«Wir vermeiden die Touristen»
Mit SUV in die Verbotene Stadt: Empörung über Chinas Reiche

Die Verbotene Stadt in Peking mal ohne Touristenmassen und lange Fußmärsche erleben? Nichts leichter als das, dachte sich eine wohlhabende Chinesin, setzte sich in ihren Mercedes-SUV und fuhr am Ruhetag ganz allein und ungestört durch das Weltkulturerbe. Jetzt entlädt sich der Volkszorn über ihr.

Sonntag, 19.01.2020, 10:38 Uhr aktualisiert: 19.01.2020, 10:40 Uhr
Blick in die menschenleere Verbotene Stadt, in der Autos streng verboten sind.
Blick in die menschenleere Verbotene Stadt, in der Autos streng verboten sind. Foto: Britta Pedersen

Peking (dpa) - Eine Frau, die mit ihrem Mercedes-Geländewagen in die Verbotene Stadt fahren durfte, hat in China große Empörung über Privilegien und Arroganz der Reichen und Mächtigen ausgelöst.

Im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo verbreitete die Frau Fotos von sich und ihrer Freundin vor dem Luxuswagen in der historischen Kulisse der Kaiserstadt in Peking. «Am Montag ist geschlossen, wir vermeiden die Touristen, haben Spaß im Palastmuseum.»

Der inzwischen wieder gelöschte Post wurde bis Sonntag hunderttausendfach weitergeleitet und kommentiert. Die Verwaltung der Verbotenen Stadt, die eigentlich nicht mit Autos befahren werden darf, zeigte sich «zutiefst erschüttert». In einer Entschuldigung wurde zugesichert, «solche Phänomene» in Zukunft zu verhindern. Warum der Frau erlaubt worden war, in das sechs Jahrhunderte alte Weltkulturerbe zu fahren, wurde nicht erklärt.

«Regeln gelten für alle, und niemand hat das Privileg, verrückt zu spielen», kommentierte das Parteiorgan «Volkszeitung» über die Frau, die nach Medienberichten früher einmal vorgegeben hatte, in eine Familie der kommunistischen Aristokratie eingeheiratet zu haben. Der Vorfall in dem nationalen Heiligtum, an dessen Eingang ein Porträt des Revolutionärs und Staatsgründers Mao Tsetung hängt, löste Kritik an der Vorzugsbehandlung der gut vernetzten neuen Reichen aus.

«Einige Leute setzen sich über das System hinweg», hieß es in Kommentaren, die aber zunehmend zensiert wurden, um die Debatte zu begrenzen. Das Volk sei beunruhigt, «dass eine gerechte Ordnung nicht garantiert werden kann». Auch schrieb einer: «An einem Ort mit solch besonderer Symbolik und kultureller Würde zeigen einige Leute ihre Privilegien auf diese Weise - frech und stolz.»

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