Wohnen
Ausbauhaus – Geld sparen durch Eigenleistung

Das Ausbauhaus oder auch Mitbauhaus ist eine sogenannte Ausbaustufe, die viele Fertighaus- und Baufirmen ihren Kunden anbieten. Die Baufirma oder das Fertighausunternehmen erstellen dabei den Rohbau des gewünschten Hauses, der Bauherr kann dann den Innenausbau ganz oder teilweise selbst übernehmen. Der Vorteil dieser Vorgehensweise: Die Bank rechnet die Eigenleistung als Eigenkapital an. Die Arbeitsleistung ist die sogenannte Muskelhypothek.

Montag, 02.11.2020, 12:53 Uhr aktualisiert: 09.11.2020, 11:49 Uhr
Wohnen: Ausbauhaus – Geld sparen durch Eigenleistung
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Welche Leistungen das Bauunternehmen erbringen muss, dafür gibt es keinerlei Vorschriften. Der Gestaltungsrahmen ist groß und die Vertragsparteien – Bauunternehmen und Bauherr – können hier frei gestalten. Einige Hersteller bieten verschiedene Ausbauhauspakete an, sogenannte Ausbaustufen. Ein paar grundsätzliche Leistungen sind in so ziemlich jedem Ausbauhaus-Angebot enthalten.

Welche Leistungen erbringt das Unternehmen?

Ausbauhäuser gibt es als Fertighaus und als Massivhaus. Folgende Leistungen sollte das Unternehmen erbringen:

-        Außen- und Innenwände errichten

-        Dach eindecken

-        Dachunterschicht montieren

-        Wärmedämmung anbringen

-        Fassade verkleiden oder verputzen

-        Fenster einbauen, einschließlich der Rollläden oder Schlagläden

-        Haustür mit Schließanlage montieren

-        Terrassentür montieren

-        Leerrohre für elektrische Leitungen anlegen

-        Rohre für Gas-, Wasser- und Abwasseranschlüsse vormontieren

Der Bauherr hat dann ein regendichtes und bereits fachgerecht wärmegedämmtes Haus , um den Innenausbau kann er sich dann Schritt für Schritt kümmern. Dabei ist er witterungsunabhängig. Wenn die Heizung bereits installiert ist, kann er sogar im tiefsten Winter arbeiten. In den meisten Fällen organisiert der Fertighaushersteller oder Bauunternehmer auch Keller und Bodenplatte. Allerdings sind die Kosten dafür meist nicht im Preis enthalten.

Wer sich eine Stadtvilla baut, die anderthalb- oder zweigeschossig ist, hat in der Regel bereits die Treppe eingebaut. Auch Extras wie Erker oder Balkon übernimmt der Hersteller bereits beim Aufbau der Außenwände.

Was der Bauherr beim Ausbau alles selbst machen kann

Je nach handwerklichem Geschick kann der Bauherr, wenn der Rohbau steht, anfangen seine Eigenleistungen zu erbringen. Beim Innenausbau sind folgende Arbeiten denkbar:

-        Trennwände aus Gipskarton einbauen

-        Estrich verlegen

-        Bodenbeläge und Fliesen verlegen

-        Innenputz- und Lackierarbeiten übernehmen

-        Wände anstreichen und tapezieren

-        Innentüren einbauen

-        Sanitärobjekte aufbauen

-        Wasser und Abwasser anschließen

-        Gas- und Stromleitungen installieren

-        Heizungsanlage einbauen

Vorgehensweise beim Innenausbau eines Hauses

Wenn noch keine Fenster und Außentüren eingesetzt sind, ist das das erste Gewerk. Das schützt das Fertighaus nicht nur gegen Witterung und Feuchtigkeit. Auch Diebe können dann nicht mehr so leicht ins Haus gelangen. Wenn das Haus eingedeckt ist, wärmegedämmt ist, von außen verputzt und die gewünschte Fassade angebracht ist, fängt der eigentliche Innenausbau erst an.

