Erde überholt Mars
Sonne, Mond und Sterne im Oktober 2020

Die Erde zieht auf der Innenspur an Mars vorbei. Doch besonders nahe sind sie sich schon ein paar Tage zuvor. Am 25. Oktober werden die Uhren wieder auf Winterzeit und somit um eine Stunde zurückgestellt.

Freitag, 18.09.2020, 14:03 Uhr
Aufnahme der Europäischen Weltraumagentur ESA/ESOC von Februar 2007 vom Planeten Mars.
Aufnahme der Europäischen Weltraumagentur ESA/ESOC von Februar 2007 vom Planeten Mars. Foto: esa/esoc

Stuttgart (dpa) - Im Oktober kommen sich Mars und Erde sehr nahe. Astronomischer Höhepunkt des Monats ist zweifelsohne die Marsopposition am 14. Oktober, bei der Sonne, Erde und Mars in einer geraden Linie stehen.

Die Erde überholt ihren äußeren Nachbarplaneten auf der Innenbahn. Wegen der elliptischen Marsbahn fällt die geringste Entfernung jedoch nicht mit dem Oppositionstag zusammen. Sie wird mit 62 Millionen Kilometer schon am 6. Oktober erreicht.

Mars glänzt im Oktober im Sternbild Fische und ist die gesamte Nacht über zu sehen. Der rötliche Planet übertrifft am Nachthimmel sogar den Riesenplaneten Jupiter. Erst die noch hellere Venus macht nach ihrem Aufgang am Morgenhimmel Mars Konkurrenz.

Mit Sonnenuntergang erscheint Mars am Osthimmel, um Mitternacht sieht man ihn hoch am Südhimmel und am Morgenhimmel geht er im Westen unter. Mars ist eineinhalb Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Fast zwei Jahre benötigt er, um einmal die Sonne zu umrunden. Mit 6781 Kilometer ist der Marsdurchmesser nur halb so groß wie der Erddurchmesser.

Bei der günstigen Marsopposition von 1877 wurden auf der US-Marinesternwarte in Washington D.C. zwei winzige Marsmöndchen entdeckt. Passend zum römischen Kriegsgott Mars wurden sie Phobos und Deimos, Furcht und Schrecken, getauft.

Zahlreiche irdische Raumsonden haben inzwischen Mars erreicht, kreisen nun als künstliche Satelliten um ihn oder sind auf seiner kalten und trockenen Oberfläche gelandet. Im Juli 2020 haben sich drei weitere Raumsonden auf den Weg zum Roten Planeten gemacht. Sie werden im Februar 2021 ihr Ziel erreichen.

Die Sonde der US-Raumfahrtbehörde Nasa namens «Perseverance» (Durchhaltevermögen) soll direkt im 50 Kilometer großen Krater Jezero landen und ein Marsauto absetzen. Die chinesische Marsmission «Tianwen-1» (Fragen an den Himmel) wird sich bei Ankunft teilen. Ein Teil wird Mars als künstlicher Trabant permanent umkreisen, der zweite Teil wird auf Mars landen und ebenfalls einen Marsrover über den Marsboden rollen lassen. Läuft alles wie geplant, dann sind nach der Landung fünf Marsautos unterwegs, was noch keine Verkehrsregelung erfordert. Die Vereinigten Arabischen Emirate ließen ihre Marssonde «Al-Amal» (Die Hoffnung) ins All starten. Al-Amal soll als Orbiter das Wetter auf dem Marsglobus beobachten.

Nach Einbruch der Dunkelheit sieht man bereits die beiden Riesenplaneten Jupiter und Saturn tief am Südwesthimmel. Jupiter strahlt unübersehbar in einem weißlichen Licht und ist weitaus heller als der bleiche Saturn, der etwas östlich von Jupiter steht. Jupiter rückt immer näher an Saturn heran. Zu Monatsanfang gehen beide Riesenplaneten gegen Mitternacht unter. Ende Oktober geschieht dies fast zwei Stunden früher. Der zunehmende Halbmond bildet mit Jupiter und Saturn in der Nacht vom 22. auf 23. Oktober ein nettes Dreigestirn tief am Südwesthimmel.

