Verfahren aus Lemgo
Erfindung soll männliche Küken schon im Ei entdecken

Lemgo -

Das Schreddern von männlichen Küken mag sich keiner vorstellen. Nun haben Forscher aus Lemgo ein Verfahren entwickelt, an dem die Geflügelwirtschaft großes Interesse haben könnte.

Freitag, 24.01.2020, 08:14 Uhr aktualisiert: 24.01.2020, 08:23 Uhr
Professorin Helene Dörksen aus Lemgo hat ein Verfahren mitentwickelt, mit dem das Schreddern von männlichen Küken verhindert werden soll.
Professorin Helene Dörksen aus Lemgo hat ein Verfahren mitentwickelt, mit dem das Schreddern von männlichen Küken verhindert werden soll. Foto: dpa

Wissenschaftler der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo und der Hochschule Coburg haben ein Verfahren entwickelt, um das Geschlecht von Küken schon im Ei festzustellen. Vergangene Woche wurde es zum Patent angemeldet.

45 Millionen Küken werden nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums jedes Jahr in Deutschland geschreddert oder vergast – weil sie das falsche Geschlecht haben. Schon seit Jahren sucht die Geflügelwirtschaft nach einer Möglichkeit, das Geschlecht weit vor dem Schlüpfen zu bestimmen, um das Küken nicht schreddern zu müssen.

Woher die Idee kommt

Die Idee, auf der das Verfahren aus Lemgo aufbaut, stammt aus einem ganz anderen Bereich: In manchen Ländern schickt die Küstenwache aus Flugzeugen Laserstrahlen auf die Meeresoberfläche. An dem reflektierten Licht lässt sich erkennen, ob es eine Ölverschmutzung gibt. Fluoreszenzspektroskopie heißt dieses Verfahren, das Professorin Helene Dörksen (Lemgo, mathematische Auswertung) und Jens Staufenbiel (Coburg, Laseranwendung) jetzt für die Geschlechtsbestimmung nutzen. Dörksen: „Im Ei entstehen unterschiedliche Hormone bei männlichen und weiblichen Küken. Durch ein zwei Millimeter großes Loch in der Schale schicken wir mit einem Lichtleiter einen Laserstrahl ins Ei, der dort reflektiert wird.“

Förderer gesucht

Mit großem Rechenaufwand gelang es der Wissenschaftlerin des Instituts für industrielle Informationstechnik irgendwann, in den Datenmengen des reflektierten Lichts ein Muster zu erkennen, das Rückschlüsse auf das Geschlecht zulässt. Dörksen: „Bei sechs Tage alten Eiern haben wir im Moment nur noch eine Fehlerquote von sieben Prozent. In diesem Alter haben die Embryos im Ei noch kein Schmerzempfinden.“

Es ist Grundlagenforschung, die hier betrieben wird, von einer Marktreife ist das Verfahren weit entfernt. Jetzt müssen Fördergelder eingeworben oder Partner in der Industrie gefunden werden, die bei der Weiterentwicklung helfen und die Testgeräte später an die Geflügelwirtschaft verkaufen wollen.

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