Der Bauherr muss Heizung, Haustechnik (Wasser, Abwasser und Lüftung) grob installieren und dazu die Kabel und Leitungen verlegen. Die Innenwände sind zu verputzen und gegebenenfalls noch zusätzliche Wände in Trockenbauweise einzuziehen. Dann erfolgt gegebenenfalls der Dachausbau. Der Estrich in den Innenräumen ist getrennt zu verlegen. Wenn es eine Fußbodenheizung gibt, wird sie mit Heizestrich verlegt. Dann geht es daran, die Wände zu tapezieren und zu streichen. Erst jetzt wird der Boden verlegt, dann wird er beim Streichen und Tapezieren nicht zerkratzt oder verdreckt. Anschließend kommen die Bodenbeläge dran, beispielsweise Laminat, Fliesen, Parkett oder Teppich.

Auf den Bauherren wartet hier noch viel mehr Arbeit. Er muss dann Heizung und Elektrik fertig installieren. Dazu gehört die Installation von Schaltern, Steckdosen und Lampen. Wer das geplant hat, baut jetzt den Kamin ein und schließt ihn an. Dann folgt der Ausbau von Küche und Bad und das Einsetzen der Innentüren. Es ist sinnvoll mit diesem Schritt zu warten, weil es einfacher ist, sich im Haus zu bewegen, wenn noch keine Türen eingebaut sind. Dann kommt die Treppe dran: entweder der Austausch oder der Ausbau der Rohbautreppe.

Verschiedene Ausbaustufen des Ausbauhauses

Fast alle Hausanbieter geben den Bauherren die Möglichkeit, mit Eigenleistung die finanzielle Belastung zu senken. Dabei haben sie unterschiedliche Ausbaustufen im Angebot. Nicht jeder Bauherr ist handwerklich so begabt oder versiert, dass er die Heizungsanlage selbst einbauen oder die Fußbodenheizung selbst verlegen kann. Deshalb gibt es Ausbaustufen, die diese Arbeiten schon beinhalten, dann ist die komplette Heizungsanlage ebenfalls schon montiert. Bei anderen Ausbaustufen sind Sanitär- und Elektroinstallationen bereits fertig oder das Dach ist schon wärmegedämmt.

Ausbaupakete für den weiteren Ausbau

Alle Hersteller bieten ihren Kunden sogenannte Ausbaupakete an. Diese Pakete haben den Vorteil, dass der Kunde nur das erhält und bezahlt, was für den nächsten Ausbauschritt wirklich notwendig ist. Er liefert nur die Menge und die Komponenten, die für die weitere Verarbeitung notwendig und aufeinander abgestimmt sind.

Dazu gehört es auch, dem Kunden eine ordentliche Anleitung an die Hand zu geben, meist in Form eines Handbuchs oder einer Arbeitsanleitung. Dort ist genau erklärt, wie die Verarbeitung der angelieferten Materialien zu erfolgen hat. Zudem erhält der Kunde einen Lieferschein, in dem genau aufgeführt ist, welche Materialien und Gegenstände in der Lieferung enthalten waren. Der Bauherr sollte die Lieferung auf jeden auf Vollständigkeit überprüfen, bevor er auf dem Lieferschein mit seiner Unterschrift die Lieferung bestätigt.

Der Ausbau eines Hauses ist viel Arbeit

Bei vielen Herstellern gibt es eine Service-Hotline, die die Bauherren anrufen können, wenn sie nicht weiterwissen. Es ist wichtig, dass sich der Bauherr nicht zu viel zutraut. Auch versierte Heimwerker haben nicht unbedingt das notwendige Wissen, um Kupferrohre fachgerecht zu löten oder zu pressen. Hier ist solides Können und Wissen eines Fachhandwerkers gefragt. Dasselbe gilt für Estrich oder die Trittschalldämmung in einem oberen Stockwerk.

Wenn an einem solchen Ausbauhaus Schäden entstehen, ist fast immer mangelhafte Eigenleistung der Grund dafür. Für Bauherren, die merken, dass bestimmte Arbeiten sie zeitlich oder handwerklich überfordern, hat der Hersteller meist einen Montageservice, der die Arbeiten übernehmen kann.

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