Venus spielt nach wie vor ihre Rolle als Morgenstern. Am 1. Oktober steigt Venus gegen halb vier Uhr morgens über die östliche Horizontlinie, zu Monatsende eine halbe Stunde später.

Der lichtschwache Planet Uranus steht am 31. Oktober im Sternbild Widder in Opposition zur Sonne. Uranus ist 19 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Um ihn zu sehen, benötigt man ein Fernglas oder Teleskop. Uranus wurde im März 1781 von Wilhelm Herschel entdeckt. 84 Jahre ist der grünliche Planet unterwegs, um einmal um die Sonne zu wandern. Uranus ist der drittgrößte Planet unseres Sonnensystems.

Schon am 1. tritt um 23.05 Uhr die Vollmondphase ein. Der Vollmond steht dabei im Sternbild Walfisch. Da der Mond für eine volle Lunation 29,5 Tage braucht, wird am 31. abermals Vollmond erreicht. Die Amerikaner nennen einen zweiten Vollmond im selben Monat «blue moon». Der zweite Vollmond leuchtet jedoch nicht blau, sondern wurde in Farmers‘ Almanach in blauer Farbe eingetragen.

Zweimal begibt sich der Mond in Erdferne, einmal am 3. mit 406 320 Kilometer und dann wieder am 30. mit 406 390 Kilometer Distanz. Dies ist kurz vor dem zweiten Vollmond. Daher erscheint dieser Vollmond am kleinsten in diesem Jahr.

Neumond tritt am 16. um 21.31 Uhr ein. Kurz danach, nämlich am 17. kommt der Mond mit 356 912 Kilometer in extreme Erdnähe. Das Zusammenfallen von Neumond und Erdnähe führt zu Springfluten mit besonders hohem Tidenhub. Eventuelle Herbststürme können diesen Effekt noch verstärken.

Am Südhimmel nehmen am Abend die Herbststernbilder ihren Platz ein. Im Zenit steht die Kassiopeia, das bekannte Himmels-W. Das Sommerdreieck mit Wega, Deneb und Atair ist nach Westen gerückt. Zu den Herbstbildern zählt auch die Andromeda, die sich an den Pegasus anschließt. Auch ihr Retter, der Held Perseus, ist als Sternbild vertreten ebenso das Meeresungeheuer Cetus, im Deutschen als Walfisch bezeichnet, das nur sehr lichtschwache Sterne hat.

Tief im Süden blinkt Fomalhaut, Hauptstern des Bildes Südlicher Fisch. Fomalhaut ist die arabische Bezeichnung für Fischmaul. Südlich der Andromeda sieht man die Sternbilder Fische und Widder. In den Fischen strahlt unübersehbar der helle, rötliche Mars. Der Widder ist ein kleines aber markantes Sternbild, das hauptsächlich aus drei Sternen besteht, die ein stumpfwinkeliges Dreieck bilden. Am Osthimmel sind zwei helle Sterne zu erkennen. Im Nordosten blinkt die gelbliche Kapella im Fuhrmann und tief am Osthimmel leuchtet rötlich Aldebaran im Sternbild Stier, Vorbote des kommenden Winters.

Die Sonne erreicht immer südlichere Positionen. Sie wandert durch das Sternbild Jungfrau und wechselt am 31. frühmorgens in das Sternbild Waage. Am 23. tritt sie in das Tierkreiszeichen Skorpion. Ihre Mittagshöhe nimmt um elf Grad ab, die Tageslänge schrumpft um fast zwei Stunden.

Am Sonntag, 25. Oktober 2020, endet die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ). Die Uhren sind um 3.00 Uhr MESZ auf 2.00 Uhr MEZ um eine Stunde zurückzudrehen.

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