leicht in eine finanzielle Krise. So besonders dann, wenn sie mehrere Wohnungen vermieten. Laufende Kosten entstehen für jede einzelne davon. 

Selbst die Zahlung der Betriebskosten hinauszögern?
Im absoluten Notfall ist das für finanziell in Bedrängnis geratene Vermieter eine mögliche Lösung. Mit seinem milliardenschweren Rettungspaket hat der Bundestag beschlossen, dass Strom- und Wasser-, Internet- und Telekommunikationsanbieter bis Ende Juni größere Zahlungszeiträume einräumen müssen, bevor sie ihre Dienste einstellen. Die beste Lösung in Sachen laufende Kosten sind verzögerte Zahlungen allerdings nicht.

Was, wenn Mietschulden niemals beglichen werden?

Die Hilfsmaßnahmen zum Kündigungsschutz bedeuten nicht, dass Mietzahlungen bis Ende Juni komplett entfallen. Vorgesehen ist bisher lediglich, dass Mieter die Beträge stunden und nach Wiederaufnahme der Arbeit begleichen. Aber ob die gestundeten Beträge von Mietern nach Juni tatsächlich getragen werden können, steht in den Sternen. Laut Wirtschaftsexperten werden viele Mieter hohe Mietschulden auch dann nicht schultern können, wenn die Bundesrepublik langsam zum Normalbetrieb zurückkehrt. Wer als Vermieter in Erwartung der bisher vorgesehenen Begleichung aller Mietausfälle selbst die Zahlung der Nebenkosten hinauszögert, bekommt es in diesem Fall mit noch schwerwiegenderen Finanzproblemen zu tun. Hilfsfonds werden in diesem Zusammenhang aktuell zwar diskutiert, die Ideen hierzu sind aber noch nicht ausgereift. Die vielleicht beste Lösung ist daher das offene Gespräch mit den Mietern. Mittelwege zwischen der Stundung und Zahlung der Miete könnten beiden Parteien helfen. Idealerweise willigen Mieter beispielsweise ein, lediglich die Kaltmiete zu stunden und die laufenden Betriebskosten auch in Krisenzeiten zu tragen.

Beratungsangebote für Vermieter: Welche gibt es?

Wer als Vermieter durch laufende Betriebskosten und Mietausfälle in Bedrängnis gerät, lässt sich idealerweise zeitnah von Experten beraten. Neben Beratung beim Vermieterverein  steht Betroffenen auch das Beratungsangebot von Vereinen wie dem Vermieterschutzbund offen. Falls Vermieter aufgrund der Mietausfälle laufende Kredite nicht mehr zahlen können, informieren sich beim Bundesfinanzministerium am besten über alle verfügbaren Hilfsangebote.

Wichtig:Obwohl die Änderungen des Mietrechts vorerst nur bis Ende Juni gelten, kann der Bundestag jederzeit eine Verlängerung beschließen. Deshalb lassen sich Vermieter am besten auch dann beraten, wenn sie im bisher angesetzten Zeitraum zur Not auch ohne Mieteinnahmen noch über die Runden kommen würden.

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